Aachen… die Zweite

Geschrieben am 21.03.2016 von Ulrich Geilmann

SFK verliert auch gegen DJK Aufwärts Aachen

Es ist amtlich. Bacillus Caissaris im Cortex Cerebri. Unheilbar. Kaum bin ich wieder im Spiellokal, packt mich das Prickeln in der Eröffnung, die fiebrige Nervosität im Mittelspiel und dieses ruhelose Bangen um die letzten Partiezüge. Ich war zu lange weg. Zwar hat mich Bernd Rosen mehr als würdig vertreten und auch immer brav Bericht erstattet, doch es gibt keinen kolossaleren Sinnesreiz als sein Team selbst im Getümmel zu führen.

Diesmal ging es gegen die DJK Aachen und wir wussten, wie ernst unser Gegner zu nehmen war. Die Katernberger Farben vertraten deshalb GM Alexander Kovchan, GM Alexey Kislinsky, GM Ilja Zaragatski, GM Sebastian Siebrecht, IM Arthur Pijpers, FM Robby Kevlishvili, IM Dr. Christian Scholz sowie Marcin Kolago. Für Marcin war’s übrigens der erste Einsatz für unser Aushängeschild.

Am Sonntag waren übrigens noch drei weitere Mannschaften am Brett. Unsere U 16 hatte es auswärts mit dem SK Münster zu tun. SFK 9 spielte in Borbeck gegen WDB 6 und SFK 6 sollte es auf Helene mit SV Mülheim-Nord zu tun bekommen. Alles in allem mal wieder ein Großkampftag.

Ich hatte mir wieder gewünscht, in der Ellipse spielen zu dürfen, da der Raum das schönste Ambiente bietet. Weil es letztens gegen Köln-Porz aber ein wenig eng war, versuchte ich es heuer mal mit einer etwas anderen Tischordnung. Das Experiment gelang, auch wenn der Aufbau jedes Mal eine nette Plackerei ist, da nicht nur das normale Schachmaterial, sondern auch das gesamte Mobiliar ins Obergeschoss transportiert werden muss. Gott-sei-Dank ist in der 2. Bundesliga nicht auch noch zusätzlich eine Liveübertragung zu stemmen!

Wie auch immer! Um 10.30 Uhr war dank flinker Helferhände alles aufgebaut.

Spielsaal in der Ellipse

Wir spielten diesmal allerdings ohne den avisierten Schiedsrichter Rainer Niermann. So musste ich mir das Vergnügen mit meinem Aachener Mannschaftsführerkollegen Peter Jansen teilen, was aber reibungslos funktionierte.

Die Mannschaften wurden wie folgt an die Turnierleitung gemeldet:

  SF Katernberg - DJK Aachen
1 Kovchan - Stevic
2 Kislinsky - Nijboer
3 Zaragatski - Dambacher
4 Siebrecht - Swinkels
5 Pijpers - Hoffmann
6 Kevlishvili - Popovic
7 Dr. Scholz - Roeder
8 Kolago - Buscher

Gemessen an den Elozahlen, hatten unsere Gäste insgesamt damit leichte Vorteile.

Unsere 6. Mannschaft hatte allerdings auch so ihre Probleme. Offenbar entstanden durch eine verspätete Anreise des Mannschaftsführers ernste Zeitprobleme für den Aufbau; dazu gesellten sich technische Hürden, da niemand so recht wusste, wie die Uhren zu stellen waren. Dem Vernehmen nach, konnte der Mannschaftskampf aber dann doch mehr oder weniger pünktlich begonnen werden. Doch zurück zur 1. Mannschaft:

Mein üblicher Rundgang nach der 1. Spielstunde zeigte ein recht ausgeglichenes Bild. Insoweit war ich mit der Eröffnungsarbeit meiner Leute ganz zufrieden. Wenn ich mir überhaupt Sorgen machen wollte, dann vielleicht über Iljas Entscheidung, wieder einmal das Wolgagambit aus der Mottenkiste hervor zu kramen. So ganz optimal kam er jedenfalls nicht aus der Eröffnung. Der a-Bauer seines Gegners war frei wie die Löwin Elsa und schickte sich an, eine Reise zur schwarzen Grundreihe zu machen, Geschlechtsumwandlung inklusive.

Nach einem kleinen Plausch mit Peter Jansen und dem Mülheimer Spiritus Rektor Heinz Schmitz, der seine Vereinskollegen besuchte, folgte der 2. Kontrollgang: Ilja hatte inzwischen eine vogelwilde Stellung auf dem Brett über deren Ausgang ich mir ehrlich gesagt keine abschließende Meinung bilden konnte. Kleine Probleme hatte auch unser Debütant Marcin, dessen e-Bauer weit nach vorne geschoben war und nun von seinem Gegner ins Visier genommen wurde.

Ansonsten war aber noch alles im grünen Bereich. Mir gefielen dabei vor allem die aktiv geführten Partien von Alexander und Alexei. Auch Arthur stand ganz gut. Er sorgte für einen ordentlichen Angriffsdruck, was dazu führte, dass der Zeitverbrauch seines Gegners schon deutlich anzog.

Hoffmann - Pijpers

Kurz nach 13.00 Uhr verirrte sich dann auch der erste von insgesamt nur wenigen Zuschauern in die Rotunde. Auch diesmal war das Interesse an der Bundesligamannschaft leider etwas mau.

Um 13.35 Uhr erspielte Sebastian das erste Tagesergebnis durch Zugwiederholung in einer sonst relativ unaufgeregten Weißpartie. (½:½). Kurz danach dasselbe Ergebnis an Brett 1. (1:1). Um 14.00 Uhr konnte ich dann Arthur abklatschen. Ein sauberer Punktgewinn für Katernberg und die verdiente Führung. (2:1). Es folgte ein weiteres Remis bei Robby. (2½:1½). Der Kampf lief im Moment wirklich rund.

Inzwischen hatte Ilja die Dame erobert. Sein Gegner verblieb allerdings mit Turm und Läuferpaar. Eigentlich war klar, dass diese Figurenparade bei harmonischer Spielführung stärker sein würde. Insofern hoffte ich auf eine Dauerschachlösung. Bekanntlich soll man den Tag ja nicht vor dem Abend loben.

Während Christian remisierte (3:2), hatte Marcin nämlich gehörige Mühe, den Laden noch irgendwie zusammen zuhalten. Jedenfalls entstand ein Figurenverlust ohne wirklich geeignete Kompensation. Kurz vor der Zeitkontrolle patzte dann auch noch Alexei. Er verlor eine Leichtfigur und büßte damit seine bis dato hoffnungsvolle Stellung ein. Sehr Ärgerlich, zumal buchstäblich kampfentscheidend. (3:3).

Zumindest entlastete Ilja während dessen seine Stellung etwas. Er gewann einen der beiden Läufer. Allerdings bot die verbleibende Endspielstellung keine greifbaren Gewinnoptionen. Doch die wären bitter nötig gewesen, da Marcin dann um kurz nach 15.00 Uhr aufgab. (3:4).

Aber es dauerte noch ein gutes Weilchen, bis auch diese Partie entschieden war. Um eine lange Geschichte kurz zu machen – es reichte nicht. Noch nicht einmal mehr für einen halben Punkt. (3:5).

Dambacher - Zaragatski

Abschließend noch einmal die Einzelergebnisse:

  SF Katernberg - DJK Aachen Erg.
1 Kovchan - Stevic ½ : ½
2 Kislinsky - Nijboer 0 : 1
3 Zaragatski - Dambacher 0 : 1
4 Siebrecht - Swinkels ½ : ½
5 Pijpers - Hoffmann 1 : 0
6 Kevlishvili - Popovic ½ : ½
7 Dr. Scholz - Roeder ½ : ½
8 Kolago - Buscher 0 : 1

Tja, damit sind alle noch verbliebenen Aufstiegsträume wohl zerstoben. Gleichwohl noch einmal Glückwünsche nach Aachen. Nächster Halt: Solingen.

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