Abgegrast!

Geschrieben am 29.12.2016 von Bruno Müller-Clostermann

Erfolgreiche Katernberger beim Königsspringer Silvester Open

Auch in diesem Jahr richteten die Schachfreunde Buer-Hassel wieder das vierte Königsspringer Silvester Open aus. In gemütlichem Ambiente wurden 5 Runden nach beschleunigtem Schweizer System gespielt.

Die Katernberger Delegation bestand aus Renate Oversohl, Rekordteilnehmer Thomas Sikorski, Jan Dette, Noel Gallas, Luca Zamhöfer, Lukas Schimnatkowski und dem auf dem Papier vereinslosen Udo Schimnatkowski. Renate und Udo spielten dabei nach eigenen Aussagen „ja nur just for fun“ mit.

Lukas Schimnatkowski hat  uns einen ausführlichen Bericht zukommen lassen!

 

Am 27.12 beginnt schließlich die ersehnte 1. Runde: Renate und Udo bekommen mehr oder weniger unschlagbare Gegner mit Wertungszahlen bis zu 1800 serviert. Nix zu machen. Jan, Noel und Luca fahren hingegen jeweils einen Punkt gegen vermeintlich schwache Gegner ein. An Brett 2 kann auch das Colorado-Gambit von Lukas, als Geheimwaffe fungierend, nichts gegen FM Janusz Koscielski ausrichten. Die Überraschung bildet Thomas, als er in vermutlich gewonnener Stellung gegen den Setzlistenneunten remisiert.

2. Runde: Neue Runde, neues Glück: Renate muss dank des beschleunigten Schweizer Systems gegen einen noch stärkeren Gegner als in der ersten Runde antreten und nach solider Eröffnung und akzeptabler Stellung letztlich doch die Segel streichen. Udo wehrt sich in der zweiten Runde von allen Katernbergern am längsten gegen den Verlust, muss aber in einem Endspiel mit Minusqualität resignieren, nachdem auch einige seiner Bauern den Weg neben die Kaffeetasse seines Gegners gefunden haben.

Lukas und Thomas können gegen schwächere Gegner schnell gewinnen. Noel und Luca bekommen derweil die Mammutaufgaben gestellt, gegen die Nummern fünf und sechs des Teilnehmerfeldes zu spielen. Luca stellt Marcel Quast, den späteren Zweiten, in der Eröffnung vor gewisse Probleme, sodass dieser in der Analyse kleinlaut zugibt, in einer möglichen Variante nichts Besseres als Zugwiederholung gesehen zu haben. Luca spielt besagte Variante jedoch nicht und kommt in immer schwerwiegenderen Entwicklungsnachteil, den Marcel Quast prompt in Form zweier Türme auf der siebten Reihe ausnutzt und somit die Partie für sich entscheidet. Noel spielt derweil eine auf den ersten Blick ausgeglichene Stellung, die bereits ins Endspiel tendiert.

Jan (im Bild oben) kann nach abgelehntem Colorado die gegnerische Stellung so weit „zusammenschieben“, bis in letzter Konsequenz der gegnerische König in die Brettmitte wandern muss, wo Jan diesen mit äußerst aktivem Figurenspiel schnell mattsetzt.

An Brett 5 spielen sich währenddessen ungeheure Szenen ab: Noel bringt den 600 Wertungspunkte stärkeren Gegner Sascha Mohaupt in gefährliche Zeitnot. Nach 40 Zügen gibt es eine halbe Stunde Aufschlag, jedoch ist die Partie erst im 30 Zug.

Fast die gesamte Delegation hat sich (an)gespannt schauend um Noels Brett versammelt. Schließlich reicht Sascha Mohaupt Noel die Hand, als er im Springer-Turm-Endspiel seinen Springer verliert. Deckungsgleich läuft seine Zeit ab.

Am nächsten Tag beginnt Runde 3: Udo verzockt leichtsinnig seine Partie gegen einen schlagbaren Gegner. Renate verwertet einen schwerwiegenden Fehler des Gegners nicht und muss stattdessen einen Bauern hergeben, die Stellung gibt danach leider nicht mehr viel her. Noel muss sich an Brett 5 nach langfristigem gegnerischem Qualitätsopfer mit König in der Mitte geschlagen geben, während Jan in geliebter Bird-Eröffnung gegen Marcel Quast einen geopferten Bauern nicht zurückbekommt und nach dramatischem Turmopfer aufgeben muss. Auch Luca findet nicht das richtige Mittel gegen die Stellung seines stärkeren Gegners und verliert seine Partie.

Auch in Runde 3 bleibt Thomas auf Erfolgskurs, indem er erneut gegen einen stärkeren Gegner Remis auskämpft. An Lukas Brett wird es zunehmend kurioser: Nach Qualitätsopferung und anschließendem Rückgewinn kommt es zu einem doppelten Freibauern beider Parteien, die um den Einzug rennen... sollten! Denn Lukas Gegner ist zu sehr auf aufgestellte Drohungen fokussiert, sodass er seinen eigentlichen Hoffnungsträger vergisst und letztlich Matt auf den schwarzen Feldern zulässt.

Auch Runde 4 ist nicht ohne Witz: Es kommt zum Duell: Am vorletzten Brett einigen sich Udo und Renate nach ausgekämpfter Partie gütig auf Unentschieden. Luca kann währenddessen zu Noel aufschließen, indem er seinen zweiten Punkt durch gutes Spiel auf gegnerische Schwächen einfährt. Noel muss sich auch in dieser Runde einem zahlenmäßig weit überlegenem Gegner stellen. In einem Schwerfigurenendspiel, das in ein Turmendspiel mündet, muss er schließlich mit Minusbauer aufgeben. Jan hält sich im Stonewall an die heiligen „Bernd-Rosen-Regeln“ und gewinnt folglich wenige Züge später (Danke, Bernd!). Thomas greift auch in der vierten Runde wieder in die Vollen, als er gegen einen 150 Punkte stärkeren Gegner erneut die Überhand behält.

Lukas gewinnt seine Partie nicht ohne Glück. Nach einem instinktiv gespielten, inkorrektem Figurenopfer sieht der Gegner Gespenster und lässt sich darauffolgend sehr einladend mattsetzen.

Schon ist der letzte Tag in Gelsenkirchen und mit diesem die letzte und 5. Runde angebrochen: Udo zaubert ohne jegliche Kenntnis einen korrekt gespielten Königsindischen Angriff auf sein Brett, verliert aber im Eifer des Gefechts eine wichtige Qualität und kann seine Stellung nach weiterem Abtausch nicht mehr halten. Renate kämpft am Nebenbrett um den ersten vollen Punkt und wird nach aktiven Figurenspiel auch mit diesem belohnt. Folglich erzielt sie 1,5 aus 5. Luca kann einige Ungereimtheiten in seiner Bauernstruktur zu seinem Vorteil nutzen und erreicht eine gute Stellung, verliert dann jedoch den Überblick und wenig später auch die Partie. 2 aus 5. Noel kann gegen den zuvor von Thomas besiegten Gegner gewinnen und erreicht 3 aus 5. Thomas muss gegen den Setzlistenachten seine einzige Niederlage in Kauf nehmen und kommt auf gute 3 aus 5.

Den Showdown für dieses harmonische Turnier liefern Jan und Lukas (im Bild), die in der letzten Runde gegeneinander spielen müssen. Jan versucht einen Grand-Prix-Angriff gegen das improvisierte Sizilianisch von Lukas zu starten. Das weiße Spiel gestaltet sich jedoch nicht typisch, da Lukas die Rochade bis zuletzt zurückstellt und lediglich „droht“ kurz zu rochieren.

In gravierender Zeitnot einigen sich die Kontrahenten letztendlich mit Remis auf ein durchaus gerechtes Ergebnis. Folglich führen Jan und Lukas die interne Tabelle der Katernberger Delegation mit 3,5 aus 5 an.

Nach der Arbeit kommt ja bekanntlich das Vergnügen. So auch dieses Jahr wieder beim Silvester Open. Die Verantwortlichen verteilen die einzelnen Geldpreise. In dieser Tatsache ist auch die Überschrift dieses Artikels begründet. Denn die Katernberger gewinnen in Summe mehr Preisgeld als ursprünglich gezahltes Startgeld! Thomas Sikorski, Jan Dette und Noel Gallas gewinnen jeweils den ersten Ratingpreis in ihrer Ratinggruppe, während Lukas Schimnatkowski auch dieses Jahr wieder den Jugendpreis einheimst. Somit hat die Delegation Katernberg würdig vertreten.

Insgesamt auch dieses Jahr wieder ein rundum gelungenes Turnier und vielleicht ist nächstes Jahr der ein oder andere Katernberger mehr dabei.

Turnierseite: http://www.koenigsspringer.de/Silvester-Turniere/Silvester.html

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Marie von Ebner-Eschenbach

Schachaufgabe

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