Alle guten Dinge sind drei!

Geschrieben am 20.05.2022 von Lasse Struck

Am letzten Sonntag wurden in der Zeche Helene die Schachfiguren ausgepackt. Für SFK3 hieß es Punktesammeln im Nachholspiel gegen den SC Buer-Hassel 1 und SFK8 hatte die achte Mannschaft von Mülheim-Nord zu Gast. Diese Begegnung war jedoch weniger von Bedeutung, da unser eingespieltes achtes Team schon zuvor mit großem Abstand an der Tabellenspitze stand. Entsprechend verlief auch der letzte Kampf in dieser Liga: Günter, Patrick, Jonathan und Erwin punkteten souverän. Anzumerken ist noch, dass bei Günter fast die gleiche Variante wie schon im letzten Spiel gegen diesen Gegner auf's Brett gestellt wurde und unser Mannschaftsführer kaum nachdenken musste.

Wesentlich länger musste SFK3 kämpfen, um am Ende ebenfalls einen Mannschaftssieg einzufahren. Hier war es Ulrich Gehrmann, der in der längsten Partie des Tages den entscheidenden Punkt holte.

Yunus am sechsten Brett entwickelte seine Figuren auf die richtigen Felder und schon bald hatte er die Möglichkeit den gegnerischen König zu erlegen. Leider blieb diese Möglichkeit ungenutzt sodass am Ende es Tages trotz sehenswerter Leistung doch ein 0:1 auf dem Partieformular stand. Auch bei Kalle wollte es heute einfach nicht laufen. Mit dem 4 zu 2 Enstand stellte unsere achte Mannschaft ihr Können noch einmal unter Beweis. Endbilanz: 8 starke Siege und nur ein Unendschieden in der ganzen Saison. Günter (7,5/9) wird Topscorer der Liga, dicht gefolgt von Patrick und Kalle auf Platz 2 und 3. Kein Wunder, dass so ein übermächitges Team aufsteigt!

SFK3 - Buer Hassel

Anschließend starteten die Partien von SFK 3 gegen Buer-Hassel 1. Da ihr Berichtserstatter selbst spielte folgt hier ein Schnelldurchlauf:

Brett 1: Hammerich - Rosen
Nachdem Willy im Dc2 - Nimzoinder den eher seltenen, aber doch gut spielbaren Zug Sc6 auspackte, entstand das Ungleichgewicht Läufer gegen Springer mit einem geschlossenen Zentrum. In der Folge manövrierte Willy seine Leichtfigur nach c5 und begann das Zentrum mit dem Hebel f5 anzugreifen. Auch dem Computer gefiel diese Stellung, doch eine zu hastige Abtauschkombnation erlaubte es der weißen Dame auf g6 einzubrechen. Remis!

Brett 2: Geerlings - Wolff
Bei Gerd entstand eine englische Eröffnung. Sein Gegner brach die Symmetrie mit dem Bauernvorstoß d5. Schwarz erhiehlt somit mehr Raum im Zenrtum, er musste sich aber auch dem schwachen Bauern c5 auseinandersetzen. Nach 18 Zügen waren die Bauern a-b gegen a-c getauscht und ein frühzeitiges Remis wurde vereinbart.

Brett 3: Wiechen - Krüger
Erich wurde am dritten Brett früh in der Eröffnung überrascht. In der Hauptvariante des Caro-Kann wurde die Stellung nach 5.Lg6 schon über 14.000 Mal gespielt, nach 6.c3 sind nur noch 61 Partien in der Lichess Masters Database zu finden. Während der weiße h-Bauer nach vorne stürmte, entwickelten sich die schwarzen Figuren. Zum richtigen Zeitpunkt öffnete Erich das Zentrum gegen den gegnerischen König - nun waren es die schwarzen Figuren, welche den gegnerischen König in Bedrängnis brachten.
Mehrmals zeigte der Rechner an, Schwarz stünde komplett auf Gewinn, doch am Brett diese Züge zu finden ist nocheinmal etwas schwieriger. Letztlich landete Erich wie schon im vorherigen Mannschaftskampf in einem ausgeglichenen Turmendspiel.

Der Kommentar unseres Mannschaftsführers Volker lautete zu diesen drei Ergebnissen: "Mangelhaft! Da wäre mehr drin gewesen."
Während die ersten drei Bretter remisierten, sollte es dahinter turbulent zugehen. Alle fünf Partien wurden ausgekämpft bis ein Sieger feststand.

Brett 4: Gallas - Winzbeck
Den ersten ganzen Punkt durfte Noel einfahren. Wie gewohnt hatte er eine solide Stellung mit wenig Zeit. Im Najdorfsizilianer entschied er sich für einen Aufbau mit f4 und kurzer Rochade. Nach dem weiteren Vorrücken des f-Bauern wechselte Noel seinen Angriffspunkt. Nicht mehr der gegnerische König auf g8 war unter Beschuss, sondern der Bauer auf a6. Dadurch mussten die schwarzen Figuren passiv am Damenflügel verweilen, während Noel den f-Bauern als Sargnagel gegen den schwarzen Monarchen nutzte. Schnell noch eine Dame-Läufer-Batterie aufgebaut und das Matt war unaufhaltbar!

Brett 5: Gritzan - Sauer
Hier wurde es kompliziert. Bernd spielte den Stonewallaufbau mit c6-d5-e6-f5 - man schwächt zwar das Feld e5, erhält aber dafür Kontrolle über e4. In der Partie schaffte es Weiß aber einen Spinger auf e5 zu festigen und mit f3 die schwarze Kompensation zu vernichten. Nach einigen taktischen Verwicklungen, in welchen auch Bernd seine Möglichkeiten hatte, drang die weiße Dame verheerend im schwarzen Lager ein. Ausgleich!

Brett 6: Struck - Semina
Schon wieder Weiß! Ob die Schachgötter es gut mit mir meinen oder mir sagen wollen, ich müsse mein Spiel mit den weißen Steinen dringend verbessern - naja das kann man nicht sagen. Fakt ist, dass der Berichtserstatter schon wieder in eine verlorene Stellung hineingeraten ist und sich irgendwie erneut herausgewunden hat. Aber von vorne: Wie gewohnt spielte ich meinen Katalanen, gegen welchen meine erfahrene Gegnerin einen Aufbau mit c6 wählte. In diesen Strukturen gilt es für Weiß den Bauernhebel c5 zu unterbinden, damit der Lb7 nicht aktiviert werden kann. Als dies (meiner Meinung nach) erreicht war, zog Schwarz trotzdem c5. In der Folge verbrauchte ich viel Zeit und fand mich mit Minusbauer in einer unbequemen Lage. Glücklicherweise versuchte meine Gegnerin, ebenfalls schnell zu ziehen um meine Zeitnot auszunutzen. Mit einem letzten taktischen Trick verließ ein ganzer schwarzer Springer das Brett. Wie auch schon im letzten Kampf gegen Kamen war das Verwerten kein Problem mehr.

Brett 7: Strohmann - Jahrke
An Brett 7 wurde mit dem Feuer gespielt - kein Wunder, Jonas spielt ja. Zuerst lehnte dieser das gegnerische Morragambit ab, aber Weiß spielte wenig später mit einer Dame gegen drei schwarze Leichtfiguren. Nachdem Jonas einige Koordinationsprobleme löste, vereinfachte er die Stellung. Dabei nahm er noch gleich eine gegnerische Qualität mit. Leider waren nicht mehr viele Bauern auf dem Feld, was bedeutete, dass die Koordinationsschwierigkeiten wieder zunahmen. Aus diesen resultierte der Verlust eines ganzen Springers. Die vielen weißen Bauern waren unaufhaltbar. 3,5:3,5!

Brett 8: Gehrmann - Lazarev
Hier wurde am längesten gespielt. Nach einer recht ereignislosen schottischen Eröffnung verschenkte Schwarz seinen c5-Bauern einzügig. Es lag also an Ulrich, das Turm+Läufer Endpiel und somit den ganzen Mannschaftskampf für uns zu entscheiden. Langsam koordinierten sich die weißen Kräfte und nach dem Läufertausch standen drei weiße Bauern einem schwarzen Bauern am Königsflügel gegenüber. Außerdem sperrte Ulrichs König den schwarzen Gegenspieler am Brettrand ein. Nach genauer Kalkulation opferte sich der weiße Turm, um eine neue Dame auf das Spielfeld treten zu lassen. Doch die Position war alles andere als eindeutig. Die schwarzen Kräfte bedrohten den einzigen weißen Bauern und die Nähe der Könige zum Brettrand erlaubte Pattideen. In der sechsten Spielstunde opferte Schwarz seinen Turm um ein Patt zu erreichen. Ulrich war gezwungen, dieses Opfer anzunehmen und die Mannschaftskollegen von Buer-Hassel klopften ihrem achten Mann achtungsvoll auf die Schulter. Dieser begann schon vorherige Stellungen aufzubauen, um diese noch zu analysieren. Was sie aber alle übersehen hatten: Der schwarze König konnte noch den h4-Bauern schlagen! Nachdem Ulrich dies laut bemerkte, herrschte Fassungslosigkeit.

Summa summarum gewinnt SFK3 den dritten Kampf in Folge mit 4,5:3,5. Damit sollte der Klassenerhalt so gut wie gesichert sein. Nächsten Sonntag werden hoffentlich weitere Punkte gegen Annen folgen.

Die Partien zum Nachspielen

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Ein Unverständiger glaubt noch alles; aber ein Kluger gibt acht auf seinen Gang.

Buch der Sprüche 14-15

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