Back in the ... Oberliga!

Geschrieben am 18.05.2019 von Bernd Rosen

SFK 1 schafft den direkten Wiederaufstieg in die Oberliga NRW

Bergwanderer erleben oft, dass der letzte Schritt bergauf, zur Hütte, die Erholung und Schlaf verspricht, als der schwierigste der gesamten Tour erscheint. Nur die Aussicht auf eine zünftige Brotzeit, ein kühles Bier und eine Ruhebank für die geschundenen Beine hält uns noch aufrecht. Der letzte Kampf der Saison hätte für unsere erste Mannschaft so ein schwieriger letzter Schritt werden können - am Ende glich die Begegnung mit Lasker Köln aber eher einem Spaziergang bei leichtem Gefälle. Mit einem nie gefährdeten 5,5:2,5 verteidigten wir den ersten Platz in der Tabelle souverän und steigen somit nach einem Jahr als Viertligist wieder in die Oberliga NRW auf. Zahlreiche Vereinsmitglieder drückten uns nicht nur zu Hause auf dem Sofa die Daumen, sondern unterstützten uns vor Ort mit ihrem Besuch - Speis und Trank gab`s anschließend in unserem Spiellokal.

Vor der Saison liegen wir hinter Plettenberg und Düsseldorf zusammen mit Godesberg nur auf Rang 3 der Setzliste. Gegenüber der Vorsaison haben wir die Mannschaft leicht umgebaut: Volker Gassmann und Thomas Neuer kommen neu ins Team, wobei letzterer verspricht, ähnlich sicher zu agieren wie bei SFK II und dabei mehr ganze Punkte einzustreuen als zuletzt.

  • Gegen Aufsteiger Sodingen/Castrop geht der Plan schon mal auf: Volker und Thomas N. gewinnen, ebenso Sebastian, Timo und ich. Rechnen iwr noch drei Remisen dazu, kommen wir auf einen souveränen 6,5:1,5 Erfolg. Im Vorjahr haben wir beim Auftaktspiel gegen Wuppertal einen ähnlich überlegenen Kampf noch verloren.

  • Schon in der 2. Runde treffen wir auf Düsseldorf II - kein gutes Los, denn zu diesem frühen Zeitpunkt hat sich noch kein Düsseldorfer in der Bundesliga festgespielt. Am Ende des Tages sind wir das schlechte Los von Düsseldorf: Als deren starke Spitzenbretter noch spielen, haben wir schon 4,5 Punkte. Bosko und ich erhöhen sogar noch auf 6,5:1,5.

  • Südlohn sollte eigentlich kein echter Prüfstein sein - im Vorjahr rettete denen nur ein äußerst dubioses 4:4 in der letzten Runde den Klassenerhalt, was für SFK II zugleich den Abstieg bedeutete. Aber Ersatzmann Lukas verliert gegen den hinten aufgestellten stärksten Spieler von Südlohn, Thomas Wessendorf läuft in überlegener Stellung in einen Konter und muss sích noch ums Remis bemühen, und Rainer Kaeding verpasst einen schönen Trick und verliert. Siege von Volker, Bosko und mir (nach drei abgelehnten Remisangeboten!) sorgen noch für ein knappes 4,5:3,5.

  • Showdown im Sauerland: Plettenberg hat schon in der ersten Runde gegen Iserlohn einen Mannschaftspunkt liegen gelassen und tritt gegen uns erwartet stark - mit zwei GM und 2 IM - an. Sebastian ist extra für diesen Kampf aus Frankreich angereist und hält ein souveränes Remis gegen den stärksten Plettenberger. Bosko verliert, Rainer verdirbt seine dank Top-Vorbereitung gute Stellung in wenigen Zügen, und auch Thomas Wessendorf landet nach einem Fehler vor der Zeitkontrolle in einem verlorenen Endspiel. Dank der Siege von Volker, Thomas Neuer und Ersatzmann Marcus Bee verteidigen wir am Ende mit einem 4:4 dennoch die Tabellenführung.

  • Im Januar treffen wir auf Godesberg, und hier lassen wir einen Punkt liegen: Ich folge etwas zu leichtfertig meiner Devise "Ein Bauer für Spaß geht immer!" und muss im Partieverlauf realisieren, dass allein mein Gegner seinen Spaß mit der Partie hat. Rainer wickelt in ein genau berechnetes gewonnenes Bauernendspiel ab, in dem er leider noch eine zusätzliche Feinheit entdeckt, die aus dem sicheren 1:0 ein 0:1 macht. Zwar gewinnen Timo und Volker, aber Thomas Wessendorf übersieht in klar besserer Stellung einen Trick und hält am Ende ein Endspiel mit Minusfigur Remis.

  • Bielefeld hat auf dem Papier eine gute Mannschaft, kann dies am Brett gegen uns aber nicht unter Beweis stellen. Thomas Neuer und Sebastian remisieren, alle übrigen holen den ganzen Punkt: 7:1! Da Plettenberg inzwischen gleichauf liegt, kommt dieser Kantersieg gerade recht, um die Tabellenführung dank des besseren Torverhältnisses zu verteidigen.

  • Dann kommt der März, und wir werden unsanft daran erinnert, dass es wichtigere Dinge im Leben gibt als unseren geliebten Schachsport: Wir müssen von unserem wunderbaren Bruno Abschied nehmen, und Volker Gassmann, bis dahin mit 6 aus 6 unser überragender Spieler, liegt plötzlich schwer krank im Krankenhaus. Zu allem Überfluss muss sich auch Thomas Wessendorf nach einem Todesfall in der Familie abmelden. Gegen Iserlohn, eine sehr kampfstarke Mannschaft, müsen wir mit vier Ersatzspielern antreten. Die machen ihre Sache aber ausgezeichnet: Martin Villwock gewinnt, Jan, Lukas und Maximilian remisieren. Da auch Bosko und Timo gewinnen, sind wir nicht nur um zwei Mannschaftspunkte reicher, sondern auch um die Erkenntnis, dass der "zweite Anzug" wirklich sitzt.

  • Gütersloh ist Tabellenletzter und spielt auch so. Rainer und Thomas W. schaffen es nicht, den "Sack zuzumachen", alle übrigen melden einen ganzen Punkt. Das zweite 7:1 der Spielzeit beschert uns satte 3,5 Brettpunkte Vorsprung auf Plettenberg - eine gute Ausgangslage für das letzte Saisonspiel.

  • Lasker Köln kommt deutlich ersatzgeschwächt nach Essen. Aber auch Düsseldorf tritt gegen Plettenberg mit dem letzten Aufgebot an - dort liegt lange sogar ein 8:0 im Bereich des Möglichen. Trotzdem kommt keine echte Spannung auf: Timo erobert schon nach 13 Zügen, Thomas Wessendorf im frühen Mittelspiel eine Figur. Thomas Neuer, Rainer und ich remisieren gegen friedlich gestimmte Kölner ohne Mühe. Später punkten auch Bernd Dahm und Bosko. Nur Sebastian erleidet einen Rückfall in alte "Hau-Ruck" Zeiten und muss einsehen, dass ihm für dieses taktische Spiel auf dubioser positioneller Grundlage inzwischen die Kraft und wohl auch die Spielpraxis fehlen. Er landet in einem schlechten Endspiel, das nicht zu halten ist.

Schaut man sich die Tabelle näher an, dann sehen wir erst, was wir geleistet haben: Wie Plettenberg haben wir 16:2 Mannschaftspunkte - dahinter folgen Godesberg und Düsseldorf mit 11:7. In der Liste der Topscorer stehen je fünf Katernberger und Plettenberger auf den ersten 10 Plätzen. Unsere erfolgreichsten Akteure waren Timo Küppers mit 7,5 aus 8 und Volker Gassmann mit 6 aus 6. Volker ist inzwischen übrigens auf dem Wege der Besserung - unseren letzten Sieg hat er schon wieder live miterlebt und auch die nachstehend abgebildeten Fotos geschossen. Hervorzuheben sind auch Bosko Tomic (7 aus 9) und Thomas Neuer (6,5 aus 9). Ich muss gestehen, dass ich mit meinen 6,5 aus 9 ebenfalls zufrieden bin. Wichtig für den Erfolg war auch unsere ausgezeichnete Ersatzbank: Aus 12 Einsätzen holten unsere 6 Ersatzspieler hervorragende 8,5 Punkte!

Mit einer ähnlich konzentrierten Einstellung ist auch der Klassenerhalt in der Oberliga ein durchaus realistisches Ziel. Bevor wir uns auf die kommende Saison freuen können, stehen aber noch einige wichtige sportliche Entscheidungen bevor: Unsere zweite Mannschaft kämpft noch um den ersten Platz in der Regionalliga, und auch im Pokal sind wir weiterhin im Rennen.

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Nirgends wird Zeitvergeudung strenger bestraft als beim Schach.

Samuel Reshevsky

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