Bernd Rosen ist 60!

Geschrieben am 03.03.2018 von Volker Gassmann

Seit mehr als 20 Jahren ist FIDE-Meister und DSB-A-Trainer Bernd Rosen der Präsident unseres Vereins, dessen Erfolge ohne ihn nicht möglich gewesen wären. Zu Recht genießt er deutschlandweit als Trainer hohes Ansehen, führte zahlreiche Jugendspieler an die Spitze und wurde daher als „Trainer des Jahres“ ausgezeichnet. Auch bei zahlreichen „Auslandseinsätzen“ für den Deutschen Schachbund bei Jugendmeisterschaften in Vietnam, Italien, Georgien, Brasilien und Kroatien betreute er das deutsche Team.

Genauso hervorzuheben ist aber seine unermüdliche Arbeit für unseren Verein, bei der seine gute Vernetzung mit anderen Vereinen, Trainern und Spielleitern oft hilft. Dank hervorragender Organisation erledigt er Kleinkram wie Turniermeldungen, Spielermeldungen beim DSB, Kurzmitteilungen über Turnierergebnisse etc. sogar aus dem Urlaub. Kaum zu Hause spielt er dann selbst wieder oder begleitet Jugendmannschaften zu Turnieren.

Dazu zählt auch die Betreuung bei den Deutschen Jugend-Mannschafts-Meisterschaften, die immer zwischen Weihnachten und Neujahr stattfinden und die ich als Jugendwart bisher meiner Familie nicht zumuten wollte. Unser Dank gilt daher auch seiner Frau Beate und seiner Tochter Anna.

Mit dem Wachstum des Jugendbereichs bei uns wurde das interne Jugendtraining immer wichtiger. Zusätzlich zu den normalen Terminen Dienstags und Freitags legt er häufig „Sonderschichten“ am Wochenende ein, zuletzt beispielsweise bei der Vorbereitung der U14 auf die Deutsche Meisterschaft. Aber nicht nur seine fachlichen und pädagogischen Fähigkeiten sind dabei gefragt: Immer wieder bewundere ich seine Fähigkeit, mit Eltern und Spielern nicht nur ins Gespräch zu kommen, sondern Gemeinsamkeiten außerhalb vom Schachsport zu entdecken und echten menschlichen Kontakt aufzubauen. Sogar gemeinsame Literaturkenntnisse können da offenbar helfen - z.B. Ernst Blochs „Prinzip Hoffnung“ - während meine Kenntnisse über Primzahlen oder Quantentheorie offenbar nicht gefragt sind. Nicht zuletzt durch diesen menschlichen Umgang ist auch zu erklären, warum er zur Hochzeit unseres ehemaligen Spitzenspieles Andrej Volokitin sogar in die Ukraine eingeladen wurde.

Besonders wichtig für unseren Verein ist auch die seit Jahrzehnten maßgeblich von Bernd gepflegte Vereinshomepage. Zwar wird die ursprünglich Dank seiner hervorragenden IT-Kenntnisse von Bernd selbst erstellte Homepage - das muss 2000/2001 gewesen sein - inzwischen dankenswerterweise technisch von Webmaster Julian Knorr betreut, aber Bernd sorgt als Autor oder Co-Autor praktisch jede Woche für neue Berichte. Zahlreiche Eltern oder Verantwortliche anderer Vereine informieren sich bei uns über Termine oder Ergebnisse besonders von Jugendturnieren. Auch die Anbindung von Twitter, die Aufgabensammlung, die Schachsprüche und der Pressespiegel machen den für mich zur Terminplanung notwendigen Aufruf unserer Homepage sogar zum täglichen Vergnügen.

Überhaupt die Pressearbeit: Nach dem viel zu frühen Tod von Willi Knebel und der bald darauf erfolgenden Einstellung der wöchentlichen Schachecke in wichtigen Zeitungen der Region war zu befürchten, dass die Berichterstattung über unseren Sport ebenfalls leiden würde. Dass dem nicht so war ist Bernd zu verdanken, der die Presse regelmäßig über alle wesentlichen Ereignisse mit Beteiligung Essener Schachspieler informiert: Alle Sport-Interessierten aber nicht Fußball-fixierten in meinem Bekanntenkreis sind neidisch auf die regelmäßigen und fast immer auf Bernd zurückgehenden Artikel über unseren Sport.

Ebenfalls sehr erfolgreich ist Bernd als Autor. Neben zahlreichen Serien in der Zeitschrift Jugendschach ist besonders sein Buch „Fit im Endspiel“ bekannt. Die englische Übersetzung „Chess Endgame Training“ wurde nicht nur von Schachbuch-Besteller-Autor und Kritiker-Papst IM John Watson gelobt, sondern hat auch bei einem bekannten Online-Buchversand eine einzigartige, 100-prozentig positive 5 Sterne-Kundenbewertung.

Mit dem Schachspieler Bernd Rosen verbinden viele von uns in erster Linie sehr gute Technik besonders bei Endspielen einerseits, sowie Französisch, Tschechisches Benoni und den Botwinnik-Aufbau als bevorzugte Eröffnungen andererseits. Aber natürlich hat Bernd ein großes Gespür für Taktik und Dynamik und ist äußerst zäh bei der Verteidigung. In seiner Jugend eröffnete er mit e4 und spielte viel Sizilianisch. In der ersten Partie von Bernd in meiner Datenbank spielte er in der Bundesligasaison 86/87 gegen Damenindisch das kürzlich vom hochgelobten Computerprogramm Alpha Zero in mehreren grandiosen Partien gespielte Bauernopfer 7. d5 und gewann überzeugend. Die Benoni-Stellungen wiederum können zwar zu langwierigem Manövrieren und anschließenden Endspielen führen, aber eben auch plötzlich explodieren. Typisch für den Taktiker Bernd Rosen sind Kombinationen aus positionell überlegener Stellung und langfristige Qualitätsopfer aber ich habe drei Partien mit Königsangriff aus den letzten 15 Jahren ausgewählt:

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Mit Bernd an der Spitze unseres Vereins haben wir in den letzten Jahren Probleme im Bereich E-Doping, den Bundesliga-Abstieg und beim Übergang der Schachabteilung zu einem selbständigen Verein erfolgreich überwunden und sind bei der Mitgliederentwicklung, im Jugendschach und als Motor für den Schachsport in Essen weiterhin Spitze. Auch beim Seniorenschach und der sukzessiven Verstärkung der 1. Mannschaft mit starken Jugendlichen aus dem eigenen Verein können wir Dank des unermüdlichen Einsatzes von Bernd als Spieler einerseits und als Trainer andererseits sehr optimistisch sein! Die Schachfreunde Essen-Katernberg wünschen ihrem Präsidenten alles Gute und weiterhin viele Siege am Schachbrett aber auch Zeit mit Familie und den Hobbies Kochen und Fotografie!

Dr. Volker Gassmann

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Aristoteles

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