Bundesliga: Schon wieder knapp vorbei

Geschrieben am 01.02.2006 von Bernd Rosen

Mageres Pünktchen am vierten Wochenende

Leonid KritzEs hat nicht gereicht! Die Sportfreunde Katernberg unterlagen in Mülheim im Spitzenspiel der Bundesliga dem Deutschen Meister Werder Bremen knapp, aber nicht unverdient, mit 3,5:4,5 und können den Kampf um die Meisterschaft wohl abhaken. Dennoch bleibt SFK im Rennen um den für den Einzug in den Europapokal so wichtigen dritten Platz. Und auch am Sonntag im Spiel gegen Hamburg reichte es nur zu einem sehr glücklichen, hart umkämpften Unentschieden.

Gegen das kompakte Team des deutschen Meisters war SFK ambitioniert angetreten; alle Partien waren hart umkämpft. GM Leonid Kritz remisierte nach knapp vierstündiger Spielzeit in einem Doppelturmendspiel ebenso wie wenig später auch GM Sergey Smagin, der in einem komplizierten Mittelspiel zeitweilige Nachteile ausgleichen konnte, so dass die Punkteteilung unausweichlich wurde. Es folgte ein weiteres Remis durch IM Martin Senff, der in einem Schwerfiguren-Endspiel leichte Probleme am Damenflügel durch ein Turmopfer nebst Dauerschach beheben konnte.

Vladimir ChuchelovEine hochinteressante "englische" Partie spielte GM Vladimir Chuchelov gegen den starken GM Tomi Nyback. Nach geduldiger Vorarbeit eroberte er einen wichtigen Zentrumsbauern und wurde von den Optimisten unter den SFK-Fans bereits als potentieller Sieger gehandelt. Nachdem er jedoch auf Drohungen nicht mit den besten Zügen geantwortet hatte, erzwang der Finne Damentausch nebst Rückgabe des Bauern, wonach Chuchelov enttäuscht die Hand zum Remis über das Brett reichte. Das fünfte Remis steuerte IM Matthias Thesing bei, der bei seinem ersten Einsatz in der laufenden Spielzeit seinen "geschlossenen Sizilianer" sicher in ein unverlierbares Endspiel mit ungleichfarbigen Läufern abwickelte.

GM Sergey Erenburg, bisher noch unbesiegt, stand schon frühzeitig unter starkem Druck am Damenflügel gegen seinen "lang" rochierten König. Sein tschechischer Gegner erhöhte den Druck, erreichte letztlich ein Endspiel mit zwei Mehrbauern und erzwang die Kapitulation. Einen etwas unglücklichen Springerzug von IM Georgios Souleidis nutzte GM Rainer Knaak zu anhaltendem Druckspiel, das in einem für den Bremer Großmeister gewonnenen Turmendspiel endete.

Andrei VolokitinEine Kampfpartie "auf Biegen und Brechen" lieferten sich am Spitzenbrett der englische GM Luke McShane (21) und, GM Andrei Volokitin (19), Katernbergs Nr. 1. Der Olympiasieger aus der Ukraine imponierte wieder einmal durch seinen unglaublichen Siegeswillen, der ihn auch in der Zeitnotphase nicht den Überblick verlieren ließ. Bei den das ganze Brett umfassenden Mittelspielverwicklungen eroberte er schließlich zwei Bauern. Als es ihm danach auch noch gelang, das gegnerische Herrscherpaar am Brettrand "festzunageln", warf der Engländer das Handtuch. An der SFK-Niederlage änderte der Sieg, der leider auch nur einen Brettpunkt zählte, nichts mehr.

Der Kampf gegen die Hamburger begann mit einem Remis von GM Leonid Kritz, der schon nach einem 17-zügigen Eröffnungsgeplänkel auf Gewinnversuche verzichtete. Der deutsche Nationalspieler GM Jan Gustafsson "entschärfte", wie schon im Vorjahr, am Spitzenbrett die Katernberger "Wunderwaffe" (Zitat des Hamburger Kapitäns Zickelbein) Andrei Volokitin. Nach 31 Zügen war das Remis perfekt.

Sergey SmaginDanach begannen die Probleme für SFK. Der ansonsten zuverlässige GM Vladimir Chuchelov, der zuletzt exakt am gleichen Tag des Vorjahres an gleicher Stelle seine letzte Partie im SFK-Dress verloren hatte, geriet in eine tödliche Springerfesselung, der er nur ohnmächtige Königszüge entgegensetzen konnte. Das unausweichliche Ende kam nur wenige Züge später. Wenig später musste auch IM Matthias Thesing, der seine respektable Stellung in Zeitnot "verschustert" hatte, kapitulieren. In der Zwischenzeit hatte IM Martin Senff mit einem chancenreichen Qualitätsopfer zwei Bauern gewonnen. Nach einer ungenauen Abwicklung drang sein Gegner jedoch mit beiden Türmen in die 7. Reihe ein und stellte den König des Katernbergers mit dem Springer vor ein undeckbares Matt.

SFK stand in den drei unbeendeten Partien zwar leicht besser, doch von Gewinnstellungen konnte keine Rede sein. Beim Stand von 1:4 schien der Kampf gelaufen, da nur der Gewinn aller drei Partien einen Punkt retten konnte. Doch mit dem Rücken zur Wand zeigten die Spieler Kampfmoral: GM Sergey Erenburg, der seine Niederlage vom Vortag unbedingt ausbügeln wollte, nahm seinem Gegner im Mittelspiel einen Bauern ab, den er im Endspiel zum Sieg verwertete. GM Sergey Smagin, der es im 40. Zug versäumte hatte, den Sack zuzumachen, ließ sich auf abenteuerliche Verwicklungen ein, die auch ein waghalsiges Bauernopfer einschlossen. Als die angstschweißgebadeten Zuschauer schon mit dem Schlimmsten rechneten, stand plötzlich ein gewonnenes Turmendspiel auf dem Brett.

Sebastian SiebrechtDen Schlusspunkt setzte IM Sebastian Siebrecht, der seine gewinnträchtige Stellung durch einen ungenauen Zug gefährdet hatte. In rasender Zeitnot schickte die gegnerische Dame den König des Katernbergers durch ein Fegefeuer von 45 (!!) Schachgeboten, bevor es Siebrecht gelang, sie - mit nur noch wenigen Restsekunden auf der Uhr - abzutauschen, was den Sieg sicherte. Katernbergs Sunnyboy war anschließend am Ende seiner Kräfte; Zeitnot und Verantwortung für den Kampf hatten ihre Spuren hinterlassen.

Willi Knebel

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