Der Dom bleibt in Köln, die Punkte in Katernberg

Geschrieben am 13.03.2022 von Bernd Rosen

Oberliga: KKS Köln - SFK 3:5

Mer losse d'r Dom in Kölle - so beginnt die Kölner Hymne der Bläck Fööss. Auf der Hinfahrt waren wir uns schon einig, dass wir daran auch gar nichts ändern wollten, die Punkte aus diesem Oberliga-Kampf würden uns vollauf genügen. Da Köln auf drei Stammspieler verzichten musste (konkret fehlten die Rangnummern 1, 3 und 4) sahen wir uns unversehens in die Rolle des Favoriten gedrängt. Andererseits konnten wir die Vorbereitung auf unsere Gegner vergessen (was hätte man mit der Zeit, die dafür drauf ging, nicht alles anfangen können). Und tatsächlich sah es zunächst nicht nach einem klaren Ergebnis aus. Dass wir am Ende als Sieger vom Brett gingen, lag vor allem daran, dass Bosko und Martin ihre höchst gefährdeten (wenn nicht klar verlorenen) Stellungen noch zum Sieg führten:

Timo und ich erhielten recht früh Remisangebote, die wir annahmen. Ich haderte zu diesem Zeitpunkt damit, dass ich in der Eröffnung einen wichtigen Zug einen Zug zu lange aufgeschoben hatte, während Timo bei noch vollem Brett einer Zugwiederholung nicht gut ausweichen konnte. Natürlich hatten wir uns zuvor davon überzeugt, dass der Kampf schon zu diesem frühen Zeitpunkt sehr gut stand:

  • Martin hatte in einer scharfen Stellung einen Bauern mehr und einen starken Zentralspringer.

  • Thomas hatte mit der Tarrasch-Verteidigung eine sehr aktive Stellung erhalten.

  • Marcus musste riesig stehen, denn er verschmähte sogar den möglichen Gewinn einer Qualität.

  • Armin hatte ebenfalls eine positionell deutlich überlegene Stellung erhalten.

  • Lukas stand kompliziert, aber sicher nicht schlechter.

  • Nur Bosko hatte eher keine Kompensation für den geopferten Bauern.

Nun ja, aber vielleicht hatten wir auch einfach nur Angst!?

Zunächst verschlechterten sich unsere Aussichten drastisch, denn Bosko kassierte zwar einen Bauern ein, aber der war geopfert, und sein König sah sehr wackelig aus. Und Martin musste nach einem starken Figurenopfer seines Gegners darauf hoffen, dass sein Wanderkönig irgendwie überleben würde. In der Zeitnotphase überschlugen sich dann die Ereignisse:

  • Marcus kam über ein Remis nicht hinaus. Den möglichen Qualitätsgewinn hatte er als zu gefährlich eingeschätzt, aber hinterher konnte er auch keinen echten Vorteil nachweisen.

  • Thomas verlor irgendwie den Faden und wenig später auch eine Figur.

  • Armins Vorteil verflüchtigte sich zusehends, nachdem er m.E. falsch auf d5 zurückgeschlagen hatte und anschließend nicht schnell genug die offene e-Linie besetzte. Er akzeptierte daher das gegnerische Remisangebot.

  • Boskos Gegner hatte inzwischen eine ganze Figur geopfert, dabei jedoch einige Verteidigungsressourcen unseres Zockers an Brett 1 übersehen. Dieser steuerte mit zwei Mehrbauern einem sicheren Sieg entgegen.

  • Martin, für dessen Überleben ich zwischenzeitlich keinen Pfifferling mehr gegeben hätte, fand für seinen König auf h5 (!) ein Plätzchen, wo er zumindest für einen Zug lang sicher stand. Das genügte, denn inzwischen drohte er selbst unabwendbar mit Matt.

  • Nachdem Bosko und Martin ihre Partien gewonnen hatten, führten wir also mit 4:3.

  • Zum Schluss führte Lukas sein Endspiel trotz der ungleichfarbigen Läufer sicher zum Sieg.

Auf der Rückfahrt kam die Frage auf, welches Motto man über den Tag schreiben könnte. Mir fielen gleich zwei Sinnsprüche ein, die zwar heute zutrafen, für deren generelle Gültigkeit ich aber keinerlei Garantien abgeben möchte:

  • Wer Furcht hat, wird nicht bestraft.

  • Wer angreift, verliert.

Durch diesen zweiten Sieg in Folge haben wir uns auf den zweiten Tabellenplatz vorgeschoben. Unser nächster Gegner heißt Siegburg. Eigentlich eine riesenstarke Truppe, die sich nach dem freiwilligen Rückzug als Zweiter der 2. Bundesliga mit dem Großmeister Michael Hoffmann sogar noch verstärkt hatte. Mit nur 3 Punkten steht die Mannschaft dennoch hinten - der Schiedsrichter berichtete, dass 9 Spieler aus dem Kader eingezogen wurden und aktuell im Krieg in der Ukraine eingesetzt sind. Da relativiert sich natürlich jede Freude über den sportlichen Erfolg.

Übrigens sind auch der Bochumer SV und Letmathe alles andere als Leichtgewichte, die bisher weit unter Erwartung gespielt haben. Das Restprogramm hat es also noch in sich...

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Wer nichts weiß, muss alles glauben.

Marie von Ebner-Eschenbach

Schachaufgabe

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