Die Erfolgsstory geht weiter

Geschrieben am 14.03.2012 von Bernd Rosen

Schulschach: Leibniz qualifiziert sich erstmals für die NRW-Meisterschaft der WK III

Wer glaubt, Schach sei ein langweiliges Spiel für ältere Herren, bei dem nichts Aufregendes passiert, den würde der Besuch eines Schulschachturniers schnell eines Besseren belehren. Zumindest wenn die Leibniz – Schachkekse zu den Figuren greifen, dann sollten schwächer besaitete Gemüter der Veranstaltung besser fern bleiben – zu sehr werden die Nerven der mitfiebernden Zuschauer strapaziert! Die Meisterschaften des Regierungsbezirks Düsseldorf in Solingen, zu denen wir uns in beiden Wettkampfklassen mit einer Mannschaft qualifiziert hatten, nehmen in der Reihe "Dramen auf den 64 Feldern" einen Ehrenplatz ein:

Für unsere WK II – Auswahl begann die Tragödie bereits vor dem Turnier: Der kurzfristig erkrankte Clemens Waidelich konnte auf die Schnelle nicht ersetzt werden, so dass wir nur mit drei Spielern antreten konnten – auf dieser Ebene ein Handicap, das nicht mehr wettzumachen ist. Dennoch überzeugten Jan Dette, André Kolbe und Sajad Ebady mit toller Moral: In der ersten Runde wurde das Heinrich-Heine-Gymnasium aus Oberhausen mit 3:1 förmlich von den Brettern gefegt. Auch der Kampf gegen das Mathematisch - Technische Gymnasium Mönchengladbach stand lange auf des Messers Schneide, aber André Kolbe scheiterte an der zu knappen Bedenkzeit, Sajad Ebady fehlte die Erfahrung um den Vorteil einer Mehrfigur im Endspiel zum Sieg zu führen und Jan Dette hatte den starken Fabian Pilat am Spitzenbrett nur am Rande der Niederlage, so dass diese Begegnung mit einer 1:3 Niederlage endete. Gegen das St.Ursula-Gymnasium Düsseldorf, immerhin den amtierenden Deutschen Meister, folgte zum Schluss ebenfalls eine 3:1-Niederlage, bei der Jan am Spitzenbrett den NRW-Kaderspieler Daniel Reksten besiegen konnte – das war die einzige Verlustpartie für die sieggewohnten Düsseldorfer an diesem Tag.

Die WK III – Mannschaft trat erstmals in Bestbesetzung mit Cem Celik an, den ich am Vormittag von der Klassenfahrt in Rhade abgeholt hatte. Die Schüler mögen ja manchmal stöhnen, dass die Klassenfahrten so selten in entlegene Gefilde führen ("Warum immer nur nach Rhade?"), heute war es doch recht praktisch, dass Cem nur aus dem nahen Dorsten eingeflogen werden musste...

Gleich die erste Runde bescherte uns mit dem Freiherr-vom-Stein-Gymnasium Kleve den Gegner, den ich zuvor als vermutlich härtesten Rivalen ausgemacht hatte. Immerhin spielte bei Kleve Valentin Buckels am Spitzenbrett, den ich noch im November bei der Jugendweltmeisterschaft in Brasilien als Trainer begleitet habe. Eine ganz harte Nuss für unseren Tim Dette, dem ich nur noch schnell den Rat "Ball flach halten, abtauschen, gnadenlos auf Remis spielen" mitgeben konnte, dann ging das Match auch schon los. Als Erster meldete Cem einen ganz wichtigen Punkt: In einer verwickelten Partie hatte er sehr konzentriert gespielt und in den taktischen Komplikationen den besseren Überblick behalten. Anna Bérénice Döpper erhöhte nach einer überlegenen Vorstellung auf 2:0. Aber was war vorne los? Lukas Schimnatkowski kämpfte mit dem Rücken zur Wand, musste ständig neue Mattdrohungen abwehren – die Wende kam, als der Gegner in beginnender Zeitnot die Dame einstellte. Die anschließenden technischen Probleme meisterte Lukas souverän – 3:0. Da fiel es zum Glück nicht mehr ins Gewicht, dass Tim in einer wahren Zeitnotschlacht als Erster die Zeit überschritt – Valentin Buckels hatte da gerade mal 2 Sekunden auf der Uhr.

Zum Durchatmen blieb kaum Zeit, schon begann die nächste Partie gegen das Konrad-Duden-Gymnasium Wesel. Auch hier spielte Cem zunächst sehr überlegt und sah nach einem Damengewinn bereits wie der sichere Sieger aus. Leider vergaß er nun alle guten Vorsätze und verspielte in Windeseile seinen Vorteil. Zum Glück gewannen Anna, Lukas und Tim ihre Partien recht sicher zum erneuten 3:1 Sieg.

Vor dem letzten Kampf gegen das Röntgen-Gymnasium Remscheid, die auf dem Papier schwächste Mannschaft, war klar, dass ein 2:2 für den 1. Platz genügen würde. Eine klare Sache also? Mitnichten, denn Cem knüpfte nahtlos an sein hastiges Spiel der 2. Runde an und ließ sich im Rekordtempo matt setzen: 0:1. Es kam noch schlimmer, denn Tim nahm seinen Gegner wohl nicht mehr ganz ernst, nachdem er diesem zwei Bauern abgenommen hatte. Dass sich dessen Figuren in der Zwischenzeit bedrohlich seinem König genähert hatten, war seiner Aufmerksamkeit entgangen. Als er begann, sich in die Probleme der Stellung zu vertiefen, war es leider schon zu spät – das Endspiel mit Minusfigur ging verloren, wir lagen mit 0:2 hinten. Auch Anna war aus der Eröffnung schlecht heraus gekommen. Zum Glück tauschte ihr unerfahrener Gegner die Damen, anstatt weiter konsequent auf Angriff zu spielen. Im Endspiel konnte Anna dann ihre ganze Routine ausspielen und machte sicher den Punkt. Auch Lukas verwertete eine gewonnene Qualität sehr sicher – das zum Weiterkommen notwendige Unentschieden war gesichert. Ein gutes Pferd springt eben nicht höher, als es muss.

Für die WK II – Mannschaft spielten Jan Dette (2,5 Punkte), André Kolbe (1) und Sajad Ebady (1,5).

Die WK III – Mannschaft trat mit Tim Dette (1), Lukas Schimnatkowski (3), Anna Bérénice Döpper (3) und Cem Celik (1) an.

Mit dem Sieg qualifizierte sich die WK III – Mannschaft für die NRW-Meisterschaft, die am 29.03.2012 wieder in Gütersloh stattfindet. Zuvor jedoch kommen unsere Jüngsten noch einmal zum Zug:  Am 22. März starten wir mit 2 Mannschaften bei der Stadtmeisterschaft in der WK IV. Danach ist der diesjährige Zyklus der Schachturniere allerdings erst einmal beendet – es sei denn, unsere WK III – Auswahl schafft sogar den Sprung zur Deutschen Meisterschaft, die vom 04. bis 07.05.2012 in Bad Homburg (Hessen) stattfindet. Das wäre aber eine echte Sensation, denn die Konkurrenz in NRW ist wirklich sehr, sehr hart.

Ein besonderer Dank geht an Frau Oversohl, die als Fahrerin mit dafür sorgte, dass wir schnell und problemlos nach Solingen kamen.

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In der Wissenschaft gleichen wir alle nur den Kindern, die am Rande des Wissens hier und da einen Kieselstein aufheben, während sich der weite Ozean des Unbekannten vor unseren Augen erstreckt.

Issac Newton

Schachaufgabe

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