Die Jugend hat das letzte Wort

Geschrieben am 19.06.2017 von Bernd Rosen

Lehrgeld bei der DEM und DVM-Quali für die U14

Zwei hochkarätige Turniere standen für unsere Jugendspieler am Ende einer Saison mit vielen Höhen und Tiefen auf dem Programm: Zunächst blieb Timo Küppers in Willingen bei der DEM U18 unter seinen Möglichkeiten, sammelte aber wertvolle Erfahrungen bei seinem bislang härtesten Turnier. Von unseren drei Startern in der U25 bestätigte vor allem Nikita Gorainow mit guten Partien den Aufwärtstrend der letzten Monate, während Lukas Schimnatkowski und Jan Dette etwa im Rahmen der Erwartung agierten.

Für das Sahnehäubchen sorgte dann am Fronleichnamswochenende die U14-Auswahl, die als Nachrücker noch zur NRW - Mannschaftsmeisterschaft fahren durfte: In fünf spannenden und teilweise dramatischen Runden erkämpfte sich unsere junge Mannschaft den 4. Platz, der zur Teilnahme an der deutschen Vereinsmeisterschaft berechtigt. Ein toller Erfolg für Jonas Jahrke, Noel Gallas, Isabel Otterpohl und Luca Zamhöfer.

Triumph für die U14

Ähnlich wie schon in der Qualifikation spielte unsere U14 auch bei der Meisterschaft sehr nervös und blieb insgesamt etwas unter ihren Möglichkeiten. Dennoch sicherte Isabel mit dem buchstäblich letzten Zug des Turniers den kaum noch für möglich gehaltenen 4. Platz im Wettbewerb der besten U14-Mannschaften in NRW. Hier das Turnier im Zeitraffer:

  • Runde 1: 1:3 gegen Brackel; Jonas unterliegt, nachdem er in komplizierter Isolani-Stellung den vergifteten d4 gefressen hat und den folgenden weißen Angriff nicht abwehren kann. Luca hält eine Endspiel mit Minusbauer Remis, Noel verdaddelt eine gute Stellung mit Mehrbauer zum am Ende noch glücklichen Remis, und Isabel kann aus ihrer überlegenen Stellung gegen Mareike Wastian nichts herausholen, stellt eine Qualität ein und verliert.
  • Runde 2: 2,5:1,5 gegen Blauer Springer Paderborn; Jonas setzt den Gegner mit einem sizilianischen Igel stark unter Druck und nutzt die knappe gegnerische Bedenkzeit zu einem gut getimten Remisangebot, das angenommen wird. Noel geht im gegnerischen Angriffswirbel baden, nachdem er in der Eröffnung bei guter Stellung einen Bauern gewonnen hatte. Bei Luca greift die Vorbereitung gegen das von Weiß geplanzte Londoner System, nach einem kurzen Wackler überspielt er den Gegner dank starker Taktik im Endspiel. Isabel verwertet ihren Vorteil zum Sieg gegen den späteren Tabellenzweiten.
  • Runde 3: 2:2 gegen Ennepe; Jonas verstößt gegen Laskers Ratschlag, den Zug Lg5 erst nach der gegnerischen Rochade zu spielen, und geht in einem schulmäßigen Königsangriff nach ...h6 und ...g5 unter. Noel gewinnt eine zähe Partie durch eine starken Angriff auf den Diagonalen, bei dem ein Lb8, ein Lc8 und die Dc7 im Verein mit einem Sh4 die Hauptrolle spielen. Isabel profitiert von einem Blackout ihres Gegener, der nach einer Schlagfolge den Te1 einstellt. Kurz zuvor hätte er statt dessen selbst eine Figur erobern können.
  • Runde 4: 0:4 gegen Porz; Der Turnierfavorit spielte nur in der Doppelrunde am Samstag mit seinen beiden Spitzenbrettern Alexander und Luca Suvorov. Trotz dieser Übermacht war der Kampf gar nicht so klar: Zwar bekam Jonas trotz seines festen Glaubens an das Wolgagambit kein Bein auf den Boden, und auch Luca blieb chancenlos. Aber Isabel hätte mit einem Läuferopfer auf h6 entscheidend in Vorteil kommen können, verlor statt dessen wenig später den wichtigen Isolani auf d4 und wenig später auch das Endspiel. Noel brachte Luca Suvorov mit einem mutigen Figurenopfer mäcchtig ins Schwitzen, aber leider fand der Favorit die einzige Verteidigung und brachte anschließend den Materialvorteil sicher nach Hause.
  • Runde 5: 2:2 gegen Schachakademie Paderborn; Paukenschlag nach einer knappen halben Stunde: Jonas, der das ganze Turnier über schwer an der Bürde des Spitzenbrettes zu tragen hatte, stellt einzügig seine Dame ein. Zum Glück sorgt Luca mit seiner besten Partie für den Ausgleich: Zwar war er in der Eröffnung unter immensem Zeitverbrauch mit seinen Figuren ziemlich planlos übers Brett geirrt (Dd1-b3-d1!), aber dann entkorkt er ein tief und korrekt berechnetes Figurenopfer. Nach einem fulminanten Angriffswirbel steht der Gegner weitgehend ohne Material da - 1:1. Zu diesem Zeitpunkt etwa ist klar, dass Ennepe gegen Brackel nicht gewinnen wird und uns deshalb ein 2:2 zum Weiterkommen reichen wird. Und in der Tat erspielt sich Noel nach sehr zäher Eröffnung eine überlegene Stellung, die er jedoch durch systematischen Abtausch aller aktiven Figuren in ein verlorenes Bauernendspiel verwandelt. Als er aufgibt, ist dies bereits die vorletzte Partie des Wettbewerbs. Also liegt die Verantwortung ganz allein auf den schmalen Schultern von isabel, an deren Brett es nach verhaltenem Beginn drunter und drüber geht: Zunächst stellt sie selbst einen Bauern ein. Später revanchiert sich der Gegner und parkt auf d5 einen Springer weg, für den er allerding einen zweiten Bauern gewinnt. Isabel findet keinen Plan, ihr Material sinnvoll zum Zusammenspiel zu bringen. Da auch der Gegner nicht viel unternimmt, wird eine gute Stunde lang nur gezogen, ohne dass sich an der Stellung etwas wesentliches ändert. Dann ist Isabel wieder an der Reihe mit dem Einsteller: Ebenfalls auf d5 schenkt sie ihrerseits einen Gaul her. Aber die Konsequenzen sind immer noch nicht so klar: Nach exd5 erhält sie einen starken Blockadespringer auf d5 gegen einen armseligen schwarzfeldrigen Läufer. Und tatsächlich: In der sich nun immer mehr öffnenden Stellung hat Isabel den deutlich besseren Überblick, kassiert erst Bauer um Bauer und letztlich mit einer Fesselung gar noch die weiße Dame. Nach über fünf Stunden Spielzeit werden beide Akteure dieser Marathonpartie von den gebannt mitfiebernden Zuschauern mit einem donnernden Applaus für ihren Einsatz belohnt.

Lohn für unsere U14: Vom 26.-30.12. geht es zur DVM nach Verden an der Aller. Informationen hierzu gibt es im DVM - Portal der DSJ.

Abschlusstabellen der NRW - Meisterschaft gibt es bei der Schachjugend NRW.

Lucas Meisterstück

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Lehrreiche Tage bei der DEM

Erstmals qualifizierte sich Timo Küppers in diesem jahr für die Deutsche Jugendmeisterschaft in der U18 - der Lohn für zwei Jahre hartes Training. Leider zahlte er wie so viele Spieler vor ihm bei seinem ersten Start Lehrgeld und blieb mit 3 Punkten aus 9 Partien weit unter seinen Möglichkeiten. Nach gutem Start mit einem Remis gegen den starken Kevin Schröder, immerhin die Nr. 2. der Setzliste, kam bereits in der 2. Runde gegen die deutsche Frauenmeisterin Jana Schneider der Knick: Nach dem Ende der Vorbereitung verlor Timo zunehmend den Faden, während Jana auf dem Schachticker von ihrer besten Turnierleistung schreibt. Im weiteren Turnierverlauf kostete Timo den bitteren Kelch bis zur Neige: Mal kannte sich der Gegner in der Eröffnung besser aus, mal spielte er aus guter Stellung heraus schlecht weiter, einmal fiel er nach brillant geführter Partie auf den letzten Trick des Gegners herein. Positiv bleibt zu vermerken, dass Timo nie lange den Kopf hängen ließ und trotz des Gegenwinds stets mit neuem Kampfesmut zur nächsten Runde antrat. Dazu trug sicher auch die gute Stimmung in unserem SFK-Miniteam bei: Lukas Schimnatkowski, Nikita Gorainow und Jan Dette spielten die U25 mit jalfen sich gegenseitig über mache Missstimmung hinweg. Sie verführten selbst mich zum Kickern - bis bei einem extremen Abwehrmanöver Lukas einem seiner Abwehrspieler ein Bein brach. Die Stimmung war jedenfalls gut. Am Ende freute sich Lukas über einen Gutschein, der prompt in eine Trainings-DVD umgesetzt wurde. Nikita nahm einige DWZ-Pünktchen mit und hat nun ebenfalls die magische 2000er Marke im Visier. Nur Jan spielte zu oft Remis gegen schwächer gesetzte Spieler und zog die Lehre, dass er sein Schwarzrepertoire erweitern muss.

Alle Informationen zum Turnier und zum Geschehen drumherum hält die excellente Turnerseite dem2017.de bereit.

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Man muss nicht nur mehr Ideen haben als andere, sondern auch die Fähigkeit besitzen zu entscheiden, welche dieser Ideen gut sind.

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