"Dramen" - Ein Bühnenstück in drei Akten

Geschrieben am 12.02.2010 von Ulrich Geilmann

Ulrich Geilmann Prolog

Eigentlich hätte es mir ja zu denken geben müssen. Sonst gab es im Vorfeld der Bundesligakämpfe immer irgendwelches Chaos. Entweder waren reihenweise Spielabsagen an der Tagesordnung oder es traten organisatorische Probleme auf.

Diesmal lief im Vorfeld jedoch alles erstaunlich glatt. Alle Spieler meldeten sich zeitig an, keine sonstigen Anreiseprobleme, nix zu meckern… Komisch!

1. Akt (Freitag, den 05.02.2010)

Am Freitag lag die 7. Runde an. Aus naheliegenden organisatorischen Gründen hatte unser Reisepartner den Wettkampf in sein mit viel Liebe in Eigenleistung gebautes Vereinsheim gelegt. Eine gute Entscheidung. Die Mannschaften spielten dabei in einem abgeschlossenen (fast schalldichten) Raum mit guten Lichtverhältnissen. Ein Vorraum, in dem auch eine Live-Übertragung der Partien stattfand, bot genug Platz für die gute Zuschauerkulisse. Und dass die Verpflegung nebst freundlicher Betreuung wie immer vorbildlich war, versteht sich eigentlich in Mülheim von selbst.

Eigentlich konnte also nichts schief gehen…

Um 15.30 Uhr erfolgte dann die obligatorische Mannschaftsmeldung. Wirkliche Überraschungen konnte ich nicht entdecken.

Brett SV Mülheim-Nord SF Katernberg
1 Vachier-Lagrave Chuchelov
2 Landa Firman
3 Fridman Seel
4 Berelovich Bischoff
5 Levin Glek
6 Hausrath Ris
7 Saltaev Thesing
8 Schebler Dr. Scholz

Es muss nicht sonderlich betont werden, dass sich unser Reisepartner trotz einer vergleichweise etwas geschwächten Aufstellung eindeutig in der Favoritenrolle befand, auch wenn mein Mannschaftsführerkollege Heinz Schmitz bei unserer Begrüßung beteuerte, dass Mülheim zuhause bislang immer gegen Katernberg verloren habe. Das unvermeidliche Understatement unserer Schachfreunde…

Was soll ich sagen? Unsere Mannschaft lief dann auch tatsächlich vollständig und super pünktlich auf. Erstaunlich! Und dass, obwohl sich Igor in der Nacht zuvor bei einem glatteisbedingten Sturz offenbar schmerzhaft die Hand verstaucht hatte.

Die ersten Rundgänge nach 30, 60 und 90 Minuten Spielzeit ergaben nur die Erkenntnis, dass sich meine Jungs offenbar darauf eingestellt hatten, ohne großes Federlesen zu vereinfachen. Jedenfalls sah die Mehrzahl der Stellungen nicht so aus, als wollte man sich auf wild-romantische Geplänkel einlassen. Ich war mit dieser Strategie im Prinzip auch zunächst durchaus einverstanden.

Nazar überraschte mich dann allerdings mit einem für ihn untypischen Zeitverbrauch. Er verfiel gegen Konstantin Landa bereits nach dem 5. Zug in der von ihm gewählten Holländischen Verteidigung ins tiefe Grübeln, um dann aber ebenfalls den Weg in die Vereinfachung zu suchen. Eigentlich nicht seine Stärke… Seltsam… seltsam.

Etwas Probleme hatte danach offensichtlich auch Christian Scholz, der sich zunächst mit einer etwas lästigen Abzugsfesselung und später dann mit einem schier unvertreibbaren gegnerischen Zentralspringer herumplagen musste. Gerhard Schebler stand riesig.

Robert Ris sah sich vor ähnlichen Herausforderungen: Sein Gegner, der stets freundliche Daniel Hausrath, erspielte sich einen freien Zentralbauern, der den Generalfeldmarschallsstab im Tornister zu haben schien. Der Holzagronom teilte die Stellung, wie Weiland Moses einst das Meer.

Der Rest vom Fest stand… nicht wirklich gut, aber auch nicht wesentlich schlechter.
Okay… Igor Glek und Christian Seel schienen gewisse Perspektiven zu haben, aber das machte die Kohlsuppe nicht fett. 
Matthias ThesingUm 18.30 Uhr wurde dann in der Partie Matthias Thesing – Mihail Saltaev das erste Remisangebot abgegeben, das angesichts der Gesamtlage jedoch abgelehnt werden musste, obwohl die Stellung da sicherlich im Gleichgewicht war.

Vor diesem Hintergrund kam wiederum das nicht angekündigte Remis bei Klaus Bischoff und Alexander Berelovich etwas überraschend (0,5 : 0,5). Auch hier war die Stellung allerdings sicher ausgeglichen; mannschaftstaktisch hatte ich jedoch so meine Bedenken, zumal sich zwischenzeitlich Christian Seel, der gegen den aus Gibraltar angereisten Daniel Fridman spielte, zu einem zweischneidiges Figurenopfer hinreißen lies und Vladimir Chuchelov gegen den frisch gebackenen Jugendweltmeister Maxime Vachier-Lagrave auch nur eher remislich stand.

Um 19.00 Uhr sah ich eigentlich nur bei der Partie Igor Glek gegen Felix Levin besseres Wetter. Zu diesem Zeitpunkt steuerte Vladimir das erwartete Remis bei (1,0 : 1,0). Christian Scholz hatte allerdings inzwischen die Qualität weniger; außerdem plagten Christian Seel, Robert Ris und Nazar Firman deutliche Stellungs- und Zeitprobleme.
Igor sorgte dann tatsächlich für eine gewisse Stimmungsaufhellung bei mir, als er schließlich um 19.30 Uhr in souveräner Manier den Punkt einfuhr. (2,0 : 1,0). Bravo! Trotzdem schien es kein guter Abend für Katernberg zu werden.
Robert RisKurz vor 20.00 Uhr materialisierten sich dann meine Befürchtungen, als Robert Ris nach komplexer Verteidigung doch zur Aufgabe gezwungen wurde. (2,0 : 2,0).

Während dessen zog sich Nazar eine empfindliche Stellungs- und Materialerkältung zu und obwohl unser Matthes zu diesem Zeitpunkt eine wirklich gute Stellung hatte, würde es bei linearem Spielverlauf angesichts der desolaten Positionen von Christian Seel und Christian Scholz nicht mehr zu einem Mannschaftspunkt reichen.
Um 20.15 Uhr streckte Christian Seel dann wie vorhergesehen die Waffen. (2,0 : 3,0). Kurz danach hatte auch Nazar genug vom bösen Spiel (2,0 : 4,0).
Etwas überraschend lies sich dann Gerhard Schebler auf eine Zugwiederholung ein. Dadurch konnte sich zwar Christian Scholz ins Remis retten, doch der Kampf war damit endgültig verloren. (2,5 : 4,5).
Zu diesem Zeitpunkt hatte sich Matthes eine ziemlich eindeutige Gewinnstellung erspielt. Leider verdaddelte er seine Partie dann später aber doch noch zum Remis. (3,0 : 5,0). Schade.

Brett SV Mülheim-Nord SF Katernberg Ergebnis
1 Vachier-Lagrave Chuchelov ½ : ½
2 Landa Firman 1 : 0
3 Fridman Seel 1 : 0
4 Berelovich Bischoff ½ : ½
5 Levin Glek 0 : 1
6 Hausrath Ris 1 : 0
7 Saltaev Thesing ½ : ½
8. Schebler Dr. Scholz ½ : ½

Ein (auch in der Höhe) verdienter Sieg unserer Mülheimer Freunde. Herzlichen Glückwünsch!


2. Akt (Samstag, den 06.02.2010)

Am nächsten Tag hatte ich zunächst noch berufliche Verpflichtungen, so dass ich mich leider nicht wie üblich im Mannschaftshotel einquartieren konnte. Das holte ich aber am nächsten Tag nach (inklusive den für mich schon fast obligatorischen Flirt mit der netten Dame von der Rezeption).

Die 8. und 9. Bundesligarunde fand diesmal im Haus des Sports vor üppiger Zuschauerkulisse und Live-Kommentierung statt und ich war gespannt, wie Emsdetten ins Rennen gehen würde:

Brett SF Katernberg SK Turm Emsdetten
1 Chuchelov Mchedlishvili
2 Firman Giri
3 Seel Hektor
4 Bischoff Feygin
5 Glek Cramling
6 Ris Bellon
7 Thesing Breder
8 Dr. Scholz Zumsande

Pia CramlingAlles in allem eine illustre Runde! Natürlich war ich besonders neugierig auf den frisch gebacken B-Gruppen-Sieger von Wijk aan See, Anish Giri. Aber der Turm Emsdetten hat z. B. mit Dennis Breder, Lopez Juan Manuel Bellon und Pia Cramling weitere klingende Namen im Repertoire. Es würde ein interessanter Nachmittag werden!

Die Familie Bellon/Cramling hatte übrigens ihre kleine Tochter dabei. Die spielte, malte und pusselte die ganze Zeit, was das Zeug hielt. Aller liebst.
Nach der 1. Spielstunde hatte ich den Eindruck, dass meine Jungs insgesamt gute Eröffnungsarbeit geleistet hatten. Die Partien zeigten durchweg klare und weitestgehend ausgeglichene Strukturen; auch der durchschnittliche Zeitverbrauch war insgesamt in Ordnung. Ich war ganz zufrieden. Besondere Vorkommnisse: Keine!
Naja… fast keine… Christian Seel und Klaus Bischoff schienen leichte Probleme bei der Figurenentwicklung zu haben. Im Moment nicht wirklich besorgniserregend; gleichwohl spendete ich diesen beiden Partien in der nächsten Stunde eine etwas höhere Aufmerksamkeit, wobei ich natürlich zwischendurch gerne auch mal auf den Russen sah, den Nazar Firman und Anish Giri fabriziert hatten.

Um 16.00 Uhr hatte sich eigentlich kaum etwas verändert. Ich hatte mir zwischenzeitlich eine Gulasch-Suppe und nette Gespräche mit den Emsdetter Kollegen gegönnt und war ein wenig darüber verwundert, dass Nazar bei eigentlich optisch vorteilhafter Stellung soviel Zeit in die Partie gesteckt hatte. Suchte der etwa den Killermodus oder trog meine (zugegebener Maßen etwas naseweise) Stellungseinschätzung? … Jedenfalls spuckte er danach erstmal freiwillig einen Bauern für… Ja, für was eigentlich?! Initiative? Keine Ahnung... Man müsste halt doch Schach spielen können! Ich sollte es echt mal lernen!
Ganz gut gefiel mir allerdings die recht kecke Spielanlage von Matthes. Er hatte nach Damenabtausch seinen König zentralisiert und schien alles im Griff zu haben. Ähnliche Eindrücke hatte ich bei Christian Scholz und Robert Ris.
An den oberen Brettern gab’s hingegen kleinere Sorgenfalten. Christian Seel sah sich zum Beispiel einem zunächst etwas unfreundlichen Zentralbauern gegenüber, der ihm bis zu seiner tauschweisen Liquidierung reichliches Kopfzerbrechen bereitete; auch Klaus Bischoff hatte seine Stellungsprobleme noch nicht richtig gelöst. Bei Vladimir Chuchelov und Igor Glek dümpelte die Flotte hingegen immer noch mehr odeAnish Girir weniger windfrei in der Gegend herum, auch wenn sich das Wasser ab und zu mal kräuselte.    
Inzwischen vermaßen Daniel Hausrath und ich unsere Bauchumfänge ohne wirklich einen Sieger ausmachen zu können… Nun ja… allerdings kann er zumindest besser Schach spielen als ich. Schöne Grüße, Daniel!

Kurz nach 17.00 Uhr spitzte sich die Lage zu:
Matthes verlor etwas überraschend für mich einen Bauern; allerdings hatte sein Gegner leichte Zeitprobleme, so dass sich vielleicht ja noch die eine oder andere Konterchance eröffnen konnte.
Auch Robby schien plötzlich zu kippen.

Gleichzeitig sorgte aber Christian Seel für eine leichte Stimmungsaufhellung; er hatte seine Probleme inzwischen vollständig gelöst und griff beherzt in die Saiten. Da aber das Leiden von Klaus zunächst aber zunächst erstmal kein Ende zu nehmen schien, sah ich ehrlich gesagt insgesamt so langsam aber sicher unsere Felle wegschwimmen.
17.30 Uhr: Das erwartete Remis bei Vladimir (0,5 : 0,5). Kurz danach, das gleiche Ergebnis bei Igor (1,0 : 1,0).
Als sich der Pulverdampf nach der 1. Zeitkontrolle gelegt hatte, ergab sich nach meiner überschlägigen Bewertung ein leichter Vorteil für Emsdetten:

  • Nazar Firman hatte in kompliziertem Endspiel immer noch einen Bauern weniger.
  • Christian Seel stand hingegen mit einem Bauern mehr da.
  • Die Stellung von Klaus Bischoff war bei gleichen Materialverhältnissen für mich völlig unklar.
  • Robby Ris stand ziemlich wild; er musste nachfolgend allerdings Offiziersmaterial ins Geschäft stecken, um zu überleben. Seine Chance war ein weit vorgerückter Freibauer.
  • Matthes Thesing fehlte ebenfalls ein Bäuerchen; allerdings erhoffte ich mir hier trotzdem noch Remischancen.
  • Und Christian Scholz schien leicht besser zu stehen.

Juan Manuel Bellon LopezEs blieb mithin spannend.
Nach einer weiteren Spielstunde hatte sich dann die Lage für Katernberg etwas stabilisiert:

  • Zunächst erspielte sich Christian ein Remis (1,5 : 1,5). Die Analyse zeigte allerdings, dass er auf seinem Weg wohl scheinbar doch eine Gewinnvariante ausgelassen haben könnte.
  • Die Gewinnchancen bei Nazar Firman und Christian Seel glichen sich aus.
  • Klaus hatte sich inzwischen frei gespielt und stand tendenziell remislich.
  • Robert Ris hatte fast alles Material vom Brett geräumt. Das Endspiel (Turm gegen Turm und Springer) konnte er „eigentlich“ nicht mehr verlieren.
  • Matthias Thesing stand zwar immer noch mit einem Bauern weniger da, doch die Remischancen blieben.

Ein dramatischer Kampf. Die Kontrahenten hatten offensichtlich Spaß am Spiel.

Die nächste Entscheidung fiel am 2. Brett. Nach einigem Hin und Her konnte Nazar den fehlenden Bauern wieder einsacken. Damit war die Stellung klar im Remislot. Die Herren ließen sich daher nicht mehr lange bitten. (2,0 : 2,0).

Ich hatte in diesem Moment den Eindruck, dass Matthias die Schlüsselpartie spielte. Er hatte allerdings inzwischen einen erheblichen Endspielnachteil. Denn ob sich die momentanen Materialvorteile bei Christian und Klaus tatsächlich in Gewinnpunkte umwandeln ließen, war mir zumindest unklar.

Dennis BrederDann kam unerwartet die Wende:

Matthias macht doch noch Remis! Allerdings nicht, ohne mich vorher zu artig um Erlaubnis zu fragen. Der Torfkopp!! Mir fiel ein Stein vom Herzen! (2,5 : 2,5).

Jetzt hatten wir plötzlich den Finger am Abzug! Mein Gott. Datt is hier nix für Herzkranke!

Und kaum ausgesprochen gab’s dann tatsächlich durch Christian Seel einen Sieg für Katernberg zu vermerken. Ich konnte es kaum fassen! (3,5 : 2,5).

Nach der nächsten Zeitkontrolle gab es noch eine kurze Regelprüfung wegen der Zeitumstellung bei der Partie Bischoff – Feygin. Doch bevor der Schiedsrichter, Dr. Müller, die Uhren korrigieren konnte, hatten sich die betreffenden Herren schon auf Remis geeinigt. (4,0 : 3,0).

Robby werkelte inzwischen an dem 50-Züge-Remis. Ich habe das schon mal mit umgekehrtem Vorzeichen bei Evgeny Postny in Remagen erlebt. Ich glaube ja wirklich, die Jungs machen so was mit Absicht! Im Parallelwettkampf zwischen Mülheim und Wattenscheid war übrigens beim Stand vom 3,5 : 3,5 das gleiche Endspiel auf dem Brett!

Um 20.45 Uhr war es dann soweit. Remis… Remis… Remis!! (4,5 : 3,5).

Christian SeelHier noch einmal das schier unglaubliche amtliche Endergebnis:

Brett SF Katernberg SK Turm Emsdetten Ergebnis
1 Chuchelov Mchedlishvili ½ : ½
2 Firman Giri ½ : ½
3 Seel Hektor 1 : 0
4 Bischoff Feygin ½ : ½
5 Glek Cramling ½ : ½
6 Ris Bellon ½ : ½
7 Thesing Breder ½ : ½
8 Dr. Scholz Zumsande ½ : ½

Es versteht sich von selbst, dass unser gemeinsames Abendessen im Mannschaftshotel sehr gelöst von statten ging.  Das Hotel Handelshof hat zudem eine wirklich gute Küche. Mir ging’s also echt gut.

Trotzdem hatte ich doch etwas Probleme beim Einschlafen. Lag allerdings weniger an der Sorge, wie jetzt denn wohl Wattenscheid aufstellen würde, sondern vielmehr daran, dass mir wie üblich das Hotelbett zunächst weniger behagte. Ich brauche da bekanntlich immer eine Nacht zur Eingewöhnung. Alternativ reicht auch die individuelle Betreuung von einem netten Mädel… aber lassen wir das jetzt!

3. Akt (Sonntag, den 07.02.2010)

Never change a winning team:

Brett SV Wattenscheid SF Katernberg
1 Vitugov Chuchelov
2 Bartel Firman
3 Czarnota Seel
4 Rustemov Bischoff
5 Appel Glek
6 Dr. Holzke Ris
7 Handke Thesing
8 Straeter Dr. Scholz

Kurz nach Spielbeginn musste ich mir schon heftig die Augen reiben. In der Partie Bartel – Firman gab’s bereits erste Komplikationen. 1. d4 f5 2. c4 Sf6 3. Sc3 g6 4. h4 d6 5. h5 Sh5: 6. Th5: gh5: 7. e4… äh… nee, is klar… natürlich alles Theorie… keine Frage…! Jedenfalls musste sich Nazar fortan mit einer ziemlich offenen Stellung plagen.

Nazar FirmanSolche Varianten sollten zum Schutz der Teamchefs endlich geächtet werden! Da kann man ja ernsthaft zu Schaden kommen! Denkt denn da niemand an die gesundheitlichen Spätfolgen für die Betreuer? Ich werde bei der nächsten Bundesligakonferenz wohl wirklich eine entsprechende Eingabe machen müssen.

Ansonsten ging’s aber eher gediegen zur Sache. Allenthalben hochentwickelte Eröffnungsarbeit ohne Schnörkel und Gedöns. Was will man von zwei so traditionsreichen Ruhrgebietsmannschaften in einem klassischen Derby auch anderes erwarten?!

Während man um die Mittagszeit draußen im Flur intensiv über die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Schachbundesliga parlierte, befand sich der Kampf im Prinzip in einem dynamischen Gleichgewicht. Ein wenig Sorge bereitete mir eigentlich nur der doch eher überdurchschnittliche Zeitverbrauch einiger Jungs.

Aber jetzt wollte ich erstmal etwas Warmes essen… um dann aber doch wieder bei einem bekömmlichen Würstchen mit Kartoffelsalat und kalten Frikadellen  hängen zu bleiben.

Als ich dann die Fressorgie hinter mir hatte, musste ich mit Schrecken bemerken, dass  Christian Scholz schwer zu kämpfen hatte. Sein Gegner, Timo Straeter, war bereits gestern durch eine solide taktische Spielführung aufgefallen und brillierte heute erneut durch eine ausgeprägte Angriffsleistung. Jedenfalls war Christian aktuell in arger Bedrängnis.

Zudem stand auch Klaus eher bedenklich und da während dessen sowohl Vladimir als auch Nazar,  dem Zeitgott opferten, hatte ich eigentlich keinen guten Gesamteindruck…

Um 12.40 Uhr vermeldete Christian Seel, dass er ein Remisangebot bekommen habe. Nach kurzer Diskussion über den aktuellen Spielstand entschied er sich aber dazu, zunächst noch weiter zu spielen.

Klaus BischoffSo gegen 13.00 Uhr brach Nazar dann endgültig ins Eis ein. Der ständige Stellungsdruck und die fortwährende Zeitnot forderten ihren Tribut. Sein Gegner erhielt dabei erst die in der Eröffnung geopferte Qualität zurück und gewann dann auch noch in souveräner Position etliche Bäuerchen. Nazar zog es daher vor, seinen König umzukippen. (0 : 1).

Für einen gewissen Ausgleich sorgte während dessen Igor, der den Königsflügel seines Gegners durch ein Figurenopfer aufgerissen hatte und wie Ferkels Willhelm angriff.

Die Auguren witterten darüber hinaus bei Klaus und Matthias erste Morgenluft. Außerdem drehte Christian Scholz nun anscheinend den Spieß um. Es ging hin und her.

Zu diesem Zeitpunkt entschied sich Christian Seel doch noch dazu, seine Partie friedlich zu beenden. (0,5 : 1,5). Vom Grundsatz her in Ordnung; mannschaftstaktisch zugegebener Maßen sicher etwas gewagt.

Bei Robby war ich mir indes nicht ganz sicher, wie die Chancen einzuschätzen waren. Das Materialverhältnis sprach dabei allerdings eher gegen ihn.

Um 13.45 Uhr der verdiente Ausgleichstreffer durch Christian Scholz. (1,5 : 1,5). Ein wirklich gutes Wochenende für unseren langen Kerl!

Bei Igor reichte es dann aber doch nicht wie erhofft zum vollen Punkt. Das Remis war letztlich aber okay und seine Performance positiv. (2,0 : 2,0).

Unverzeihlicher Weise hatte ich lange keinen Blick mehr auf die Partie von Vladimir geworfen. Unser Spitzenbrett hatte inzwischen ein schwieriges Endspiel auf der Pfanne. Gefühlsmäßig schätze ich die Position nach der 1. Zeitkontrolle dabei aber als leicht vorteilhaft für uns ein. Ich war mir allerdings höchst unsicher, ob das tatsächlich in einen Gewinn umzumünzen war. Auf jeden Fall spielte Vladimir wieder sehr ambitioniert.

Vladimir ChuchelovIch war allerdings höchst erfreut, als ich nach dem Zeitnotdrama feststellen durfte, dass Klaus zwischenzeitlich einen Klotz mehr hatte.

Robbys Stellung war mir immer noch ein Rätsel. Zwar hatte er zwischenzeitlich die Materialverhältnisse nahezu ausgeglichen, doch dafür war seine Königsstellung offen wie ein Scheunentor und die gegnerische Dame samt Springer bereits in Lauerstellung. Er selbst schätzte seine Chancen aber zu diesem Zeitpunkt eher verhalten positiv ein. Wir einigten uns aber schließlich darauf, dass er durchaus Remis anstreben könne.

Einen Wehmutstropfen verblieb allerdings: Matthias Thesing musste trotz aktueller Mehrqualität in verschachtelter Stellung aufgeben. (2,0 : 3,0).

13:30 Uhr. Klaus gewinnt! (3,0 : 3,0). Er hat an diesem Wochenende eine sehr mannschaftsdienliche Arbeitsleistung hingelegt.

Kurz danach Remis bei Robert (3,5 : 3,5).

Während dessen zog Vladimir die Zügel in seiner Stellung an. Er schien von nun an mit einem entfernten Freierbauern tatsächlich irgendwie auf Gewinn spielen zu wollen.

Im weiteren Verlauf agierte sein Gegner aber ausnehmend klug und umsichtig. Es wurde immer enger. Als sich Nikita Vitugov aber schließlich ebenfalls einen Freibauern erkämpfte, neigte sich die Waage in der Position dann doch leider vollends zugunsten unserer Reviernachbarn. (3,5 : 4,5). Eine im wahrsten Sinne des Wortes großmeisterliche Leistung des jungen Goalgetters; muss man neidlos anerkennen. Insofern nochmals herzliche Glückwünsche nach Wattenscheid!

Brett SV Wattenscheid SF Katernberg Ergebnis
1 Vitugov Chuchelov 1 : 0
2 Bartel Firman 1: 0
3 Czarnota Seel ½ : ½
4 Rustemov Bischoff 0 : 1
5 Appel Glek ½ : ½
6 Dr. Holzke Ris ½ : ½
7 Handke Thesing 1: 0
8 Straeter Dr. Scholz 0 : 1

Trotz des heute vielleicht etwas unglücklichen Endergebnisses war ich mit der kämpferischen Einstellung des Teams und der generellen Mannschaftsleistung an diesem Wochenende insgesamt durchaus zufrieden. Die zwei zusätzlichen Mannschaftspunkte sichern die Mannschaft weiter ab, so dass wir das Restprogramm (Erfurt, Bayern München, Hamburg, Bremen, Heidelberg und Baden-Baden) gewiss ganz optimistisch angehen können.

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Die Gefahr bei der Suche nach Wahrheit liegt darin, dass man sie manchmal findet.

William Faulkner

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