Ein großer Schritt Richtung Aufstieg

Geschrieben am 19.01.2020 von Volker Gassmann

Jugendverbandsliga: SFK II besiegt Werden mit 4,5:1,5

Wegen einiger Ausfälle hielten sich in diesem Kampf die nominellen Vorteile an den einzeelnen Brettern etwa die Waage. Trotzdem ging ich von einem Sieg aus, da zahlreiche unserer Jugendlichen nicht nur bei der Deutschen Mannschaftsmeisterschaft zuletzt starke Leistungen zeigten. Der Endstand von 4,5 : 1,5 war dann aber deutlicher als ich erwartet hatte. Zunächst schien der Kampf frühzeitig an den hinteren Brettern für uns entschieden zu werden: Lukas Rasch gewann in ausgeglichener Stellung durch einen Doppelangriff einen ganzen Turm und stand klar auf Gewinn. Isabel kam im Damenduell gegen Venice Barthelmes nach einem Scheinopfer auf f7 in Vorteil. Daniel an Brett 6 spielte gegen die Aljechin-Verteidigung - die er bestimmt nicht wirklich kannte - die sehr solide Abtauschvariante und erreichte nach dem fehlerhaften Zurückschlagen seines Gegners mit Dd6: statt mit dem Bauern eine vorteilhafte Stellung. Dieses Wiedernehmen ist so ungewöhnlich, dass ich die Stellung nicht erkannte und an ein seltsames Skandinavisch glaubte, obwohl ich Aljechin selbst schon seit 30 Jahren spiele.

Daniel spielte aber anschließend nicht aktiv genug und machte zu viele Bauernzüge, so dass die Stellung sich wieder dem Ausgleich näherte. Als der Gegner allerdings zu gierig wurde und bei völlig unterentwickelter Stellung selbst einen Bauern gewinnen wollte, spielte Daniel aber sehr stark und gewann zunächst eine Qualität und dann den am Brettrand gestrandeten schwarzen Springer. Mit seinem Mehrturm räumte er dann die gegnerischen Königsflügelbauern ab und gewann kurz nach Lukas: 2:0 nach etwa 2 Stunden.

Unterdessen war Valentin als Schwarzer gut aus der Eröffnung gekommen und stellte den Gegner durch aktives Spiel vor immer neue Entscheidungen. Schlecht aus sah es dagegen bei Nico, der als Schwarzer in einem Damengambit auf c6 verzichtet hatte, nach Db3 auf den weißen Feldern Probleme bekam und nach weiteren Fehlern einen wichtigen Bauern verlor.

Nils hatte nach ausgeglichener Eröffnung gegen Lb7, c6 und d5 das zweischneidige b4 gespielt: Sein Ld2 war nun genauso schwach wie der gegnerische Lb7. Obendrein drohte der b4 verloren zu gehen. Rochiert hatten natürlich beide nicht - es gab offenbar Wichtigeres. Anstatt nun seinen b4 passiv zu verteidigen traf Nils die interessante Entscheidung, seinen Ld3 durch Schlagen auf h7 gegen f-, g- und h-Bauern zu opfern. Allerdings ging der b4 kurze Zeit später doch verloren, und Nils Königsstellung sah nach Th8-g8 auch nicht viel besser aus als die schwarze. Ich hätte mit Schwarz a tempo mit c6-c5 einen Bauern geopfert, um die Mehrfigur auf b7 zu aktivieren. Nun ja, fremde Bauern opfert man halt gerne ...

Nico geriet nach starkem Spiel seines Gegners nun auch in einen starken Königsangriff, da er gezwungen gewesen war sich mit g7-g6 zu schwächen und gab kurz vor dem Matt auf. Unterdessen hatte Valentin ein optisch gutes Turmendspiel erreicht, in dem der Weiße zwei schwache Bauern, nämlich den e3 und einen Freibauern auf g2 ausgerechnet mit dem Turm decken musste. Mit dem König lief der Weiße nämlich zum Damenflügel anstatt nach f2. Dort angekommen beschleunigte er mit dem verfehlten Vorstoß c4 nur die Entstehung zweier verbundener Freibauern von Schwarz gegen die einzelnen und schwachen Freibauern auf der a- und g-Linie. Merke: Bauernzüge auf dem Flügel, an dem man verteidigt, sind selten gut!
Da der schwarze König seine Freibauern wirkungsvoll unterstützte war der Sieg nun eine Frage der Zeit und nach dreiein-halb Stunden führten wir 3:1.

Isabel hatte nach der Eröffnung etwas zu vorsichtig agiert und den generischen König an den Damenflügel entwischen lassen. Der zwischenzeitlich gewonnene Bauer ging schnell wieder verloren und es schien sich ein Remis abzuzeichnen. In der folgenden Zeitnotschlacht an den beiden verbleibenden Brettern empfand ich es als sehr beruhigend, dass wir das 3:3 schon sicher hatten. Zudem zahlte sich auch aus, dass sowohl Isabel als auch Nils noch etwas mehr Zeit auf der Uhr hatten:
Isabel gewann einen Läufer und fuhr nach überstandener Zeitkontrolle langsam aber sicher den Sieg ein. Nils Gegner verschmähte es weiterhin seinen Lb7 zu aktivieren und versuchte statt dessen mit seinen Schwerfiguren den weißen König zu erlegen. Damit gewann er zwar die weisse Dame, erlaubte aber dem weißen h-Bauern den Vormarsch bis h6:

Schlussstellung

In der abgebildeten Stellung verpasste sein Gegner nun, seine Dame durch Schachs auf g1, c1, e1 und b4 zurück nach f8 zu bringen wonach er leicht gewonnen hätte. Statt dessen einigte man sich Im Glauben an Dauerschach auf ein für Nils glückliches Remis. Allerdings hatte Nils in der Zeitnotschlacht ebenfalls etliche Ungenauigkeiten begangen, so dass das hohe Gesamtergebnis von 4,5 : 1,5 durchaus verdient war.

Damit haben wir vor der letzten Runde den 1. Platz verteidigt. Gegen Oberhausen genügt im letzten Spiel ein 3:3, um den Stichkampf um den Aufstieg zu erreichen. Aber natürlich wollen wir unbedingt gewinnen!

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