Ein Turnier der Extraklasse

Geschrieben am 22.03.2018 von Jürgen Kraft

17.Deutsches Senioren- Derby 2018

Wenn ich jetzt vom Derby berichte, habe ich gleichzeitig das Willi-Knebel-Turnier im Blick. Caissa sei mit Dir, lieber Bernd! (Und nachträglich Glückwunsch zum Sieg!) Doch jetzt nach Undeloh, Lüneburger Heide: Ein Turnier der Extraklasse!

Erstens, weil man es nur einmal beim Eintritt in das Seniorenalter spielen darf. Das heißt: Alle Spielerinnen waren Jahrgang 1963, alle Spieler Jahrgang 1958.

Zweitens: Eine unglaublich liebevolle Vorbereitung durch unseren Nestor Klaus Gohde, Schatzmeister des Förderkreises der Senioren im DSB und Turnierchef. Der Boss! Ihr seht es an den Fotos vom Spielsaal. Zusätzlich (zwei Partien am Tag sind Glucose fressend, unser Gehirn kann nur eine einzige Substanz verbrennen) fanden wir vor jeder Spielrunde eine hochkalorische Leckerei am Brett vor. Glucosedoping, völlig legal!

Zu Beginn Studien: Wie sind gleichaltrige Spieler gealtert? Warum hat Volkmar noch schulterlanges, schönes braunes Haar wie wir alle zu Zeiten der Friedensbewegung und des Protestes gegen die Atomaufrüstung, und ich nicht? Antwort: Schachtheoretisch bedeutet mein nicht mehr vorhandenes Haupthaar einen klaren Vorteil: Ich kann - das habt Ihr viele Male gesehen - in komplizierten Stellungen mit den Händen über mein nicht mehr vorhandenes Haupthaar streichen. Er nicht! Klarer Vorteil für mich, der sich in der sechsten Partie materialisiert.

Aber jetzt geht es endlich los:

  • Partie 1: Barbara Alt, DWZ 1400. Was wie ein Spaziergang aussieht, wird sehr schwer: Sie spielt positionell exakt, und ich kann nur mit einem Bluff - der hätte auch nach hinten losgehen können! - gewinnen.
  • Partie 2: CM Wolfgang Krüger, DWZ 2096. Gegen sein verzögertes Englisch (erst Sf3,dann c4) erreiche ich eine klare Gewinnstellung. Daraus wird dank mangelnder Erfahrung zunächst ein Remis, danach ein Verlust. Frust!
  • Partien 3 und 4: Gegen deutlich schwächere Gegner (nach DWZ) erreiche ich jeweils nur ein Remis, die Gegner sind allerdings außerordentlich nett: Peter (zu DDR-Zeiten Schiffskoch und Weltumsegler, danach Stadtrat der Linken und mit einer WGM verheiratet) versorgt uns am Abend bei Bier und Wein mit Seemannsgarn: Stürme und Fluten! Michael kommentiert das genauso trocken wie er spielt. Ein toller Abend, ich habe Freunde gefunden.
  • Partie 5: Endlich! Axel Blumenstock lehnt das Morra Gambit mit d3 ab. Meine beste Partie, siehe unten. Und schön.
  • Partie 6: Volkmar hat Weiß, ich spiele skandinavisch. Im entscheidenden Moment fehlt ihm der Griff über den Kopf, das bedeutet leider 0:1 (siehe oben).
  • Partie 7: Eine neue Erfahrung - Peter Ellinger ist blind, ich muss meine Züge deutlich ansagen und seine auf dem Brett ausführen. Peter "sieht" enorm viel. Gegen Italienisch opfert er jedoch inkorrekt den Läufer auf h3. "Das war noch Theorie?", so sein Kommentar zum Schluss. "Ja!"

5: 2 - zum Schluss habe endlich 1800 geknackt! Platz 8, zwei Schachbücher gewonnen. Und das Beste: FREUNDE!

Tausend Dank an Klaus Gohde!!!

Als das fehlende Haupthaar half...

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Einen weiteren Turnierbericht mit vielen zusätzlichen Fotos gibt's auch beim Schachticker: http://www.chess-international.de/archive/86217

Das Wirken und die Bedeutung von Klaus Gohde hat unser Mitglied (und "nebenbei" auch der Seniorenreferent des Deutschen Schachbundes) Gerhard Meiwald in einer Laudatio ausführlich gewürdigt, die er aus Anlass der Verleihung der Ehrenmitgliedschaft an Klaus Gohde auf dem Kongress des Deutschen Schachbundes am 27.5.2017 in Linstow hielt: http://www.chess-international.de/archive/76590

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Ich messe den Erfolg nicht an meinen Siegen, sondern daran, ob ich jedes Jahr besser werde.

Tiger Woods

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