Eröffnung verschlafen - Turmendspiele gewonnen

Geschrieben am 11.11.2019 von Volker Gassmann

Jugendbundesliga: SFK U20 siegt in Krefeld

Wie schon gegen Münster konnten wir auch in der 2. Runde der Jugendbundesliga nicht in stärkster Aufstellung spielen: Da Spitzenbrett Timo für den Einsatz in der Oberliga fehlte und auch Nikita wegen eines tragischen Trauerfalls in der Familie absagen musste, rückten Valentin und Luca auf. Für die Anreise hatte ich geplant, Yakub und Aik, die per Bahn aus Paderborn bzw. Hagen anreisten, um 10:00 am Hauptbahnhof abzuholen. Leider hatte Aik seinen Zug verpasst und informierte mich gegen 9:30, er würde erst gegen 11:00 - also bei Spielbeginn in Essen eintreffen. Zum Glück konnte ich mit einigen Telefonaten klären, dass Valentins Mutter Yakub am Hauptbahnhof mitnimmt und die Mannschaft korrekt gemeldet wird. Ich würde mit Aik um 11:00 in Essen starten und gut 30 Minuten verspätet mit ihm zum Spiel eintreffen. In allen anderen Klassen zu spät, aber in der Jugendbundesliga gilt noch die uralte Karenzzeit von 1 Stunde, was mir Yakub am Telefon erzählte und Bernd nach kurzer Recherche bestätigte.

Aus den 30 Minuten wurden wegen Zugverspätung zwar 45 Minuen, aber Aik und ich trafen rechtzeitig zum Kampf ein. Erfreulich war einerseits, dass auch bei Krefeld die Bretter 1 und 3 fehlten, so dass sich zwei annähernd gleichstarke Mannschaften gegenüberstanden, und andererseits, dass alle Spieler konzentriert zu Werke gingen und sich ein ausgeglichener Kampf entwickelte.

Eine gute Stellung erreichte nach starkem Spiel trotz großem Zeitnachteil Aik an Brett 2, dessen Gegner ein Blumenfeld-Gambit fehlerhaft mit Sc3 ablehnte und diesen Springer alsbald nach b5-b4 auf a4 im Abseits parken musste. Auch Luca, der mit Schwarz eine Art Marcoczy-Aufbau erreichte, stand bequem. Umgekehrt hatte Jonas in einem beschleunigten Drachen nach zahlreichen Abtäuschen keine Schwierigkeiten, allerdings konnten Noel und Yakub mit Weiß keinen Vorteil aus der Eröffnung herausholen. Nur Valentin, der in einem Najdorf-Sizilianer nach e5 mit dem zweifelhaften Sd4-f5 reagiert hatte, geriet am Damenflügel in Schwierigkeiten, weil Schwarz die Entwicklung des Königsflügels zurückstellte und stattdessen schnell auf der c-Linie starken Druck entwickelte. Valentin versuchte mit interessanten Verwicklungen noch, die Stellung des unrochierten scharzen Königs auszunutzen, aber vermutlich war seine Stellung objektiv schon sehr schwierig und er musste nach gut 2 Stunden aufgeben. Währenddessen hatte Aik seinen Vorteil langsam ausgebaut und einen Bauern gewonnen.

In einem scheinbar totremisen Doppelturmendspiel setzte Jonas seinen Gegner unter Zulassung zweier verbundener Freibauern auf a- und b-Linie unter Druck. Ein riskantes Spiel, denn wenn es dem Gegner gelungen wäre, einen Turm zu tauschen, wären die entfernten Freibauern sehr stark geworden. Aber Jonas rechnete genauer und konnte seine Türme auf der 2. Reihe einen Zug eher in Stellung bringen als sein Gegner auf der 7. Reihe.

Inzwischen war die Zeitnotphase angebrochen. Trotz minimaler Nachteile durch einen Isolani bei Noel und einen Doppelbauern bei Yakub konnten beide sicher ein Remis erzielen. Bei Jonas überschlugen sich in der Zeitnotschlacht die Ereignisse: Zunächste vergab er durch mehrere ungenaue Züge seinen Vorteil - zuletzt durch den ungenauen Zug Kg7 bei eigener Bauernstellung h5, g6, f7. Sein Gegner hatte nach einem seitlichen Turmschach auf der 4. Reihe ein leichtes Remis nach dem Rückzug Kh4-h3. Statt dessen ging der König nach vorne: Kg5?? und Tg4 Matt!

So stand es etwas glücklich 2:2 nach der Zeitkontrolle. Auch bei Luca tat sich Seltsames im Turmendspiel: Sein Gegner war vermutlich nach einer trickreichen Kreuzfesselung, die Luca aus scheinbar bedrängter Lage rettete und ein zunächst nur leicht berreres Turmendspiel ergab, viel zu passiv und erlaubte Lucas König das Eindringen bis c3.

Zunächst gewann aber Aik, der seit geraumer Zeit bereits 2 Mehrbauern hatte, eine insgesamt sehr souverän geführte Partie. Auch Luca gewann sein Turmendspiel sicher, so dass sich der etwas zu hohe Endstand von 4:2 ergab. Ein wegen der ärgerlichen aber verdienten Niederlage in der ersten Runde gegen Münster besonders wichtiger Sieg. Nun gilt es, im nächsten Kamppf gegen Schlusslicht Brackel II einen deutlichen Sieg einzufahren um die Chancen auf eine erneute Qualifikation für die Deutsche Meisterschaft zu wahren.

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Jedes Spiel, insbesondere aber das Schachspiel, ist eine sprechende Grammatik des Menschenherzen.

Karol Krupski

Schachaufgabe

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