Fast verpatzter Auftakt!

Geschrieben am 20.09.2015 von Ulrich Geilmann

Glücklicher 4,5-3,5-Sieg gegen Mülheim Nord 2

Eigentlich habe ich gar keine Zeit mehr! Und doch sitze ich wieder im Spiellokal! Ich muss es mir wohl eingestehen: Ich bin süchtig! Mein Name ist Ulrich Geilmann. Ich bin ein Schachjunkie!

Nach dem Abstieg aus der 1. Liga hatte ich wirklich überlegt, mich von meinen Aufgaben als Teamchef entbinden zu lassen. Nicht, weil ich glaubte, in der letzten Saison etwas grundsätzlich falsch gemacht zu haben. Nein, der Grund war tatsächlich mein absolut geringes Zeitbudget nach dem Jobwechsel. Doch ich muss am Rande auch zugeben, dass mich der eine oder andere Kommentar aus unserem Verein durchaus irritiert hat.

Deshalb möchte ich es an dieser Stelle noch einmal klar sagen: Wir sind verdient abgestiegen! Wir konnten nämlich schlecht laufende Kämpfe nicht noch einmal umdrehen und haben zudem manchen Mannschaftspunkt auf dem Weg liegen lassen! Abgesehen davon hätten wir uns aber eine weitere Saison in der 1. Liga auch finanziell kaum noch leisten können. Insofern wird uns der Aufenthalt in der 2. Bundesliga West ganz gut tun! Wir müssen uns in jeder Hinsicht konsolidieren. Und die Chancen stehen nicht so schlecht. Das Liga-Orakel des Schachklubs Bad Homburg sieht uns allerdings nur auf dem 3. Platz mit einer Aufstiegschance von 34 %. Grob berechnet nach Elozahlen und der Monte-Carlo-Methode. Doch Grau ist alle Theorie.

Bevor ich auf den Mannschaftskampf gegen die 2. Equipe unserer Schachfreunde aus Mülheim-Nord eingehe, sei noch einmal darauf hingewiesen, dass wir durch den Abstieg einige Schachfreunde gehen lassen mussten. Doch immerhin haben wir mit GM Benjamin Bok, IM Lawrence Trent, GM Evgeny Romanov und GM Andrei Volokitin großes Kino erlebt. GM Yuriy Krivoruchko und IM Matthias Thesing sind uns zwar erhalten geblieben, aber eine Meldung für den Ligabetrieb hätte aus verschiedenen Gründen keinen Sinn gemacht. Von daher bedeutet die Saison 2015/2016 auch einen Neubeginn, den wir mit FM Miguoel Admiraal, FM Robby Kevlishvili, GM Alexey Kislinsky, Marcin Kolago, GM Alexander Kovchan, Arthur Pijpers und FM Thomas Wessendorf wagen werden. Herzlich willkommen im Team!

Gegen Mülheim-Nord II hatten wir eine gesunde Mischung aus neuen und bewährten Kräften vorgesehen: GM Alexey Kislinsky, GM Nazar Firman, GM Ilja Zaragatski, GM Sebastian Siebrecht, Arthur Pijpers, FM Miguoel Admiraal, FM Timothee Heinz und WGM Sarah Hoolt.

Das Organisationsteam wurde diesmal im Wesentlichen durch unseren Vizepräsidenten Prof. Dr. Bruno Clostermann, Jan Dette und Dr. Reinhard Kennemann komplettiert. Bruno und Jan hatten vor Ort alles vorbereitet; Bruno leistete nebenbei wertvolle Fahrdienste. Reinhard spielte wieder einmal den Herbergsvater und zwar für Alexey, Nazar und Timo, die bereits am Samstag angereist waren.

Zum neuen Feeling gehört auch, dass wir unsere Heimkämpfe auf Helene austragen und zwar ohne Internetübertragung! Ich war daher gespannt, ob es uns diesmal gelingen würde, eine größere Anzahl von Zuschauern zu generieren. Die Randbedingungen im Roten Raum waren jedenfalls gut. Bruno und Jan hatten für fast alles gesorgt! Es gab sogar ein kleines Getränkebuffet. Leider klappte die ursprünglich geplante Doppeltischaufstellung nicht, weil man uns aufgrund einiger Parallelveranstaltungen am frühen Morgen wieder einige Möbel entzogen hatte. So war es für die Spieler etwas eng. Aber wenigstens hing das Sponsorenschild. Ich hatte insoweit schon schlechtere Premieren erlebt.

Um 10.20 Uhr stand die Mannschaftsaufstellung fest. Mülheim trat mit einer ziemlich jungen und sehr holländischen aber weitestgehend titellosen Truppe an:

Brett SK Katernberg - SV Mülheim-Nord II
1 GM Alexey Kislinsky - FM Thomas Beerdsen
2 GM Nazar Firman - Max Warmerdam
3 GM Ilja Zaragatski - Joep Nabuurs
4 GM Sebastian Siebrecht - Thijmen Smith
5 Arthur Pijpers - Valentin Buckels
6 FM Miguoel Admiraal - Benjamin Nachbar
7 FM Timothee Heinz - Mees van Osch
8 WGM Sarah Hoolt - Tom Bus

Ein deutlicher Elounterschied zugunsten SF Katernberg. In der 1. Liga war das bislang stets ein eher schlechtes Zeichen! Wir können im Allgemeinen Favorit nicht so gut.

Die Anreise unserer niederländischen Freunde Arthur und Miguoel sollte sich allerdings wegen einer Zugverspätung verzögern. So ist das halt, wenn man sich auf Gedeih und Verderb auf die Bahn verlässt. Nichtsdestotrotz pfiff unser Schiedsrichter Rainer Niermann die Partie pünktlich um 11.00 Uhr an. Eine Uhrzeit, an die ich mich aber erst noch gewöhnen muss. Nach noch knapp rechtzeitiger Ankunft der fehlenden Schäfchen ging dann mein Adrenalinspiegel aber erstmal wieder herunter und musste durch eine entsprechend große Dosis Koffein ausgeglichen werden.

Nach einer Stunde hatten wir zusammen mit einer Mühleimer Betreuerin, Peter Boden und Thomas Wessendorf immerhin schon den 3. Besucher! Schachlich gab’s zugegebener Maßen aber auch noch nicht viel Neues zu sehen; es sei denn, man steht auf das Zelebrieren von Schacheröffnungen. Hierin unterscheiden sich die 1. und 2. Bundesliga also offensichtlich nicht wesentlich. Allerdings sei vermerkt, dass Nazar entspannt herum lief, was ich gemeinhin als äußeres Zeichen dafür deute, dass er sich in der Stellung wohl fühlt.

Um 12.30 Uhr vergrößerte sich die Zahl der synchron mitfiebernden Zuschauer um ein paar weitere Personen. Begeisternd, aber nur falls man das prozentual betrachtet und als Bezugssystem die Anzahl der anwesenden Zuschauer und nicht etwa die Anzahl unserer Vereinsmitglieder wählt! Vielleicht sollte ich wirklich einmal an meinem Erwartungshorizont schrauben. Insofern sei an dieser Stelle nur der beginnende Verbrauch meiner 2. Tasse Kaffee und des 5. Schokoriegels erwähnt. Der Fairness halber muss allerdings darauf aufmerksam gemacht werden, dass sich Timo zu dieser Zeit bereits in argen Schwierigkeiten befand. Er hatte einen offenen Königsflügel, den sein Gegner augenscheinlich ziemlich einladend fand. Das tat zugegebener Maßen ein wenig weh. Noch gab es eine gewisse Materialkompensation für unseren liebenswürdigen Franzosen. Aber eigentlich sah das so aus, als würde er gerade gepflegt zerlegt, denn im Prinzip wurde seine Stellung im Augenblick nur durch seinen Springer zusammen gehalten.

Nach gut zweieinhalb Spielstunden war es dann Zeit für eine erste tiefer gehende Zwischenbilanz. Oberflächlich betrachtet schien sich alles in allem die Elodifferenz sachte bemerkbar zu machen. Zumindest standen Alexey, Nazar und Sebastian ganz zufrieden stellend. Ilja, Arthur, Miguoel und Sarah hatten hingegen relativ ausgeglichene Stellungen. Um Timothee musste ich mir übrigens keine Sorgen mehr machen. Er schob nämlich gerade etwas entnervt seine Puppen zusammen. Ein hoch verdientes Führungstor für Mülheim Nord II. (0:1).

Nach einem gut berechneten Figurenopfer seines Gegners geriet dann aber auch Arthur in die Klemme. Jedenfalls ließ die nächste Niederlage für mein Team nicht mehr lange auf sich warten. (0:2). Meine Laune, die aus verschiedenen Gründen eh nicht sonderlich gut war, verschlechterte sich entsprechend, besonders als ich beim nächsten Durchgang zu meinem Verdruss feststellen durfte, dass sich auch Nazar nicht mehr in allerbester Verfassung befand. Einzige Lichtblicke waren momentan eine sauber heraus gespielte Zugzwangstellung von Alexey und ein klar gewonnenes Endspiel von Miguoel. Zumindest hier sollte eigentlich nichts mehr anbrennen.

Um 14.30 Uhr dann tatsächlich der ersehnte Anschlusstreffer von Miguoel! (1:2). Kurz danach verlor auch Sebastians Gegner die Übersicht und einen Klotz. Ausgleich. (2:2). Dann sogar der Führungstreffer durch Sarah, die seit gut einer Stunde ihren kleinen Vorteil unmerklich in eine Gewinnstellung verkarpovisiert hatte. (3:2). Alexey war dann der Gewährsmann für den 1. Mannschaftspunkt in dieser Saison. (4:2). Karascho, Alexey! Spassiba! Ilja bewies danach Übersicht und machte den Sack mit einer Zugwiederholung zu (4,5 : 2,5). Mir fiel ein Stein vom Herzen, auch wenn es irgendwie eine neue Erfahrung für mich war, dass der Sieg bereits nach 4 Stunden feststand.

Blieb noch Nazar, der sich inzwischen ein wenig bekrabbelt hatte. Wobei man sagen muss, dass er immer noch eher auf Verlust stand. Allerdings war die Remisbreite durch einige Abtausche merklich verbreitert! Zwischendurch hatte ich sogar die Zuversicht, dass er eine Festung hätte erspielen können, doch leider zerstoben alle entsprechenden Hoffnungen. Kurz nach 17.00 Uhr musste er sich schließlich seinem jungen Gegner geschlagen werden.

Hier noch mal das erste Endergebnis von SFK I in der Saison 2015/2016:

Brett SK Katernberg - SV Mülheim-Nord II 4,5:3,5
1 GM Alexey Kislinsky - FM Thomas Beerdsen 1 : 0
2 GM Nazar Firman - Max Warmerdam 0 : 1
3 GM Ilja Zaragatski - Joep Nabuurs ½ : ½
4 GM Sebastian Siebrecht - Thijmen Smith 1 : 0
5 Arthur Pijpers - Valentin Buckels 0 : 1
6 FM Miguoel Admiraal - Benjamin Nachbar 1 : 0
7 FM Timothee Heinz - Mees van Osch 0 : 1
8 WGM Sarah Hoolt - Tom Bus 1 : 0

Alles in allem: Schwere Kost! Hätte auch schief gegen können.

Hier alle Partien zum Nachspielen, die Fotos in der Bildergalerie stammen von Bruno Müller-Clostermann.

Partien SFK - MH Nord II

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