Frühling, Sonne, Meer, Wein und Schach

Geschrieben am 30.05.2017 von Jürgen Kraft

Bericht vom ACO- Turnier auf Kos, 6. bis 15. Mai 2017

Liebe Schachfreunde, das war ein richtig gelungener Urlaub! Zugegeben: die Ausschreibung: "Amateur Schach Weltmeisterschaft" ist etwas bombastisch. Aber: 314 Spieler aus aller Welt hatten sich eingefunden, darunter aus Chile und Australien mit der weitesten Anreise. Meine Gegner kamen aus Indien, den Niederlanden, England, Polen, Norwegen, Frankreich, der Schweiz und -unüberhörbar- aus Sachsen. Ein Mitglied des regionalen Schachclubs Kos- Stadt war auch dabei. Jüngster Spieler des Turniers 6 Jahre, ältester ganze 92! Gespielt wurde im Helona Resort, einer Strandhotelanlage direkt an der Südküste der Insel. Zu Recht 5 Sterne. 9 Runden Schweizer System, übliche Bedenkzeit, Rating -Gruppen nach ELO 200 gestaffelt. 7 Spieltage, einen Tag frei zur Erkundung der Insel in der Frühlingsblüte.

Abends Blitzturniere- sehr zur Nachahmung empfohlen das Teamblitz: Ein starker und ein schwächerer Spieler kämpfen gemeinsam. Bringt Spass! Wer von Euch jetzt glaubt,wir hätten Ferien- Kaffeehausschach gespielt, der sei eines Besseren belehrt: Da wir alle Zeit der Welt hatten- von der Bedenkzeit einmal abgesehen- wurde auf Biegen und Brechen gekämpft: Ein Remisangebot annehmen? Nur mit einer Dame und einem Turm weniger… Ein typischer Schachtag: 7.30 aufstehen,um 8.30 wollen Anne und ich beim Frühstück sein. Da muss ich vorher noch eine Runde im Meer schwimmen. Nach dem Frühstück noch ein kurzer Spaziergang am Meer, um 10.00 geht es los. Aufregung… Nach dem Spiel sind Anne und ich um 13.30 zum Mittagessen verabredet- es wurde mehrfach später. So viele Endspiele habe ich noch nie gespielt. Am Abend: In der Hotelbar stehen überall Schachspiele. Aber mit den Engländern kann man auch wunderbar über Musik diskutieren: Sind Deep Purple oder die Dire Straits die bessere Band? Hat man verloren,so kann man sich mit einem Glas Rotwein und den Rolling Stones trösten: "You can't always get what you want"; hat man gewonnen,so hört man an der Pool- Bar Freddy Mercury... "We are the Champions!"

Sehr schön der spielfreie Tag: Es werden Busausflüge über die Insel angeboten. Besser ist es, einen Kleinwagen zu mieten und die Insel auf eigene Faust zu erkunden. Kos- Stadt hat neben viel Tourismus einen schönen antiken Marktplatz mitten in der Stadt und eine Kreuzritterburg zu bieten. Zwei schöne, alte Moscheen friedlich neben orthodoxen Kirchen. Ein Besuch des antiken Hippokrates- Heiligtums musste ebenso sein wie die Fahrt zu den Bergdörfern über enge Serpentinen: Blumen,Wald und ein herrlicher Blick auf die tiefblaue Ägäis.

Zurück zum Schach: 5,5 aus 9, Platz 19 von 88 in meiner Ratinggruppe. Trotz vieler Fehler bin ich zufrieden. Die schönste Partie war ein Schwarzsieg im englischen Vierspringerspiel. Dank Englisch- Nachhilfeunterricht von Bernd ging die Eröffnung klar zu meinen Gunsten aus und ich hatte trotz eines Fehlers im Mittelspiel zum erstenmal in meiner Schachkarriere die Gelegenheit zur Vielweiberei: Zwei schwarze Damen waren zuviel für meinen Gegner. Dank des guten Hotelessens (Oh diese Calamares mit Knoblauch- und Kapernmayonnaise!) hat mein Bauch leider mehr zugenommen als meine DWZ. Jetzt ist Salat angesagt! Anne hat derweil das Strandleben genossen und ist richtig braun geworden- vielleicht der einzige Nachteil des klimatisierten Spielsaals. Nächstes Jahr sind wir wieder dabei! Mitreisen empfohlen!

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Der Schachmeister ist der Hohepriester des Irrelevanten.

George Steiner

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