Glückssache

Geschrieben am 15.10.2022 von Jan Dette

Pokal: SFK 2 gewinnt gegen Mh-Nord

Ob Schach nun reines Können ist oder nicht doch auch mit Glück zu tun hat, da wird wohl jeder seine eigene Meinung haben. Unzweifelhaft ist jedoch, dass unsere zweite Pokalmannschaft im Viertelfinale gegen Mülheim-Nord eine ordentliche Portion Glück hatte, um den Einzug ins Halbfinale zu sichern. In der Aufstellung Lukas Schimnatkowski, Kyrill Scheck, Jan Dette und Max Heldt hatten wir DWZ-mäßig leicht die Nase vorn, doch wie längst bekannt sein dürfte, hat der Pokal seine eigenen Gesetze.

Die erste Entscheidung des Abends brachte Lukas mit den schwarzen Steinen. Gegen die sizilianische Verteidigung baute sein Gegner eine solide Stellung auf, gegen die es kein Durchkommen gab. Doch durch eine Unachtsamkeit stellte der Mülheimer eine Qualität ein und gab nach kurzer Überlegung auf. Lukas berichtete nach der Partie, dass ihm die Stellung selbst nach Qualitätsgewinn nicht klar schien.

Das nächste Ergebnis entstand an meinem Brett. In einer offenen Stellung mit getauschten Damen hatte ich meine Leichtfiguren auf den besseren Feldern platzieren können. Zudem war mein Isolani bereit nach vorne zu laufen, also alles nach Lehrbuch? Leider nicht, denn als ich bemerkte, dass meine ersinnte Gewinnvariante überhaupt nicht zum Sieg führte, war es schon zu spät. Nach einigen weiteren Fehlgriffen verflüchtigte sich mein Vorteil und gegen die eindringenden schwarzen Figuren gab es keine Rettung mehr.

Also 1-1 zur Zeitkontrolle. Sowohl Kyrill als auch Max hatten es ins Endspiel geschafft. Max hatte nach unkonventioneller, aber ruhiger Eröffnung irgendwo im Mittelspiel einen Bauern erobert, den es nun im Damenendspiel zu verwerten galt. Dank der schlechten weißen Königsstellung konnte er es sich erlauben, mit seinem König von g8 nach a3 zu marschieren, um die weiße Damenflügelkette zu attackieren. Weiß schaffte es nicht Gegenspiel zu erzeugen und gab in Anbetracht eines forcierten Damentauschs auf, was uns die erneute Führung brachte.

Bleibt noch Kyrills Partie. Gegen die Caro-Kann-Verteidigung mit 4...Sf6 entschied er sich für die Hauptvariante mit langer Rochade. Was folgte, war eine unklare Stellung, in der Schwarz es schaffte, mit seinen Bauern am Königsflügel nach vorne zu stoßen, sodass die weißen Figuren Mühe hatten, vernünftige Felder zu finden. Nach einigen Abtäuschen entstand ein Damenendspiel mit ungleichfarbigen Läufern. Da auch dieses schwierig für Weiß war, entschied sich Kyrill kurzfristig einen Bauern zu opfern, um die Damen tauschen zu können. Leider übersah eine Verteidigungsressource des Gegners, wodurch der Bauer langfristig weg war und ein zweiter Bauernverlust unvermeidlich wurde. Das Läuferendspiel ging dann schnell verloren.

Damit endete der Kampf Unentschieden. Der aufmerksame Leser wird erkannt haben, dass wir an Brett 1 & 4 gewonnen sowie 2 & 3 verloren haben, wodurch auch die Berliner Wertung ein Unentschieden ergibt. Was nun? Wir warfen einen Blick in die Essener Turnierordnung und riefen sicherheitshalber auch den Essener Spielleiter Jochen Bruckmann an: Das Weiterkommen wird durch einen Losentscheid zwischen den Mannschaftsführern entschieden. Der Mülheimer Mannschaftsführer Kevin Schmidt wählte eine Münze aus, ich sagte „Kopf“ an, die Münze flog und landete mit Kopf nach oben. Glück gehabt!

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Die Wirklichkeit im Schachspiel wird erschlossen durch Analyse, die eindringende, die einen Tatbestand kritisch erwägende und zuletzt streng erweisende.

Dr. Emanuel Lasker

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