Halbfinale!

Geschrieben am 27.05.2019 von Bernd Rosen

Unsere Pokalauswahl siegt gegen Welper und den Düsseldorfer SK

Die Zwischenrunde des NRW-Pokals führte uns wie schon vor zwei Jahren nach Wuppertal-Elberfeld, wo neben den Gastgebern der SV Welper und Bundesligist Düsseldorfer SK die möglichen Gegner waren. Wie im Pokal üblich wurden die Paarungen erst unmittelbar vor dem Kampf ausgelost. Da sich kein Freiwilliger fand, verdonnerte Schiedsrichter Wolfgang Deinert kurzerhand den jüngsten Spieler dazu, die vorbereiteten Namenskarten zu ziehen. Solchermaßen zur Glücksfee befördert, loste Timo Küppers uns den SV Welper zu, auf dem Papier sicher die schwächste Mannschaft im Feld, die noch dazu nicht in Bestbestzung erschienen waren.

In der Folge entwickelte sich dann auch ein recht einseitiger Kampf. Zwar verbrauchte ich sehr viel Zeit bei dem - letztlich vergeblichen - Versuch, der vereinfachten Position noch etwas Leben einzuhauchen, und riskierte dazu noch eine sehr verdächtig aussehende Stellung, aber ich überschritt nie ganz die Grenzen des Erlaubten und landete dann in einem remislichen Turmendspiel gegen einen nominell deutlich schwächeren Gegner. Auch Timo brachte sich durch zu oberflächliche Beurteilung der Situation in eine schwierige Lage, war aber nicht ernsthaft gefährdet und steuerte den zweiten halben Punkt bei. Bosko verwertete den Vorteil des Läuferpaares mit leichter Hand zum ganzen Punkt, und auch Lukas hatte nur technische Probleme, mit Dame gegen zwei Leichtfiguren zu gewinnen. Zuvor hatte er seinen Gener am Damenflügel lehrbuchartig überspielt und diesen zu dem Damenopfer praktisch gezwungen, weil die Stellung so wenigstens noch kompliziert wurde.

Im Parallelwettkampf hatte der Noch-Bundesligist Düsseldorf große Mühe, seine nominelle Überlegenheit zur Geltung zu bringen. Bis zur Zeitkontrolle hätte ich eher auf einen Sieg der Wuppertaler getippt, die ich an allen Brettern im Vorteil sah. Doch am Ende retteten sich drei Düsseldorfer ins Remis, und Mannschaftssenior von Bünau gewann ein Endspiel, das bis weit in die 7. Spielstunde dauerte.

Am Sonntag überraschten wir unsere Gegner dann ziemlich, weil wir mit exakt der gleichen Mannschaft aufliefen wie am Vortag - das haben wir in den letzten Jahren noch nie gemacht! Die Düsseldorfer ihrerseits wechselten die beiden Spitzenbretter aus: Diesmal saßen uns IM De Gleria und fast-IM Harff gegenüber, dahinter spielten erneut von Bünau und Kesseler.

Dann hatte ich noch einen erhellenden Moment, als der Schiedsrichter vor dem Anstoß einen wichtigen Hinweis gab: "Es besteht Notationspflicht bis zum letzten Zug - die 30 Sekunden Zeitzuschlag je Zug sind keine Bedenkzeit - das ist Mitschreibezeit!" Endlich habe ich eine Antwort parat, wenn mich mal wieder jemand fragt, was ich mir diesem oder jenem Zug der Partie gedacht hatte: "Wie soll ich mir in der Mitschreibezeit auch noch Gedanken über meine Züge machen?"

Kaum war der Anpfiff erfolgt, einigten sich Bosko und De Gleria am Spitzenbrett auf Remis. Der Düsseldorfer IM hatte mit einem Läuferopfer auf f7 eine Zugwiederholung erzwungen, indem er mit seinem Springer auf e6 und c7 die schwarze Dame ewig verfolgte. Kurz darauf auch an Brett 2 der Remisschluss: Ich hatte gegen Marcel Harff durch Zugumstellung die französische Abtauschvariante aufs Brett gebracht. Um die damit verbundene Ausgleichstendenz zu durchbrechen fehlte ihm an diesem Tag der Kampfesmut - schon nach 20 Zügen kam sein Friedensangebot, das ich dankend annahm.

Ein perfekter Auftakt, denn an den Brettern drei und vier sah ich Timo und Lukas nominell deutlich im Vorteil. Und tatsächlich kassierte Timo, dessen König unter heftigem Beschuss der schwarzen Streitkräfte stand, seelenruhig den schwachen Bauern auf c6 ein. Als wenig später auch den schwarzen Bauern auf d5 das gleiche Schicksal ereilte, hatte er sicherlich eine Gewinnstellung erreicht. Zeitgleich stellte auch Lukas seinen Wunschgegner Heiko Kesseler, von dessen geradezu magischen Tandem-Fähigkeiten er auf der Hinfahrt begeistert berichtet hatte, vor große Probleme. Leider übersah er kurz vor der Zeitkontrolle eine Verteidigungsressource und musste wenig später in die Punkteteilung einlenken.

Um den 40. Zug herum verlor auch Timo die Kontrolle über das Geschehen auf dem Brett. Nach einem Qualitätsopfer musste er sich gewaltig strecken, nicht Matt zu werden, gab dabei die Qualität zurück. Der verbliebene Mehrbauer schien ihm zu Recht praktisch nicht verwertbar, daher bot er selbst die Punkteteilung an. Also Remis an allen vier Brettern! Die Berliner Wertung hilft da natürlich auch nicht weiter - es musste geblitzt werden. Eine Woche zuvor war Düsseldorf noch NRW-Blitzmannschaftsmeister geworden. Zum Glück war aus diesem Team nur ein Akteur vor Ort. Und noch mehr Glück: Von den möglichen Kandidaten für Brett 4 hatte sich ausgerechnet Lukas am eifrigsten um einen Startplatz beworben. Und der führt bekanntlich die Gesamtwertung unseres Blitz-Grandprix an. Timo ist ohnehin ein überragender Blitzschachspieler - bei seinen seltenen Starts hat er bei unserer Turnierserie in dieser Saison immer den ersten Platz belegt. Tatsächlich schossen uns die beiden Youngsters mit einem blitzsauberen 4:0 zum Sieg - Bosko steuerte ein 1:1 bei, nur ich Blitz-Opa stand gegen Marcel Harff, der bei der NRW-Meisterschaft einen Brettpreis gewonnen hatte, auf verlorenem Posten. Gesamtergebnis: 5:3. Festzuhalten ist, dass die Düsseldorfer äußerst angenehme Gegner waren, die uns zum Weiterkommen fair gratulierten.

Durch diesen Erfolg stehen wir im Halbfinale, wo mit der Solinger SG und Erkenschwick (mit dem Ex-Katernberger Robert Ris und noch weiterer Oranjepower an Bord) zwei harte Gegner auf uns warten. Vermeintlich schwächster Kandidat am Finalwochenende 06./07. Juli ist Düsseldorf-Süd. Der Austragungsort steht noch nicht fest.

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Um gut Schach zu spielen, braucht man Technik, Taktik, Ausdauer und Kraft. Genau wie bei vielen anderen Sportarten muss man Schach regelmäßig trainieren, um sich zu verbessern.

Marco Bode

Schachaufgabe

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