Highnoon in der Ellipse

Geschrieben am 14.12.2015 von Ulrich Geilmann

SFK unterliegt im Spitzenspiel der 2. Bundesliga gegen Porz

Die Porzer sind in der Stadt! Im wilden Westen wäre das in etwa gleichzusetzen, wie der Besuch der Gebrüder Earp und Doc Holliday in Tombstone. Klingende Namen. Van Wely, Timman, Baklan, Khenkin, Lutz. Glänzender Flair erfahrener Schachlegenden.

Insofern galt es zunächst einen passenden Turniersaal zu finden. Der O.K. Corral war diesmal die lichtdurchflutete Ellipse, die allerdings erst noch mit dem notwendigen Mobiliar und Material auszustatten war. Aber mit vielen helfenden Händen war dieses Problem schnell gelöst. Mein besonderer Dank an Bernd Rosen und Michael Wolff. Dabei spielten heuer nicht nur die 1. Mannschaft sondern weitere Katernberger Teams um Sieg und Ehre, was zusätzliche Aufbauleistungen erforderten.

Dass die Kölner Elitetruppe die Begegnung erst nahm, sah man an der Aufstellung. Die Porzer, die auch in der 1. Bundesliga ein sicherer Abonnent auf das Siegertreppchen wären, wenn sie denn nur wollten, traten mit ihrer Topmannschaft an:

Brett SF Katernberg - SG Porz
1 Fier - van Wely
2 Zaragatski - Timman
3 Siebrecht - Baklan
4 Pijpers - Khenkin
5 Admiraal - Reindermann
6 Kevlishvili - van den Doel
7 Dr. Scholz - Lutz
8 Hoolt - Rotstein

Das nenn ich doch mal eine Aufgabe! Aber da wir bekanntlich „Underdog“ ganz gut können, hatte ich keine besonderen Probleme mit der Situation, wobei wir uns nach einer ersten Betrachtung der Partien auch entsprechend respektlos verhielten.

Für den jungen Robby Kevlishvili war die Nominierung übrigens eine Premiere.

Schiedsrichter der Begegnung war Klaus Deventer, der seine Aufgabe mit der für ihn typischen Souveränität erledigte. Allerdings machten wir es ihm auch leicht. Es gab nur kleinere Probleme mit den Uhren und eine kurze Diskussion mit einem der Gäste, der sich - vielleicht auch nicht ganz zu Unrecht - über den Stuhlabstand und die vielleicht etwas zu schmale Tischgröße mokierte.

Nach gut 2 Spielstunden wurde allerdings irgendwie auch die Luft etwas knapp, weil sich die Fenster nur mit einer Kurbel öffnen ließen. Die war aber erst nirgends auffindbar. Selbst die Intervention bei unserem Wirt half da erstmal nicht weiter. Also musste die Flurtür offen bleiben, was aber zumindest ab und an leichte Störwirkungen zur Folge hatte, da ja der Lichthof des Gebäudes gleichzeitig für die Kletterfreunde genutzt wird.

Schachlich gesehen unterschied sich die nächste Kontrollrunde nicht sonderlich von der vorherigen Begutachtung. Allerdings fand sich nun die Kurbel, wobei ich wiederum die Feststellung treffen musste, dass sich einige Fenster trotz intensiver Bemühungen strikt einer Öffnung verweigerten. Die Luft wurde trotzdem wieder besser.

Herausragende Partie war die Begegnung zwischen Loek van Wely und Alexandr Fier. Unser 1. Brett hatte sich in der Eröffnungsphase zwei Mehrbauern und einen deutlichen Zeitvorsprung erspielt, die er auch in den nachfolgenden Partiephasen lange behielt. Dass da nicht mit Platzpatronen gearbeitet wurde, sah man aber kurze Zeit später, als sich der holländische Weltklassemann Qualität und Bauern zurückholte. Die Stellung blieb dennoch ziemlich offen, so dass ich nicht wirklich eine Prognose zum Ausgang der Schießerei wagen wollte. Außerdem befanden sich auf dem Brett diverse Bauerndesperados, die die Kräfteverhältnisse jederzeit beeinflussen konnten.

Etwas Sorge hatte ich allerdings bei Miguoel Admiraal, dessen Zeitverbrauch deutlich vom Durchschnitt abwich. Er stand zudem ein wenig geklemmt, was vielleicht auch seine aufkommenden Sorgenfalten erklärte.

Dennoch sah der Kampfverlauf in der Gesamtbetrachtung gar nicht so übel aus. Optimisten rechneten gar schon mit einem knappen Sieg. Nun, soweit wollte ich zumindest zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht gehen, denn ich weiß nur zu gut, dass sich so ein Kampf nicht immer so entwickelt, wie man sich’s erträumt.

Die Besucherkulisse war – nebenbei bemerkt - auch dieses Mal nicht sonderlich gut. So richtig erklären kann ich mir das nicht, aber offenbar habe ich, was den Besuch von Schachereignissen betrifft, eine antiquierte Sicht.

Das erste Ergebnis war dann zunächst ein Remis bei Christian Scholz. Vom Partieverlauf her ein gerechtes Ergebnis. (½ : ½). Die erste Schwarzpartie hatten wir damit im Sack!

Kurz danach auch ein Unentschieden am Spitzenbrett. Ich hatte mir dort vielleicht zwar ein bisschen mehr erhofft, aber es ist wie es ist. (1:1). Alexandr war übrigens extra wegen dieser Partie nach Deutschland gekommen.

Zwischenzeitlich spielte Miguoel mit dem Rücken zur Wand. Sein hoher Zeitverbrauch führte nun auch zu erheblichen praktischen Problemen. Er lebte eigentlich nur noch vom Inkrement. Das konnte eigentlich nicht gut gehen.

Sebastian Siebrecht schien ebenfalls vom Pfad der Tugend abgewichen zu sein. Jedenfalls erhöhte sich sowohl der Schwierigkeitsgrad seiner Stellung als auch ein gewisses materielles Ungleichgewicht.

Gleichwohl verblieb in der Gesamtansicht erstmal kein schlechtes Gefühl, denn wir standen in den restlichen Partien recht hoffnungsvoll. Doch was würde davon nach der 1. Zeitkontrolle übrig sein?

Nach längerer Abstinenz war im Übrigen unser Edel-Fan Heidi Saller mit dabei und machte sich als Helferlein sofort wieder unentbehrlich. Eine Tasse Kaffee hier, Getränkeservice dort. Die Gute war schier überall. Ihre eingeforderte Gegenleistung in Form eines Pullis, den Ilja trug, musste ich ihr allerdings trotzdem verwehren.

Kurz vor der Zeitenwende klärte sich die Zeitnot bei Miguoel. Dafür geriet nun Arthur Pijpers in die Bredouille. Er lieferte sich mit Khenkin ein packendes Duell. Dabei verlor er allerdings einen Bauern und klemmte sich auch noch etwas unglücklich seinen Springer ein.

Während dessen fuhr Ilja Zaragatski die Früchte einer schweißtreibenden Arbeit ein. Er hatte sich gegen Jan Timman zwischenzeitlich deutliche Material- und Stellungsvorteile erspielt, die das Idol meiner Jugend nicht mehr egalisieren konnte. Der Holländer verließ dann auch ein wenig missmutig den Spielort. (2:1).

Nach der Zeitkontrolle blieb es spannend. Allerdings sah die Lage bei Sebastian und Arthur nun nicht mehr sonderlich haltbar aus.

Migueols Position blieb ebenfalls schwierig. Er hatte jedoch dann Chancen, falls es ihm gelingen würde, seine Dame aktiver zu stellen.

In gewisser Weise sorgten hier Robby und Sarah Hoolt für einen virtuellen Ausgleich. Insgesamt würde es anscheinend also noch etwas länger dauern.

Während mir Ilja danach in einer freien Partie eine großmeisterliche Lektion zum Thema Figurenüberlastung erteilte, musste Sebastian erwartungsgemäß die Waffen strecken. (2:2). Miguoel erfuhr dann kurz danach das gleiche Schicksal. (2:3).

Das sah jetzt selbst bei noch so positiver Beurteilung der Restpartien fast schon nach einem knappen Sieg für unsere Gäste aus.

Um 16.20 Uhr gab auch Arthur auf. Das Endspiel stand zwar schon länger auf Verlust, aber bekanntlich stirbt die Hoffnung zu Letzt. (2:4).

Meine Hoffnungen ruhten nun insoweit auf Robby und Sarah, denen ich durchaus noch Siegchancen einräumte; allerdings schätzte ich die Remisbreite bei Sarah recht hoch ein.

Einige Zeit später wollte sich Sarah nach einem schnellen Blick auf das Zwischenergebnis schon fast auf dem Weg machen und Remis anbieten. Kurz vor der Ausführung konnte ich die Gute aber gerade noch aufhalten und sie darüber aufklären, dass nicht wir sondern die Gäste in Führung lagen.

Robby schien sich nachfolgend aber ein wenig zu verlaufen. Seine bislang gute Stellung wurde ein wenig transformiert. Zwar hatte er jetzt eine Qualität mehr, doch es war zwischenzeitlich nicht mehr so ganz klar, ob das überhaupt reichen würde.

Auch Sarah stand plötzlich leicht merkwürdig. Bald würde außerdem die Inkrementphase eingeläutet und dann würde sich der Druck noch weiter erhöhen. Ich hoffte, dass das für unsere beiden Youngsters nicht abträglich war.

Kurz vor 17.00 Uhr materialisierten sich dann meine dunklen Ahnungen. Sarah überzog bei ihren Gewinnversuchen die Stellung und musste aufgeben. Eine unverdiente Niederlage! (2:5). Das Remis bei Robby war insoweit dann leider nur noch Makulatur. (2½: 5½).

Nachfolgend nochmals das amtliche Endergebnis:

Brett SF Katernberg - SG Porz 2½ : 5½
1 Fier - van Wely ½ : ½
2 Zaragatski - Timman 1 : 0
3 Siebrecht - Baklan 0 : 1
4 Pijpers - Khenkin 0 : 1
5 Admiraal - Reindermann 0 : 1
6 Kevlishvili - van den Doel ½ : ½
7 Dr. Scholz - Lutz ½ : ½
8 Hoolt - Rotstein 0 : 1

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Meide vor einer Turnierpartie Bacchus, Gambrinus und Venus.

Karl Przygodda

Schachaufgabe

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