65 Jahre Spitzensport

Geschrieben am 25.03.2013 von Bernd Rosen

Willy Rosen vollendet heute sein 80. Lebensjahr

Die Schachwelt feiert Viktor Kortschnoi als sportliches "Evergreen", wir Katernberger haben unseren Willy Rosen, der heute 80 Jahre alt wird und ebenfalls auf ein reichhaltiges Schachleben zurück blicken kann: Bereits 1948 wurde er mit der Essener Jugendauswahl NRW-Meister, ein Jahr später besiegte er in einer Simultanveranstaltung den Exweltmeister Euwe, bewies mit dem Gewinn der Deutschen Jugendmeisterschaft (1951) und dem 7. Platz bei der Jugendweltmeisterschaft (1953) sein herausragendes Talent. Heute zählt er in der Oberliga NRW noch immer zu den Leistungsträgern von SFK II, siegte zuletzt gegen den früheren Nationalspieler Borngässer und den ehemaligen WM-Kandidaten Vlastimil Hort. Dazwischen liegen 65 Jahre Schachsport auf höchstem Niveau:

Die berufliche Tätigkeit als kaufmännischer Angestellter ließ ihm wenig Zeit für Einzelturniere. Als Spitzenspieler für SFK besiegte er in Mannschaftswettbewerben ungezählte Meister, darunter in einer viel beachteten Partie den belgischen Großmeister O' Kelly, der für Solingen spielte und einer der ersten Schachprofis in Deutschland war. Obwohl er sich in den 80er Jahren zwei Mal für die Deutsche Meisterschaft qualifizierte galt seine große Liebe dem Fernschach. Postkarten aus aller Welt mit so aussagekräftigen Texten wie "Ihr Zug: 5254 - Mein Zug: 3735" lagen fast täglich in unserem Briefkasten, schwierige Stellungen wurden gemeinsam mit Freunden, gern auch am Vereinsabend über Stunden und Tage analysiert - selbstverständlich noch ohne Hilfe durch Schachcomputer oder andere elektronische Helferlein, der Schachinformator und Euwes Loseblattsammlung "Das Schacharchiv" aus der Hamburger Schachzentrale Rattmann waren damals die wichtigsten Hilfsmittel des ambitionierten Schachspielers. Der Titel des Internationalen Fernschachmeisters war der verdiente Lohn, zahlreiche Berufungen in die Nationalmannschaft unterstreichen die Ausnahmestellung des Fernschachspielers Willy Rosen.

Das Team Willi Knebel, Bernd und Willy Rosen gewann in den 80er Jahren die "Twinning Chess Competition", ein mehrjähriges Turnier, an dem sich mehr als 50 Städte in Europa beteiligten. Die Züge wurden damals per Telefon oder Fax übermittelt, jeden 2. Tag stand die aktuelle Stellung als Diagramm in der Zeitung und die WAZ-Leser konnten ihre Zugvorschläge machen. Eine tolle Werbung für den Schachsport!

Mit dem Aufkommen der Computer und PC-Programme verlor das Fernschach seine Faszination - zum Glück ermöglichte der Eintritt in den Ruhestand im Jahr 1993 den Start einer neuen Karriere im Seniorenschach. Auf Anhieb wurde Willy Rosen im Jahr 1993 deutscher Seniorenmeister, 2010 folgte auch der Titel des deutschen Nestorenmeisters. In den letzten zwei Jahrzehnten nahm er immer wieder an allen wichtigen Seniorenturnieren teil, erreichte gute Platzierungen bei Seniorenweltmeisterschaften und mit den SFK- und NRW-Senioren bei der Europäischen Mannschaftsmeisterschaft und der Deutschen Meisterschaft der Landesverbände.

Vereinstreue und ehrenamtliches Engagement sind für den Jubilar bis heute selbstverständlich geübte Tugenden: In den 70er Jahren leitete er das SFK-Jugendtraining und führte Johannes Blaskowski, Werner Rottstädt und mich zur Bundesligastärke. Schon kurz nach seinem Eintritt bei den Sportfreunden Katernberg übernahm er die Kassenführung - ein Amt das er bis heute inne hat. Auch beim Essener Schachverband, der ihn für sein sportliches und ehrenamtliches Engagement zum Ehrenmitglied ernannte, verwaltete er über Jahrzehnte die Kasse.

Mit seiner sportlich einwandfreien Haltung und seinem Engagement für "seinen" Schachsport hat er sich in ganz Deutschland Respekt und Ansehen erworben. Seinen Ehrentag verbringt der rüstige Jubilar dort, wor er sich wohlsten fühlt: Noch bis Dienstag spielt er beim Seniorenturnier in Berlin-Spandau, wo ihm sicher zahlreiche Freunde aus ganz Deutschland gratulieren werden.

Willy Rosen hat in den "Schachgeschichte(n)" einige seiner Erinnerungen an das Schachleben in Essen aufgeschrieben, diese sind auch hier auf dieser Seite nachzulesen: Schachgeschichte(n).

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