Igor Eismont deklassiert die Konkurrenz

Geschrieben am 26.06.2005 von Bernd Rosen

12. offene Ruhrgebietsmeisterschaft der Senioren

SpielsaalDie Seniorenmeisterschaft des Ruhrreviers ist traditionell ein Turnier der etwas anderen Art. Sie wird stets in drei Dreitageblöcken in drei aufeinander folgenden Wochen im Frühjahr in zentraler Lagen in Essen durchgeführt. Übernachtungen sind nicht vorgesehen, und so können auch Spieler teilnehmen, die sich die Reise zu einem Urlaubsturnier - aus welchen Gründen auch immer - nicht leisten können/wollen/dürfen. Die günstige verkehrstechnische Lage des Essener Zentrums ermöglicht Spielern aus dem ganzen Ruhrgebiet und sogar der angrenzenden Regionen Niederrhein und Bergisches Land die problemlose Anreise.

Da der Gertrudissaal am Viehofer Platz, die Spielstätte der letzten Jahre, zur Zeit renoviert wird, musste die diesjährige 12. Auflage etwa 800 m nördlich in den Pfarrsaal der Gemeinde St. Peter verlegt werden. Auch hier hatten die 44 Teilnehmer ausreichend Platz und Ruhe, lediglich das Knarren der Dielen auf der Turnierleitungs-Bühne störte gelegentlich die Konzentration.

Da der Gertrudissaal am Viehofer Platz, die Spielstätte der letzten Jahre, zur Zeit renoviert wird, musste die diesjährige 12. Auflage etwa 800 m nördlich in den Pfarrsaal der Gemeinde St. Peter verlegt werden. Auch hier hatten die 44 Teilnehmer ausreichend Platz und Ruhe, lediglich das Knarren der Dielen auf der Turnierleitungs-Bühne störte gelegentlich die Konzentration.

Der Turnierverlauf passte sich dem Organisationsrhythmus an. Die drei Runden der ersten Spielwoche dienten der "Einsortierung" der Spieler in Spitzengruppe, Mittelfeld und "Abstiegszone" (wenngleich es in einem offenen Turnier naturgemäß keinen Abstieg gibt. In Abwesenheit von Eduard Bakhmatov (Sieger 2001, 2002, 2004) und Abram Chasin (Sieger 2003) rechnete sich vor allem die komplett angetretene Meistergarde des letzten Jahrhunderts (Willy Rosen, Horst Szymaniak, Erich Krüger, Friedhelm Dahlhaus) gute Chancen aus. Hinzu kam natürlich Igor Eismont, der allerdings erst einmal mitgespielt hatte und daher - trotz seines Co-Sieges im Jahr 2003 - als "unbeschriebenes Blatt" galt. Am Ende der 1. Woche hatten nur Willy Rosen und Erich Krüger mit je 3 Punkten eine makellos weiße Weste, wobei Krüger davon profitierte, dass Horst Szymaniak in Runde 3 einen Elfmeter gegen ihn ausließ. Ein Verfolgerquartett (Igor Eismont, Falk Müller, Friedhelm Dahlhaus, Eckardt Hübner) lag einen halben Zähler zurück; die zweite Woche verprach, spannend zu werden.

Diese "Woche der Vorentscheidungen" krempelte die Rangfolge kräftig um. Zunächst bezwang Erich Krüger seinen Freund Willy Rosen mit einer fürchterlichen Läufer-Dame-Batterie auf der großen Diagonale a1-h8, um dann eine Runde später ein Endspiel gegen Igor Eismont zu "vergeigen". In der 6. Runde schließlich verlor Willy Rosen, wie schon vor zwei Jahren, mit den weißen Steinen gegen Eismont. Schon 2003 hatte sich Rosen mit der scharfen van-der-Wiel-Variante gegen die Caro-Kann-Verteidigung des Dortmunders eine Niederlage eingehandelt; diesmal ging er viel zu stürmisch auf die schwarze Stellung los und wurde energisch ausgekontert. Damit war Eismont mit drei Partiegewinnen der große Sieger der 2. Turnierwoche, sein Turniersieg war hier schon absehbar.

Zu Beginn der 3. Spielwoche schaltete der Spitzenreiter zunächst mit Dr. Heinz-Dieter Gierse einen weiteren Verfolger aus und ließ sich danach mit zwei Remispartien gegen Helmut Schröer und Manfred Achenbach ins Ziel trudeln, das er mit einem ganzen Zähler Vorsprung erreichte. In der Geschichte dieser Meisterschaft hat selten ein Spieler das Turnier so deutlich beherrscht wie der Dortmunder, der mit Ausnahme von Friedhelm Dahlhaus (der nach einer katastrophalen 2. Woche ins Mittefeld zurück gefallen war und sich erst im Endspurt wieder in die Verfolger einreihte) gegen die gesamte Spitze spielen musste.

Im Schatten der Spitzenkämpfe gab es Überraschendes und Kurioses: So setzte sich Helmut Schröer (Nr. 15 der Startliste) trotz einer Startniederlage später in der Spitzengruppe fest und verpasste als Siebter nur knapp die Preisränge. Herbert Schmitthöfer, als Nr. 27 ins Rennen gegangen, kam als Neunter ins Ziel und belohnte sich nicht nur mit dem 1. Preis in Ratinggruppe 1, sondern auch mit einem Zuwachs von 47 DWZ-Punkten. Übertroffen wurde er nur von Fritz Masuhr, dem Sieger in Ratinggruppe 2, der sich 52 DWZ-Punkte gutschreiben durfte. Erwähnt werden müssen die 50 %, die der inzwischen 88-jährige Kurt Matthias erzielte. Nicht zufrieden waren sicherlich die beiden Spieler, die alle zwölf Meisterschaften mitspielten: Friedhelm Dahlhaus und Josef Mader hatten sich eigentlich mehr vorgenommen, waren aber in der 2. Spielwoche (als sie je 0,5 Punkte aus ihren drei Partien holten) von allen guten Schachgeistern verlassen. Und da gab's noch den Spieler (dessen Namen wir hier verschweigen; es wird ohnehin noch immer wehtun), der nach einem Abtausch im Endspiel in Gewinnstellung aufgab, da er seinen einzugbereiten Freibauern schlichtweg vergessen hatte. Schlecht in Form war offensichtlich auch Turnierleiter Willi Knebel, der, ganz gegen seine Gewohnheit, den Geburtstagskindern Manfred Achenbach, Fritz Masuhr und Bernd Schwagrowski die öffentliche Gratulation verwehrte. Welch ein Glück, dass die fairen Teilnehmer ihm keine schwierigen Entscheidungen abverlangten. Wer weiß, was er sonst noch alles angestellt hätte!

Erstaunliches tat sich am 19. April, dem Spieltag der vorletzten Runde: Soeben hatte sich Eismont durch ein Remis gegen Helmut Schröer vorzeitig den Turniersieg gesichert, als, pünktlich zur beginnenden Zeitnotphase, in der Kirche gleich nebenan sämtliche Glocken zu läuten begannen. Allerdings doch wohl nicht, um - wie ein Spötter bemerkte - den Sieger zu feiern, sondern das wenige Minuten zuvor im fernen Rom verkündete "habemus papam" zu würdigen (wie der Turnierleiter sofort am Glockenton erkannte). Aus Josef Kardinal Ratzinger war soeben Papst Benedikt XVI geworden.

Das Turnier, seit Jahren schon die quantitativ bestbesetzte Einzelmeisterschaft im Ruhrgebiet, wurde, ebenso wie die elf vorangegangenen, von den Gremien des Schachverbandes Ruhrgebiet weitgehend ignoriert. Das hat Linie und ist die konsequente Umsetzung einer Politik, die sich erst kürzlich in der die Senioren und ihre Repräsentanten missachtenden Abstimmung der Mehrheit der Delegierten auf dem Kongress des Schachbundes NRW niederschlug. Nichtsdestotrotz werden wir in Essen auch im nächsten Jahr die 13. Auflage durch eigene Finanzierung sicherzustellen versuchen. Vielleicht winkt uns dafür eines Tages die ehrende Erwähnung wegen permanenter Schonung des Sparbuchs vom Spar Verband Ruhrgebiet.

Igor Eismont
Igor Eismont
Willy Rosen
Willy Rosen
Erich Krüger
Erich Krüger

Willi Knebel

Rangliste nach der 9. Runde

Rang Teilnehmer Verein/Ort Attr G S R V Pu BH
1. Eismont, Igor SF Brackel 30   9 6 3 0 7.5 48.5
2. Krüger, Erich SF Katernberg 1913   9 6 1 2 6.5 47.0
3. Rosen, Willy SF Katernberg 1913   9 6 1 2 6.5 46.0
4. Müller, Falk SC Gerthe 46   9 4 5 0 6.5 46.0
5. Müller, Herbert Post SV Bochum   9 5 3 1 6.5 45.0
6. Dahlhaus, Friedhelm Wacker Bergeborbeck   9 5 2 2 6.0 45.0
7. Schröer, Helmut Wacker Bergeborbeck   9 5 2 2 6.0 43.5
8. Achenbach, Manfred SC Mülheim 08/25   9 4 4 1 6.0 43.0
9. Schmitthöfer, Herber SF Katernberg 1913 1 9 6 0 3 6.0 36.0
10. Gierse, Dr. Heinz-Di SV Bottrop 21   9 4 3 2 5.5 44.0
11. Mazurkiewicz, Kasimi OSC Rheinhausen   9 5 1 3 5.5 43.0
12. Hübner, Eckardt SV Welper 22   9 2 7 0 5.5 42.5
13. Vossen, Leo SF Erkelenz 1 9 4 3 2 5.5 34.5
14. Bischof, Rainer SV Erkenschwick 1 9 4 2 3 5.0 45.0
15. Bryjak, Hans-Günter SV Dortmund 1875   9 3 4 2 5.0 45.0
16. Philipp, Günther WD Wedau-Bissingheim 1 9 4 2 3 5.0 39.0
17. Skara, Milenko SC Gerthe 46   9 4 2 3 5.0 37.5
18. Hardt, Helmut SG Mengede 22 1 9 5 0 4 5.0 37.0
18. Masuhr, Fritz SV Linden 22 2 9 5 0 4 5.0 37.0
20. Grabowski, Johann Post-Telekom-SV D'd 1 9 4 2 3 5.0 37.0
21. Fiedler, Eduard Rochade Steele/Kray 1 9 3 4 2 5.0 33.5
22. Szymaniak, Horst Velberter SG   9 4 1 4 4.5 42.0
23. Matthias, Kurt TSV Hagen 1860 2 9 4 1 4 4.5 38.5
24. Kotzem, Ernst SV Hattingen   9 2 4 3 4.0 44.0
25. Kohlschmidt, Christo SF Katernberg 1913 1 9 4 0 5 4.0 41.0
26. Riek, Wolfgang SC Mülheim 08/25 1 9 4 0 5 4.0 39.0
27. Der, Josef DSK Düsseldorf 1 9 4 0 5 4.0 38.0
28. Liszka, Günter SF Katernberg 1913 1 9 3 2 4 4.0 38.0
29. Schmidt, Peter SF Katernberg 1913 2 9 3 2 4 4.0 37.5
30. Hait, Simon Rochade Steele/Kray 2 9 3 2 4 4.0 35.0
31. Daebel, Dr. Hasso Sgm Drewer 54 2 9 4 0 5 4.0 28.5
32. Mietner, Franz ESV Großenbaum 1 9 3 1 5 3.5 38.0
33. Noori, Mir Ahmat SV Dortmund 1875 2 9 2 3 4 3.5 36.0
34. Görtz, Hans Wacker Bergeborbeck 1 9 2 3 4 3.5 31.0
35. Burnat, Horst Oberbilker SV 60 2 9 3 0 6 3.0 35.0
36. Sudhop, Horst ohne Verein   9 2 2 5 3.0 34.0
37. Rother, Josef SF Überruhr 1 9 2 2 5 3.0 32.0
38. Thiemann, Johannes SV Bottrop 21 2 9 3 0 6 3.0 31.0
39. Maletzki, Heinz RW Altenessen 2 9 3 0 6 3.0 30.0
40. Hock, Dieter RW Altenessen 2 9 2 2 5 3.0 30.0
41. Mader, Josef SF Katernberg 1913 2 9 1 4 4 3.0 25.5
42. Streier, Wilhelm SV Wattenscheid 30 2 9 1 3 5 2.5 28.0
43. Schwagrowski, Bernd ESV Großenbaum 2 9 0 4 5 2.0 26.5
44. Weddeling, Dr. Franz Kettwiger SG 48 2 8 1 1 6 1.5 26.0

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Ich glaube nicht, dass irgendjemand durch das Schach spielen schon dümmer geworden ist.

Dr. Richard von Weizsäcker

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