10 Jahre Gedenken an Willi Knebel

Geschrieben am 05.03.2017 von Bernd Rosen

Am 20. März beginnt das 10. Willi-Knebel-Gedenkturnier, welches gleichzeitig die Offene Ruhrgebietsmeisterschaft der Senioren ist. Wie so viele gute Ideen stammt auch diese Idee der inzwischen zum 24. Male ausgetragenen Seniorenmeisterschaft von Willi-Knebel. Seit seinem viel zu frühem Tod im Jahr 2007 firmiert die Meisterschaft als Willi-Knebel-Gedenkturnier

Wir nehmen den 10. Todestag am 29. Juli 2017 und das zum 10. Mal anstehende Willi-Knebel-Gedenkturnier zum Anlass, seine Persönlichkeit und vielfältigen Verdienste für den Schachsport und unseren Verein durch Neuveröffentlichung des auf der Katernberger Homepage im Jahr 2007 erschienenen Nachrufs zu würdigen.

In Memoriam

Geschrieben am 07.08.2007 von Bernd Rosen

Willi Knebel ist tot. Am 29.07.2007 verstarb er an den Folgen einer schweren Krankheit. Während seiner mehr als 50-jährigen Mitgliedschaft war er für unseren Verein als Vorsitzender, Spielleiter, Pressewart und Mannschaftsführer erfolgreich tätig - eine beeindruckende Aufzählung, die seine Bedeutung als Motor, Impulsgeber und Organisator dennoch nur unzureichend wiedergibt.

Die (Schach)Welt ist voll von "Visionären", deren kühne Ideen das Stadium der Umsetzung nie erreichen, auf der einen Seite - und von detailgenauen Paragraphenreitern auf der anderen Seite, die sich schwer tun, einen eigenständigen Gedanken zu entwickeln. Willi besaß die seltene Gabe, beide Talente zu vereinen. Er sprudelte vor Ideen, besaß riesiges organisatorisches Geschick und war sich nie zu schade, auch bei der praktischen Arbeit mit anzupacken. Als die Essener Spitzenspieler Willy Rosen und Werner Nautsch im Jahre 1967 nach Katernberg wechselten (nicht zuletzt seiner exzellenten organisatorischen Arbeit wegen), träumte er schon kurz darauf im "Katernberger Schachspiegel" vom Aufstieg in die Bundesliga - diese Vereinszeitung ging natürlich auch auf eine seiner Initiativen zurück. Als Katernberg dann Mitte der 70er Jahre tatsächlich die höchste Spielklasse erreicht hatte, trug er als Mannschaftsführer einen Löwenanteil an diesem Erfolg. Zu einer Zeit ohne PCs, ChessBase, Fritz & Co. versorgte er "seine Mannen" mit Partien der Konkurrenz, indem er die Schachpresse sichtete und die -seltenen- Partieveröffentlichungen akribisch sammelte. Auch am neuerlichen Aufstieg in den 90ern war er wiederum als Mannschaftsführer maßgeblich beteiligt.

Wo immer in den letzten Jahrzehnten herausragende schachliche Ereignisse in Essen stattfanden war Willi Knebel maßgeblich bei der Organisation beteiligt: Schon in den 60ern holte er Robert Hübner und Raymond Keene zu den "Katernberger Schachtagen", in den 80er Jahren wurde die von ihm angeführte Essener Stadtauswahl bei der "Twinning Chess Competition" inoffizieller Europameister, 1994 holte er den amtierenden Vizeweltmeister Jan Timman zu einem Schaukampf nach Essen, bei den Julian Borowski Großmeisterturnieren amtierte er als Schiedsrichter, und auch die erfolgreiche Durchführung der Deutschen Seniorenmeisterschaft 2005 im Blumenhof in der Essener Gruga geht zu einem großen Teil auf sein Konto.

Auch der Internationale Schiedsrichter Willi Knebel genoss hohes Ansehen als profunder Kenner der Schachregeln. Er leitete zahllose Bundesligakämpfe und internationale Turniere. Seine Regelseite auf der SFK-Homepage findet bis heute große Beachtung.

Ungeachtet dieses großen Aufgabenkreises: Willis Herzensangelegenheit war das Schreiben über Schach. Der langjährige Pressewart des Essener Schachverbandes zeichnete nicht nur für die Schachberichterstattung in der Essener Lokalpresse verantwortlich, sondern betreute auch die wöchentlichen Schachecken von WAZ und NRZ und erwies sich dabei als schachlich kompetenter, belesener und umfassend gebildeter Kommentator, der es verstand, auch und gerade dem nichtorganisierten Schachfreund mit pointierten Formulierungen die Feinheiten und die Schönheit des königlichen Spiels zu vermitteln.

Über all dem blieb Willi Knebel auch ein sehr aktiver Schachspieler, der im Fernschach den Titel des Internationalen Meisters errang. Eine im Jahre 2005 gespielte Fernpartie, in der er eine scharfe Variante der spanischen Partie durch ein spektakuläres Opfer rehabilitierte, wurde vom Schachinformator in die Liste der wichtigsten theoretischen Neuerungen aufgenommen. Besonders viele Punkte erhielt seine Partie von Anand, was Willi zu dem augenzwinkernden Kommentar veranlasste: "Daran kann man erkennen, dass der Mann wirklich was vom Schach versteht!" - eine für ihn absolut typische Bemerkung ...

Der Essener Schachverband ernannte seinen langjährigen Vorsitzenden und Pressewart zum Ehrenmitglied, der Schachbund NRW, bei dem er die Ämter des Referenten für Öffentlichkeitsarbeit und des Seniorenbeauftragten bekleidete, zeichnete ihn mit der Ehrennadel aus, und auch der Deutsche Schachbund, bei dem er nie ein offizielles Amt inne hatte, verlieh ihm in diesem Jahr den Ehrenteller des DSB.

Ich persönlich werde am meisten Willis Begeisterung vermissen - und seine Fähigkeit, andere (auch mich!) mit dieser Begeisterung anzustecken. Nie wieder wird er mit einem vorsichtigen "Bernd, könntest Du Dir vorstellen ..." oder einem direkten "Bernd - ich habe ein Attentat auf Dich vor!" beginnen, mich in ein neues Schachunternehmen mit hineinzuziehen. Nie wieder meinen Anrufbeantworter bis zum Anschlag besprechen, weil die Aufzeichnungsdauer nicht ausreicht, um alle wichtigen und unwichtigen Einzelheiten loszuwerden, die er unbedingt noch mitteilen will ...

Eine jüdische Erzählung handelt von Rabbi Sussja, der vor seinem Ende sprach: In der kommenden Welt werde ich nicht gefragt werden: "Warum bist du nicht Moses gewesen?". Die Frage wird lauten: "Warum bist du nicht Sussja gewesen?". Willi bleibt mir in Erinnerung als Einer, der in diesem Sinne immer er selbst geblieben ist, sich mit großer Energie für das Schach eingesetzt und dabei nicht nur vieles, sondern in seiner persönlichen Art auch viele bewegt und angerührt hat.

Bernd Rosen

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Franz Grillparzer

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