Klare Siege in Leipzig

Geschrieben am 16.11.2005 von Bernd Rosen

Bundesliga 2005/2006, 2. Doppelrunde

Martin SenffIn der sächsischen Metropole Leipzig gelang den Sportfreunden Katernberg ihr bisher höchsten Sieg in der Schach-Bundesliga. Das 7:1 über den sich tapfer wehrenden Gastgeber SC Leipzig-Gohlis bringt SFK in die Spitzengruppe der Liga, während der Aufsteiger aus Leipzig wohl auf dem Weg zurück in die zweite Liga ist.

Den Punktereigen eröffnete IM Martin Senff, der die sizilianische Verteidigung mit dem scharfen Keres-Angriff bekämpfte und schon in der Eröffnung am Königsflügel große Verwicklungen heraufbeschwor. Nachdem die gegnerische Dame am Brettrand ins Abseits geraten war, opferte er zunächst die Qualität und beendete die Partie nach einer Unachtsamkeit seines Kontrahenten mit einem krachenden Damenopfer, das die sofortige Kapitulation erzwang. Es folgte der erste Sieg im SFK-Team für GM Sergey Erenburg, der am Spitzenbrett GM Lothar Vogt, den früheren DDR-Meister, im Endspiel mit einem durchschlagenden Qualitätsopfer bezwang. Den nächsten Sieg landete GM Sergey Smagin. Der Moskauer, der in Katernberg inzwischen Kultstatus genießt, kam mit seiner skandinavischen Verteidigung im späten Mittelspiel zu zwei spielentscheidenden Bauerngewinnen am gegnerischen Königsflügel. Das 4:0 besorgte wenig später GM Leonid Kritz, der seine Attacken mit einem siegreichen Angriff auf der gegnerischen Grundlinie abschloss.

DSebastianen Siegpunkt holte IM Sebastian Siebrecht. In einer wilden und beiderseits mit Siegeswillen geführten Partie hatte der Katernberger frühzeitig einen Schwachpunkt am Königsflügel, dem der wichtige h-Bauer abhanden gekommen war. Siebrecht attackierte am Damenflügel, schien aber, zumal in großer Zeitnot, in Verluststellung zu geraten. Ein Turmangriff auf Siebrechts Dame brachte die Wende: Siebrecht opferte kurzerhand seine stärkste Figur und brachte den gegnerischen König mit den Türmen in Bedrängnis. Als sich sein c-Bauer unaufhaltsam der gegnerischen Grundlinie näherte (um sich in eine neue Dame zu verwandeln), warf der Leipziger das Handtuch. Eine große, wenn auch nicht fehlerfreie Kampfpartie! Wenig später beendete auch GM Igor Glek sein unauffällig, aber stets druckvoll geführtes Spiel mit einem Sieg. In der Zwischenzeit hatte IM Georgios Souleidis mutig eine Figur "ins Geschäft gesteckt", um seinem a-Bauern freie Bahn zu verschaffen. Dank der umsichtig geführten Verteidigung war die Partie lange in der Schwebe, doch am Ende setzte sich der Siegeswille des Katernberger Griechen, der mit einem Turm in die gegnerische Stellung eindringen konnte, durch. Für den Ehrenpunkt der Leipziger sorgte IM Christian Scholz, der nach einem Bauernverlust in Zeitnot das Endspiel nicht halten konnte und verlor.

Auch das zweite Bundesliga-Punktspiel endete für die Schachspieler der Sportfreunde Katernberg siegreich. Beim 5,5:2,5 Erfolg über den SK Zehlendorf verloren die Katernberger keine Partie; das deutliche Ergebnis täuscht jedoch über den erbitterten Widerstand hinweg, den die Berliner leisteten.

ISergey ErenburgM Martin Senff remisierte schnell und sicher schon nach Beendigung der Eröffnungsphase, da die Stellung wenig Anreize für ein Spiel um mehr als den halben Punkt bot. Wenig Mühe mit seinem Gegner hatte diesmal IM Sebastian Siebrecht. Beim "Spiel auf ein Tor" kombinierte er Abzugs- und Fesselungsmotive und zerstörte den schützenden Bauernwall vor dem gegnerischen König. Nach einem Qualitätsopfer stand sein Berliner Gegner vor unlösbaren Problemen und überschritt in hoffnungsloser Situation die Zeit. GM Leonid Kritz lehnte in seiner sizilianischen Partie zunächst ein Remisangebot ab, musste im Endspiel jedoch Dauerschach zulassen. Es wird noch zu analysieren sein, ob die Fans mit ihrer Einschätzung richtig lagen, Kritz habe Gewinnchancen gehabt. Am Spitzenbrett überzeugte GM Sergey Erenburg erneut. In einem schwierigen Turmendspiel setzte sich am Ende ein vom König unterstützter Freibauer durch.

Mit phantasievollem Angriffsschach schien auch GM Igor Glek auf der Siegerstraße zu sein. Nach einem Qualitätsopfer öffnete sich die Stellung vor dem gegnerischen König, und der Gewinn schien nur noch eine Frage der Zeit zu sein, zumal seinem Kontrahenten auch die Zeit weglief. Letztlich blieb Glek jedoch nur die Dame für zwei Türme, die auf die 7. Reihe vorzurücken drohten und so den Remisschluss erzwangen.

IGeorgios SouleidisM Georgios Souleidis hatte eine Variante gewählt, die er sonst nie spielt und so sein Gegenüber auf ihm unbekanntes Terrain gelockt. Nach taktischen Scharmützeln verlor der Berliner in Zeitnot einen wichtigen Bauern und gab auf, da kaum noch sinnvolle Verteidigungszüge möglich waren. Es folgte ein schwer erkämpftes Remis von IM Christian Scholz, der erst auf der Rückfahrt nach Essen im Zug entdeckte, dass er und sein Gegner Harald Lieb eine Gewinnfortsetzung für den Berliner Altmeister übersehen hatten. Den Schlusspunkt setzt GM Sergey Smagin, der ein etwas schwächer stehendes Endspiel mit großmeisterlicher Technik remis hielt.

Willi Knebel

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Ich liebe das Schachspiel deshalb, weil es eine gute Erholung darstellt und zwingt, mit dem Kopf zu arbeiten, aber irgendwie sehr eigentümlich.

Leo Tolstoi

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