Kür verpatzt - SFK verliert in Runde 4

Geschrieben am 04.01.2004 von Bernd Rosen

Kreuzberg - SFK 5:3

Georgios SouleidisDer Plan der SFK-Schachspieler, sich nach dem samstäglichen Erfolg über SF Berlin-Neukölln am Sonntag mit einem Sieg über den SC Kreuzberg im oberen Tabellendrittel der Bundesliga festzusetzen, ging nicht auf: Die starken Berliner setzten sich mit 5:3 durch und fügten dabei dem bislang so erfolgreichen SFK-Großmeistertrio (bisher 7,5:4,5) an den vorderen Brettern eine empfindliche 3:0 Niederlage bei.

 Der Wettkampf begann mit einem Eklat. Nach acht gespielten Zügen klingelte das Handy von IM Stefan Löffler , dem Kreuzberger Spieler am achten Brett. Den Schiedsrichtern blieb trotz heftiger Proteste nichts anderes übrig, als IM Georgios Souleidis (Foto rechts) ohne weiteren Kampf zum Sieger zu erklären. Erst vor drei Wochen hatte der Weltschachbund FIDE auf seinem diesjährigen Kongress diese drastische Regelverschärfung mit sofortiger Wirkung eingeführt, um der ausufernden "Klingelseuche" Herr zu werden.
Achtung - lesen Sie hierzu auch die Anmerkung am Schluß des Berichts

IM Martin Senff Wer geglaubt hatte, die frühe Führung würde den SFK-Spielern Sicherheit geben, sah sich getäuscht. Zwar kam IM Martin Senff (Foto links) gegen GM Raj Tischbierek, den Chefredakteur der bekannten Zeitschrift SCHACH, zu einem ungefährdeten Remis, doch in der Zeitnotphase schlug der lange Zeit völlig offene Kampf um. GM Vladimir Chuchelov fiel einem mit Qualitätsopfer vorgetragenen Königsangriff von GM Liviu-Dieter Nisipeanu zum Opfer, und GM Igor Glek hatte keine Zeit mehr, seine herausgespielten Chancen gegen GM Jens-Uwe Maiwald zu nutzen. Die letzten 20 Sekunden auf seiner Schachuhr ließ er resignierend ablaufen, da er keine Möglichkeit mehr sah, die restlichen Pflichtzüge zu schaffen. Glek, einer der mutigsten Angriffsspieler auf dem Erdball, wird weiterhin seiner Zeitnotprobleme nicht Herr und bringt so das Team (und sich selbst!!) oft um die Früchte seiner Kunst.

Diesmal erwischte es auch GM Andrei Volokitin. Der 17-jährige Ukrainer, der am Spitzenbrett drei Tage lang eine wahre Herkulesarbeit zu bewältigen hatte, hatte sich gegen den ungarischen Olympiateilnehmer GM Zoltan Almasi zunächst Stellungsvorteile erspielt, fasste dann aber den falschen Plan. Anstatt sich in schon ausgeglichener Stellung mit einem möglichen Dauerschach mit dem Spatz in der Hand zu begnügen, suchte der ehrgeizige Jugendliche nach dem nicht mehr vorhandenen Gewinn. In der folgenden Zeitnotschlacht schaffte er zwar die Zeitkontrolle, kapitulierte dann aber, nachdem er etwa fünf Minuten lang kopfschüttelnd seinen "Trümmerhaufen" inspiziert hatte.

Die erste Niederlage Volokitins im SFK-Dress!Christian Scholz Kurz darauf remisierte IM Sebastian Siebrecht seine schwierige Partie gegen GM Ralf Lau, während der an diesem Wochenende überragende Christian Scholz (Foto links - 2,5:0,5) das Damenendspiel gegen GM Drazen Muse sicher gewann. IM Matthias Thesing musste sich am Ende seinem Gegner GM Sergey Kalinitschev ebenfalls zum Sieg gratulieren, nachdem dieser seinen zunächst kleinen Endspielvorteil mit feinem Spiel immer weiter ausgebaut hatte.

Willi Knebel und Bernd Rosen

Anmerkung:

Stefan Löffler legt Wert auf die Feststellung, dass sein Handy nicht geklingelt, sondern nur "gesummt" habe. Er hat mich gebeten, eine entsprechende "Korrektur" im Bericht über das Spiel SFK-Kreuzberg vorzunehmen. Ich habe mich dafür entschieden, das in Form dieser Anmerkung zu tun. Stefan Löffler hat übrigens in der Ausgabe 04/2003 der Zeitschrift KARL - Das kulturelle Schachmagazin einen zweiseitigen lesenswerten Artikel über seine Sicht des Vorfalls unter der Überschrift "Was macht eigentlich mein Handy?" verfasst, den ich allerdings hier nicht bewerten will.

Nur soviel: Die FIDE- hat - wie mir ein Mitglied der FIDE-Regelkommission inzwischen bestätigte - eindeutig entschieden, dass "Aktivitäten" eines eingeschaltenen Handys den Tatbestand einer Störung gem. Artikel 12.5 der FIDE-Regeln erfüllen. Danach liegt eine Störung vor, wenn sich ein Spieler gestört fühlt und/oder ein Schiedsrichter den Tatbestand feststellt. Der Schiedsrichter hat keine andere Wahl, als die für diese Störung vorgesehene Sanktion auszusprechen.

Ich verweise in diesem Zusammenhang auf die in den nächsten Tagen auf der Regelseite erscheinende Regelfrage Nr. 10 und die hierdurch (hoffentlich) entstehende Diskussion.

Zurück

Jeder Mensch macht Fehler. Die Kunst besteht darin, sie dann zu machen, wenn keiner zuschaut.

Peter Ustinov

Schachaufgabe

<<  <  >  >>
-