Kurfürstlich

Geschrieben am 06.04.2022 von Jan Dette

SFK 2 gewinnt 4,5 - 3,5 gegen GSK

Der letzte Sonntag war nichts für schwache Nerven. Morgens um kurz nach 8 Uhr erhielt ich die Nachricht, dass ein Spieler kurzfristig ausfällt. „Woher jetzt noch Ersatz bekommen? Wer geht um diese Uhrzeit an sein Telefon?“ Nach einigen erfolglosen Telefonaten erklärte sich Max bereit zu spielen, obwohl er ursprünglich abgesagt hatte. Was ein Glück! Also ging es zu neunt nach Bad Godesberg. Zu neunt? Axel hatte sich 2021 im Rahmen des Betriebsschachs in Bonn eine Medaille verdient. Diese konnte er nun nach langer Zeit persönlich entgegen nehmen. Nach kurzer Siegerehrung sowie der üblichen Ansprache des Schiedsrichters ging der Kampf los.

Godesberg war ersatzgeschwächt, da einige Spieler an der Europameisterschaft teilnahmen. Trotzdem hatten sie an den Brettern 1-7 gut 50-100 DWZ-Punkte mehr als wir. Einzig Rainer hatte es mit einem vermeintlich schwächeren Gegner zu tun. Die erste Partie ging nach gut zwei Stunden zu Ende. Ich hatte gegen Caro-Kann eine Nebenvariante gewählt, gegen welche mein Gegner das ungewöhnliche Manöver Lf8-b4-d2 verbunden mit Da5 wählte, um meinen Lc1 abzutauschen. Nach weiteren Figurentäuschen einigten wir uns schließlich auf Remis. Nach dem morgendlichen Trubel war ich mit dem Ergebnis zufrieden.

Zu dem Zeitpunkt war an den anderen Brettern vieles noch relativ offen. Doch die Stellungen von Bernd, Max und Rainer sahen hoffnungsvoll aus. Waren hier drei volle Punkte möglich? Benjamin hingegen musste in einem sehr unangenehmen Endspiel um das Remis kämpfen. Auch Nikita hatte eine schwierige Stellung. An den ersten zwei Brettern sah es aber wiederum gut für uns aus. Insgesamt standen die Zeichen auf einen knappen Sieg, aber dafür mussten die guten Stellungen erst einmal gewonnen werden.

Den Anfang dafür machte Max. In einem offenen Najdorf-Sizilianer hebelte er sehr früh das schwarze Zentrum mittels f4 an. Sein Gegner reagierte nicht angemessen darauf, sodass Max zunächst einen Bauern sowie die aktivere Stellung gewann. Mit einer kleinen Taktik riss er dann den gegnerischen Königsflügel auf und der schwarze König fand vor den weißen Schwerfiguren keine Zuflucht mehr. Sieg für Max!

Unterdessen spielte Martin an Brett 2 remis. Er hatte mit Schwarz in bekannter Manier seine Bauern am Damenflügel zum Angriff nach vorne gerückt. Nach einigen weiteren Zügen hatte er dann eine Qualität mehr, aber einen verwundbaren König in der Mitte. Das Remis geht also in Ordnung. Ebenfalls mit Schwarz hatte Bernd inzwischen eine überlegene Stellung erreicht. Gegen Bernds Französisch lebte sein Gegner schon ab Zug 20 in komplizierter Stellung nur noch vom Inkrement. Das konnte ja nicht gut gehen! Bernd blieb locker und wandelte seinen Zeitvorteil ruhig in einen großen Materialvorteil um, was seinen Gegner zur Aufgabe bewegte.

3-1 Zwischenstand, soweit also alles nach Plan. Jedoch wirkte Nikitas Stellung inzwischen hoffnungslos. Er versuchte zwar noch Tricks zu finden, doch sein Gegner ließ sich dadurch nicht beirren, sodass hier die Niederlage feststand. Auch bei Benjamin wurde es nicht besser. Sein Läuferpaar war in der sehr geschlossen Stellung dem gegnerischen Springer + Läufer unterlegen und sein König konnte nicht alle Einbruchsfelder gleichzeitig verteidigen.

Die beste Stellung hatte zu dem Zeitpunkt Rainer. In der Noteboom-Variante der halbslawischen Verteidigung war er froh, mal einen Gegner vor sich zu haben, der die ersten Züge der Variante mitblitzte. Nach zügiger Eröffnung wurde also eine Stellung erreicht, in der Weiß das Zentrum überlassen wurde und Schwarz im Gegenzug zwei gefährliche Bauern am Damenflügel erhielt. Tatsächlich erreichten beide Spieler ein Endspiel, in welchem es darum ging, welche Bauern denn nun schneller die ersehnte Grundreihe erreichen. Zum Glück stellten sich Rainers Bauern als gefährlicher heraus. Als die Zeitkontrolle erreicht war, gab sein Gegner in Anbetracht der schwarzen Übermacht auf.

4-3: Das Spitzenbrett musste den Kampf entscheiden. Hier hatte Volker gegen Grünfeld eine komplizierte, aber auf den ersten Blick angenehmere Stellung erreicht. Nach weiteren Abtäuschen entstand ein Endspiel, dass Volker nicht mehr verlieren konnte. Da aber auch keine sicheren Gewinnversuche für ihn ersichtlich waren, einigte er sich mit seinem Gegner auf Remis und besiegelte so den Mannschaftssieg.

Mit dem Sieg holt SFK 2 zwei wichtige Punkte im Abstiegskampf. Gespielt wurde übrigens im Trinkpavillon der Kurfürstenquelle (daher die Überschrift). Die nächste Runde ist schon am 10.04. erneut auswärts in Krefeld.

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Die Kunst, eine Kombination zu finden, ist zu einem so hohen Grad Bestandteil guten Spiels, wie die Kenntnis der Eröffnungen oder wie die Kunst der Endspielführung.

Rudolf Spielmann

Schachaufgabe

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