Lokalderby WDB - SFK 4:4

Geschrieben am 19.12.2002 von Bernd Rosen

Nur GM Igor Glek (SFK) und Jereon Willemze (WDB) siegen!

GM Igor GlekKeinen Sieger gab es beim Essener-Lokalderby in der 2. Schach-Bundesliga zwischen Weiße Dame Borbeck und Sportfreunde Katernberg. Das nicht in allen Partien ausgekämpfte 4:4 bringt beide Teams nicht weiter: Für SFK hat sich der Abstand zur Spitze auf drei Punkte erhöht, WDB hat weiterhin Kontakt zur Abstiegszone.

Der mit Spannung erwartete Sprestigekampf begann mit drei farblosen Punkteteilungen in den Partien Mark van Schaardenburg - FM Falko Meyer, Rafael Fridman - IM Martin Senff und IM Francesco de Gleria - IM Dirk Hennig (WDB stets zuerst genannt). Schiedsrichter Klaus Deventer (Düsseldorf) fragte irritiert "Sind denn die Spieler heute schon weihnachtlich gestimmt?"

Danach allerdings war "Schluss mit lustig". Am 2. Brett stemmte sich IM Thomas Henrichs (WDB) in einer Benoni-Partie gegen den mit einem chancenreichen Bauernopfer inszenierten Angriff von GM Igor Glek (Foto) und verbrauchte für die Verteidigung extrem viel Zeit. Als Glek mit einem unannehmbaren Springer-Scheinopfer verschärfte, schien der Sieg für den Katernberger greifbar nahe, zumal er noch eine Zeitreserve von sieben Minuten hatte, während Henrichs gerade einmal über zwei Minuten Restzeit verfügte. Zeitnotspezialist Glek brachte es jedoch fertig, den Zeitvorsprung komplett zu verspielen. Für die drei letzten Züge vor der Zeitkontrolle zeigte die Uhr eine einzige Sekunde an; er schaffte es aber tatsächlich, diese Züge, teilweise beidhändig, in Nullzeit zu absolvieren (Schiedsrichter Deventer war dabei durchaus großzügig) und zwang den Borbecker zur nicht mehr erwarteten Aufgabe. Eine Partie von nicht überbietbarer Dramatik und Riesenglück für SFK!

Es folgte ein Remis zwischen IM Ruud Jansen und IM Matthias Thesing (SFK). Der Katernberger hatte sich im Mittelspiel bei dem Versuch, einen Bauern zu gewinnen, eine Felderschwäche im Zentrum "eingefangen" und musste danach alle Kunst aufbieten, das Figurenspiel des Borbecker Holländers zu neutralisieren. Fast zeitgleich endete die Partie am Spitzenbrett zwischen GM Daniel Fridman (WDB) und GM Sergey Smagin remis. Der Katernberger Moskowite hatte einen vielversprechenden Königsangriff inszeniert, fand aber in Zeitnot nicht den richtigen Weg und musste den Ausgleich zulassen. Es folgte ein weiteres Remis zwischen Gregor Mainka (WDB) und IM Sebastian Siebrecht. Wie sich in einer Analyse nach Beendigung der Partie zeigte, hatte Siebrecht ein unabwendbares Matt ausgelassen. Beim Stand von 3:4 musste Jeroen Willemze (WDB) den Mehrbauern im Endspiel gegen Christian Scholz unbedingt zum Sieg verwerten, um seinem Team wenigstens einen Punkt zu retten. Rund zweieinhalb Stunden kämpften die Kontrahenten allein, während alle anderen Spieler im Analyseraum bereits ihre Wunden leckten. Zwei Minuten vor Ablauf der maximalen Spielzeit von sieben Stunden hatte der Borbecker sein Ziel erreicht. In einem Turmendspiel, in dem Beide ihre Chancen hatten und auch vergaben, setzte sich am Ende sein Freibauer durch.

Trotz aller Rivalität war das Klima angenehm: Am Ende bot WDB-Coach Siggi Kipper kostenlos Christstollen feil. (Anmerkung: Vom angenehmen Klima ausnehmen muss man allerdings die räumlichen Gegebenheiten, die weder für die Spieler noch für die Zuschauer optimale Voraussetzungen boten! - B.Rosen)

Willi Knebel

Alle Einzelergebnisse finden Sie auch in dieser Saison wieder auf der Seite des Deutschen Schachbundes unter www.schachbund.de/SchachBL/2blw00e.htm.

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