Qualifikation verpasst

Geschrieben am 22.05.2017 von Volker Gassmann

Jugendbundesliga: SFK verliert gegen Bochum

Einen letzlich doch enttäuschenden Abschluss nahm die Jugendbundesliga mit einer 2:4 Niederlage im 7. und letzten Spiel gegen Tabellenführer Bochum. Dabei hatte die Mannschaft nach dem Sieg gegen Solingen in der 5. Runde noch auf Platz 3 gelegen, der die Qualifikation für die DMM bedeutet hätte. Doch bereits nach der Niederlage gegen Schalksmühle in der 6. Runde mussten wir den Tabellenführer schlagen und auf einen Sieg von Porz gegen Lippstadt hoffen.

Beide Mannschaften traten in Stammbesetzung an, wodurch Bochum mit einem DWZ-Plus von durchschnittlich gut 100 Punkten favorisiert war. Der Kampf begann jedoch vielversprechend: nach ca. 1 Stunde brachte Patrick an Brett 1 ein chancenreiches Bauernopfer. Auch Timo schien eine vielversprechende Stellung zu haben nachdem sein Gegner eine Benoni-Struktur mit dc5: vermieden und viele Tempi aufgewendet hatte, um die Rückeroberung des Bauern c5 zu erschweren. Aber Weiß kann sich natürlich viel erlauben. Lukas wiederum hatte an Brett 3 eine positionell sehr gute Stellung. An den hinteren Brettern standen unsere Schwarzspieler Nikita in einer Tschigorin-Verteidigung und Noel gegen Katalanisch passiv; immerhin hatte Noel den typischen Mehrbauern. Beide konnten die Stellung trotz einiger Ungenauigkeiten zusammenhalten, verbrauchten aber sehr viel Zeit. Tim spielte vermutlich etwas zu ehrgeizig und sorglos an beiden Flügeln und der Gegner besetzte bald die einzige offene Linie. Zum Glück standen die schwarzen Leichtfiguren wirkungslos und weitgehender Schwerfigurentausch auf der a-Linie war nicht zu vermeiden, so dass Tim m.E. keine echten Probleme hatte.

Leider kam zunächst Lukas und dann Timo vom Pfad der Tugend ab: Lukas spielte h4 und Ld2, anstatt den schwachen Bauern e4 konsequent anzugreifen oder zumindest mit f3 abzutauschen. Durch h4 wurde natürlich auch f3 zweischneidig, so dass die Stellung sehr unklar wurde. Timo war vermutlich zu ehrgeizig; mir gefiel insbesondere das Zurückschlagen b7xa6 nicht, nachdem Weiß mit Lxa6 den Springer geschlagen hatte, der c5 zurückerobern wollte. A5 und a6 waren nun ähnlich schwach wie die weißen Bauern, zumal die schwarzen Figuren nicht optimal zur Kontrolle der weißfeldrigen Schwächen bei Weiß postiert waren. Patrick stand vor dem Problem, aus zahlreichen vielversprechenden Angriffsfortsetzungen die beste auszuwählen. Nach ca. 2 Stunden gewann Timo dann den Bauern c5 zurück, hatte aber m.E. seine Chancen auf Vorteil bereits verspielt.

Obgleich Patrick vermutlich einen vielversprechenden Qualitätsgewinn mit Übergang ins Endspiel verpasste, behielt er die Stellung vollkommen im Griff und sein Gegner, der sich kaum bewegen konnte verbrauchte mehr und mehr Zeit.

Zunächst machte Lukas Remis, dann Patrick, dem die Stellung nach dem thematischen Abtausch seiner beiden Türme gegen Dame + Bauer nicht ganz klar war und dann Tim. Obgleich bei Patrick objektiv ein Spiel auf ein Tor stattfand, waren diese drei Remis stellungsgemäß insgesamt akzeptabel, führten jedoch auch dazu, dass die Entscheidung an den hinteren Brettern mit knapper Bedenkzeit und besonders hohen DWZ-Unterschieden fallen würde. Nikita stand vermutlich immer noch kritisch, hatte jedoch eine taktisch sehr komplizierte Stellung mit entgegengesetzten Rochaden. Noel hatte sich zur Unzeit zum Befreiungsvorstoß c5 entschlossen (nicht verbundene Türme) nachdem er eigentlich mit dem zweifelhaften Ld6 e5 vorbereitet hatte. Nun stand seine Dame aber sehr gefährdet. Bei Timo rechnete ich dagegen nach wie vor mit einem Remis, obwohl er inzwischen eher schlechter stand. Jedenfalls gab es keine Stellung, wo ich ernsthafte Gewinnchancen sah. Leider verlor Noel dann durch Zeitüberschreitung, während Nikita zum Remis kam. Inzwischen stand aber auch Timo nach weiteren Ungeauigkeiten auf Verlust, so dass die 2:4 Niederlage letztlich verdient war.

Die Qualifikation wurde hauptsächlich dadurch verpasst, dass unsere Jugendlichen, die sich diese Saison in den "Erwachsenenen-Mannschaften" im Schnitt um gut 200 DWZ-Punkte verbesserten, in den Jugendkämpfen unter ihren Möglichkeiten blieben und hier "nur" entsprechend DWZ abschnitten. Trotzdem war der Klassenerhalt im Gegensatz zur ersten JBL-Saison vor 2 Jahren nie gefährdet, so dass wir mit Optimismus in die nächste Saison gehen können. Während Patrick, Timo und Lukas an den vorderen Brettern eher an der Verwertung guter Stellungen arbeiten müssen. zeigten sich bei Nikita,Tim und Noel noch einige Lücken insbesondere im Schwarzrepertoire und eine schlechte Zeiteinteilung: Während Nikita und Noel oft unnötig in Zeitnot gerieten, spielte Tim eher zu schnell und leichtsinnig.

Mannschaftsbester wurde Lukas mit 4,5:2,5 Punkten, gefolgt von Nikita und Tim mit jeweils 4:3 bzw. 4:2 Punkten.

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Für einen Gegenangriff ist es nie zu früh!

Dr. Savielly Tartakower

Schachaufgabe

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