Saisonausklang

Geschrieben am 12.04.2010 von Ulrich Geilmann

Ulrich Geilmann

Nach dem sportlich absolut enttäuschenden Heimspielwochenende war meine Stimmung irgendwie nicht optimal. Dabei hatte ich meinem Team zumindest gegen Hamburg gute Chancen eingeräumt. Aber unsere Freunde vom HSK sind offenbar nicht zu schlagen; egal in welcher Aufstellung! Auch gegen die starken Bremer war diesmal kein Land zu sehen. Naja, Schwamm drüber! Auf jeden Fall waren wir beim Ruhrverband gut aufgehoben und es tat gut, von allen Seiten für unsere Gastgeberrolle gelobt zu werden.

Ansonsten ging’s mir aber bestens. Ich hatte endlich Urlaub und den genoss ich bei halbwegs gutem Wetter in vollen Zügen: Kochen, Gartenarbeit, kleine Radtouren, Computerspiele, DVD-/Video-Sessions, Schlaforgien, ausgiebige Rasurpausen – also die gesamte Entspannungsbandbreite, die man Zuhause erreichen kann. Ich hatte sogar mein Büro-PC-Kennwort vergessen; ein absolut gutes Zeichen!

Organisatorisch war ebenfalls alles im grünen Bereich. Nur eine Absage, die aber schnell ausgeglichen werden konnte. Dabei hatten wir uns bereits weit im Vorfeld darauf geeinigt, unseren jugendlichen Spielern, die ja schon wichtige Punkte gemacht hatten, wieder die Chance einzuräumen, Bundesligaluft zu schnuppern.

Die Bundesligakonferenz hatte sich vor Saisonbeginn obligatorisch darauf geeinigt, bei den Begegnungen gegen die OSG Baden-Baden und den SK Heidelberg-Handschuhsheim vorab die geplante Mannschaftsaufstellung bekannt zu geben. Ich mag diese Regelung. Zum einen wird’s für die Schachfans transparenter und zum anderen können sich die Spieler besser auf ihren jeweiligen Gegner einstellen. Beides macht die Schach-Bundesliga interessanter!

So waren die sportlichen Rahmenbedingungen des Wochenendes bereits am Donnerstagabend klar:

Samstag, 10.04.2010 (14. Runde)

SK Heidelberg-Handschuhsheim Elo SF Katernberg Elo
Viacheslav Ikonnikov 2558 Vladimir Chuchelov 2598
Gennadi Ginsburg 2537 Christian Seel 2493
Vladimir Gurevic 2470 Klaus Bischoff 2561
Vadim Chernov 2433 Ilja Zaragatski 2475
Erasmus Gerigk 2335 Sebastian Siebrecht 2456
Jörg Schwalfenberg 2317 Christian Scholz 2373
Hans-Joachim Vatter 2321 Sarah Hoolt 2225
Jean-Luc Roos 2260 Jens Kotainy 2243

Sonntag, 11.04.2010 (15. Runde)

SF Katernberg Elo OSG Baden-Baden Elo
Vladimir Chuchelov 2598 Alexei Shirov 2730
Christian Seel 2493 Etienne Bacrot 2709
Klaus Bischoff 2561 Michael Adams 2682
Ilja Zaragatski 2475 Arkadij Naiditsch 2685
Sebastian Siebrecht 2456 Francisco Vallejo Pons 2696
Christian Scholz 2373 Liviu-Dieter Nisipeanu 2664
Sarah Hoolt 2225 Jan Gustafsson 2622
Jens Kotainy 2243 Rustem Dautov 2596

Etwas erstaunt war ich allerdings über die Tendenz der Vorberichterstattung: So schrieb Georgios Souleidis auf der Bundesliga-Homepage (allerdings semantisch leicht verbrämt), dass er dem SK Heidelberg Handschuhsheim trotz gleicher Papierform gegen uns durchaus einen Sieg zutraue.

Nun, man würde ja sehen…

Baden-BadenAber zunächst einmal hinkommen! Wir hatten diesmal wieder eine gemeinsame Zugfahrt für das Team organisiert, was mich als altes Eisenbahnerkind immer besonders freut. Klaus Bischoff wollte allerdings erst am Samstag dazu stoßen; er hatte zunächst noch andere berufliche Verpflichtungen zu erfüllen.

Die Bahnreise verlief in Begleitung unseres treuen Schlachtenbummlers Stefan Zell aber wie am Schnürchen und wir kamen wie geplant um 22.30 Uhr entspannt in Baden-Baden an. Nach kurzer Taxifahrt konnten wir sogar noch eine Kleinigkeit im hoteleigenen Restaurant Paganini futtern. Herz, was willst Du mehr! Klar, dass wir das Lokal sofort zu unserem örtlichen Stammitaliener ernannten!

Überschlägig schien unsere Unterbringung im Bayrischen Hof auch in Ordnung zu sein. Jedenfalls war mein Zimmerchen durchaus zweckmäßig eingerichtet. Ich fühlte mich also erstmal nicht unwohl.

SchachbrettDas änderte sich allerdings kurz nach 1.00 Uhr. Da wurde ich erste Basedrumrhythmen gewahr, die offenbar einer benachbarten Diskothek entfleuchten und dumpf über das gemeinsame Mauerwerk übertragen wurden. Ich war von der Penetranz dieses Vorgangs, der bis ungefähr 4.30 Uhr anhielt, wirklich hellauf begeistert!

Leider war die Rezeption des Hotels nicht besetzt, so dass meine Beschwerde und ein entsprechender Raumtausch bis zum nächsten Morgen warten mussten. Da unter diesen Randbedingungen an Schlaf aber nicht zu denken war, musste der Fernseher zur Ablenkung herhalten. Ich altes Landei kann offensichtlich keinen Stadtlärm mehr vertragen! Aber so wie mir erging es dem Vernehmen nach auch Vladimir und Sarah. Beide wechselten später ebenfalls das Zimmer.

Um 6.30 Uhr war dann wieder Tag. Schließlich wollte ich mir nach einem ausgiebigen Frühstück noch die Gegend ansehen und v. a. schon mal das Spiellokal suchen. Mein Team schlief zu dieser Zeit noch zuckersüß in ihren Bettchen!

Ilja ZaragatskiNach dem Zimmertausch bin ich dann in Richtung Innenstadt marschiert. Der Turniersaal fand sich schnell, so dass noch genügend Zeit verblieb, die Sehenswürdigkeiten der Stadt abzuklappern.

Auf dem Weg dort hin bin ich allerdings an einem recht gut besuchten Flohmarkt hängen geblieben. Da hatte es mir besonders ein kleines Edelholz-Schachkästchen mit Messing- und Zinnfiguren angetan, das ich dem Händler schließlich für kleines Geld abschwatzte.

Klaus Bischoff kam dann wie geplant um 12.30 Uhr an. Damit war das Team komplett und ich konnte nun erst einmal recht gelöst ins Wochenende blicken.

Die obligatorische Mannschaftsmeldung erfolgte dann um 13.30 Uhr im kürzlich komplett renovierten Turniersaal des LA8. Veränderungen hatten sich - wie ja eigentlich zu erwarten war - nicht ergeben.

Sarah HooltDie äußeren Rahmenbedingungen waren recht gut. Ein heller, freundlich ausgestatteter und großzügiger Spielsaal, breite Technikanwendung, adäquate Verpflegung und eine qualitativ hochwertige Livekommentierung der Partien durch den sympathischen GM Philipp Schlosser boten guten Bundesligastandard. Allerdings waren die Toiletten im Untergeschoss des weiträumigen Gebäudes untergebracht, was für die Spieler insbesondere während der Zeitnotphasen sicher nicht günstig war.

Der nach 30 Spielminuten mittlerweile schon obligatorische Blick auf die Bretter zeigte prinzipiell gute Eröffnungsreferenzen für die Katernberger. Dabei befand sich Ilja nach einer ziemlich drastischen Abtauschorgie bereits in einer mehr oder weniger ausgeglichenen Endspielstellung.

Außerdem sah ich zum ersten Mal in dieser Saison Vladimir entspannt im Turniersaal flanieren, während sich sein Gegner schon fast verbissen in die Stellung vergrub. Ich wertete das erstmal als ein gutes Vorzeichen, besonders, da sich Vladimir vor der Partie mit Kopfschmerzen plagte, die ich als zuständiger Mannschaftsarzt mit einem Aspirinschub behandelte.

Dr. Christian ScholzUm 15.00 Uhr zeigte sich ein immer noch unverändertes Bild. Dabei erarbeitete sich unsere Sarah, die für das Bundesligaevent eine für sie privat wichtige Abschiedsparty hatte sausen lassen, eine durchaus aktive Druckstellung. Das Mädel kniete sich richtig rein. Gefiel mir super gut.

Eine weitere halbe Stunde später sah es für mich fast so aus, als hätten wir für diese Begegnung bei der Caissa GmbH & Co. KG. so etwas wie ein Rund-um-Sorglos-Paket gebucht. Gravierende Probleme konnte ich eigentlich nirgendwo entdecken. Okay, Christian Seel stand vielleicht ein wenig gedrückt; aber tiefe Sorgenfalten hatte ich deswegen noch nicht.

Allerdings geriet Jens kurz danach ins grübeln. Bernd Rosen hatte ihn am Vortage noch vorbereitet und betont, dass er die Sache eigentlich durchaus relaxt angehen könne. So sah ich das auch. Er hatte eine fette Stellung und musste sich also eigentlich keine Sorgen machen.

Sebastian SiebrechtDer Kontrollgang zeigte aber auch, dass sich Ilja’s Position immer mehr verdüsterte. Er hatte sich zwischenzeitlich einen Zentrums-Isolani andrehen lassen, der nun von den gegnerischen Schwerfiguren unter Artilleriefeuer genommen wurde. Es hatte den Anschein, als würde er diesen Kämpen auf Kurz oder Lang verlieren, da er sich außerdem immer noch mit einem gewissen Entwicklungsnachteil herumplagen musste. Kurz danach trat das leider wie prophezeit ein. Ab jetzt würde es für Ilja wohl ziemlich haarig werden.

Außerdem war mir nicht ganz klar, wie sich wohl die Partie von Christian Scholz entwickeln würde. Seine Dame kam in eine Art Springersauna und er musste aufpassen, dass er die Gute noch in einem Stück auf dem Brett behielt.

Allerdings schien Klaus seine zwischenzeitlich entstandenen Stellungsprobleme aufzulösen. Hoffte ich jedenfalls.

Trotzdem wurde mir so langsam mulmig. Sollte Georgios, der ebenfalls vor Ort war, mit seiner sibyllinischen Vorhersage am Ende doch noch Recht behalten?

Etwas weniger Sorgen machte mir jedoch die Partie von Sebastian. Er war gerade dabei seine aktive Stellung bröckchenweise zu verbessern. Sah alles ganz nett aus, was der werdende Vater da auf dem Brett zelebrierte. Jedenfalls erspielte er sich erstmal locker eine Qualität.

Vladimir ChuchelovNaja, vielleicht machte ich mir ja auch einfach viel zu viele Gedanken. Im Prinzip konnte uns doch nichts passieren! Selbst bei einem denkbar schlechten Verlauf war uns der 11. Platz nicht mehr zu nehmen.

Also erstmal einen heißen Kaffee trinken und dabei cool bleiben…

Dann entlud sich die Stellungsspannung bei Jens mit Figurengewinn. Respekt! Er musste jetzt nur noch die gegnerischen Bauern aufhalten, dann wäre ihm der Sieg nicht mehr zu nehmen.

Allerdings entwickelte sich während dessen die Partie von Christian Scholz zu einer schweren Kost. Er tauschte die Dame gegen zwei Türme und steckte dabei auch noch ein Bauernpaar ins Geschäft. Sah jetzt irgendwie unschön aus.

In der 195. Minute dann aber zunächst der gut erarbeitet Punkt durch Sebastian (1 : 0), gefolgt von einem inzwischen ebenso klaren Remis bei Klaus (1,5 : 0,5).

Christian SeelWenigstens war die Endspielstellung von Sarah ein kleiner Lichtblick, auch wenn es nicht wirklich nach einem ganzen Punkt für unsere Amazone aussah.

Ich blieb freilich hochgradig skeptisch, da sich die Gesamtlage eher vorteilhaft für die Heidelberger Truppen zu entwickeln schien, denn zwischenzeitlich hatte sich sowohl Vladimir als auch Christian Seel einen Materialschnupfen zugezogen.

Wie befürchtet, streckte Christian Seel dann um 17.45 Uhr die Waffen. Verdienter Ausgleich für Heidelberg (1,5 : 1,5).

Kurz vor 18.00 Uhr das fällige Remis von Sarah (2,0 : 2,0); aber leider stellte sich auch der sich schon länger abzeichnende Punktverlust bei Ilja ein. So langsam materialisierten sich meine Befürchtungen. Führung für Heidelberg! (2,0 : 3,0).

Sarah schien nach der Partie übrigens etwas enttäuscht zu sein. Sie hatte eigentlich die gesamte Partie über eine Druckstellung. Doch irgendwie schien sie dann doch irgendwo die Weggabelung zum Sieg verpasst zu haben! Aber keine Bange, Sarah, Deine Zeit wird kommen!

Klaus BischoffErstaunlicher Weise konnten dann aber Vladimir und Christian Scholz ihre an sich schon Leck geschlagenen Positionen doch noch abdichten und unser Schlachtschiff zumindest wieder ein bisschen ins Lot bringen. (3,0 : 4,0). Das war schon mehr als glücklich.

Jetzt hing der Matchausgang an Jens und der hatte immer noch eine Mehrfigur auf dem Brett. Allerdings sorgte ein inzwischen bereits weit vorgerückter Freibauer seines Gegners für gewisse praktische Gegenchancen. Das rettende Ufer war also noch lange nicht erreicht.

All das ließ mich fast vergessen, dass in der Parallelbegegnung zwischen dem OSG Baden-Baden und unserem Reisepartner SV Mülheim Nord um höhere Weihen gespielt wurde. Dort stand des inzwischen 2,5 : 2,5; allerdings sah es momentan so aus, als ob die süddeutschen Titeljäger mit den verbleibenden Brettern nach einigen Hin und Her doch noch einen Sieg sicherstellen würden.

Jens spielte seine Partie derweil clever weiter. Es gelang ihm zunächst den latent gefährlichen Freibauern vom Brett zu bringen und die noch verbleibende Leichtfigur seines Gegners abzutauschen. Das verbleibende Endspiel blieb aber trotz Mehrläufer technisch immer noch sehr anspruchsvoll.

Um 18.20 Uhr konnte Baden-Baden schließlich den Kampf für sich entscheiden. Da derweil Solingen bereits gegen Bremen verloren hatte, stiegen damit die Meisterschaftschancen des OSG deutlich; natürlich vorausgesetzt, sie würden morgen auch noch gegen uns gewinnen…

Jens KotainyWährend dessen entwickelte sich bei Jens ein belauerndes Tempogeschiebe. Sah irgendwie alles ganz gut aus; gleichwohl blieb ein klarer Gewinnweg immer noch im Nebel verborgen. Aber Jens kämpfte weiterhin verbissen um minimale Vorteile. Fast mochte ich glauben, er versuchte seinen Gegner mürbe zu machen; und irgendwie schaffte er das auch, wenn man das doch inzwischen immer knapper werdende Zeitpolster seines Spielpartners zum Maßstab nahm.

Schließlich gelang es ihm dann doch, die Stellung seines Gegners zu fixieren und so eine Spiel entscheidende Königswanderung  zum Kriegsschauplatz einzuleiten.

Um 20.30 Uhr war es dann soweit. Jens gewann und sicherte damit souverän den glücklichen Mannschaftspunkt. (4,0 : 4,0). Wir kletterten damit vorläufig auf den 10. Tabellenplatz. Danke Jens!

Hier noch einmal das amtliche Endergebnis:

SK Heidelberg-Handschuhsheim 4 : 4 SF Katernberg
Viacheslav Ikonnikov ½ : ½ Vladimir Chuchelov
Gennadi Ginsburg 1 : 0 Christian Seel
Vladimir Gurevic ½ : ½ Klaus Bischoff
Vadim Chernov 1 : 0 Ilja Zaragatski
Erasmus Gerigk 0 : 1 Sebastian Siebrecht
Jörg Schwalfenberg ½ : ½ Christian Scholz
Hans-Joachim Vatter ½ : ½ Sarah Hoolt
Jean-Luc Roos 0 : 1 Jens Kotainy

Den stimmungsvollen Ausklang des Abends erlebten wir dann abermals im Paganini. Erfreulicher Weise hatte Christian Scholz diesmal seine Familie mitgebracht, so dass es ein wiederum rundes Ereignis wurde.


Rustem DautovSo brach der Sonntag an und ich war auf den Tanz, den uns Baden-Baden liefern würde, neugierig. Ich hoffte natürlich darauf, dass wir den Kampf möglichst lange offen gestalten würden.

10.00 Uhr…Anpfiff!

Eröffnungstheoretisch lief es zunächst ganz gut für Katernberg. Insbesondere freute mich, dass sich Rustem Dautov auf eine von Bernd Rosen vorgeschlagene Variante der Caro-Kann-Verteidigung einließ. Leider spielte Jens total überhastet, übersah dabei eine Wendung und erlaubte dem starken Großmeister eine so kaum zu reparierende Bauerngabel.

Dafür stand Sarah mit Ausgleich. Jedenfalls schien GM Jan Gustafsson zunächst das richtige Rezept zu fehlen, den Anzugsvorteil wirkungsvoll in Szene zu setzen.

Ebenso lieferte Klaus seinem Gegner ein gleichwertiges Match. Er spielte übrigens das erste Mal eine Turnierpartie gegen den englischen GM Michael Adams. Die beiden sind sich bislang nur in Schnellschach-Turnieren über den Weg gelaufen.

In seiner Partie gegen GM Alexei Shirov verließ sich Vladimir übrigens auf eine Variante ein, die unser Sebastian auch schon einmal gegen den russischen Supergroßmeister probiert hat.

Jan Gustavsson

Um kurz vor 12.00 Uhr hatte dann aber Jens erstmal genug des bösen Spiels und gab seine Partie auf. (0 : 1). Nun, nach dieser Erfahrung wird er sich künftig sicher auf seine Hände setzen.

 

Die Partien von IM Ilja Zaragaski – GM Arkadij Naiditsch und IM Christian Scholz – GM Liviu-Dieter Nisipenu verliefen zunächst ebenfalls recht ausgeglichen. Allerdings muss man sich vor Topspielern bekanntlich jederzeit in Acht nehmen. Die Ausnahmegroßmeister wissen nur zu gut, wie man kleinste Nachlässigkeiten tödlich bestraft.

Gleiches galt für die Partien GM Francisco Vallejo Pons – GM Sebastian Siebrecht und IM Christian Seel – GM Etienne Bacrot.

Wenn man also einmal barmherzig von dem Fauxpas an Brett 8 absah, war ich mit dem bisherigen Kampfverlauf nicht unzufrieden.

Um 12.20 Uhr dann das tatsächlich schon fast erwartete Remis bei Ilja (0,5 : 1,5).  Hat er gut gemacht!

Leider hatte Vladimir im weiteren Gang erhebliche Stellungs- und Zeitprobleme. Das würde ihm doch wohl hoffentlich nicht die Partie verhageln? Ansonsten verlief der Kampf aber immer noch erstaunlich ausgeglichen, auch wenn bei Klaus dann um 13.00 Uhr ein Bäuerchen flöten ging.

Michael AdamsParallel dazu verschlechterte sich dann trauriger Weise auch die Position von Christian Scholz. Die Probleme kosten zunächst einen Bauern und dann kurz danach die Partie. (0,5 : 2,5). Ein wenig später konnte auch Sarah dem Druck nicht mehr standhalten. (0,5 : 3,5). Sie hatte lange mitgehalten, aber am Ende überwog die spielerische Kraft des sympathischen Ex-Hamburgers.

Das gleiche Schicksal schien danach Christian Seel zu ereilen. Auch ihm kam Spiel entscheidendes Material abhanden.

Bei Vladimir wendete sich aber offenbar das Blatt. Er fuhr seinem Gegner zunächst sogar einen Turm ab und kam so in Vorteil. Das roch zumindest nach einer kleinen Sensation, was die im Vorraum befindliche Rechnergarde auch grundsätzlich bestätigte. Doch der clevere Shirov brachte sich durch einen weit vorgerückten Freibauern gerade wieder rechtzeitig ins Spiel zurück. Eine bärenstarke Partie mit friedlichem Ausgang. (1,0 : 4,0).

Die übrigen Katernberger standen nach der Zeitkontrolle allerdings mit dem Rücken zur Wand und mühten sich mit materiell nachteiligen Endspielen ab. Aber sie klammerten recht hübsch, so dass sich die Lage sogar zwischendurch zumindest für Sebastian und Klaus ein bisschen aufhellte.

Aber der Kampf dauerte und dauerte. Gott-sei-Dank hatten wir in weiser Voraussicht einen späten Zug gebucht.

Alexej ShirovUm 15.15 Uhr war der Kampf dann aber doch entschieden. Adams schaffte den sich schon länger abzeichnenden Bauerndurchbruch und Klaus gab auf! (1,0 : 5,0).

15 Minuten später erwischte es auch Christian Seel. (1,0 : 6,0).

Nach zähem Ringen wurde dann zu guter Letzt auch noch der gute Sebastian ausgeknockt. (1,0 : 7,0). Um 15.50 Uhr war die Saison 2010/11 Geschichte:

SF Katernberg : OSG Baden-Baden
Vladimir Chuchelov ½ : ½ Alexei Shirov
Christian Seel 0 : 1 Etienne Bacrot
Klaus Bischoff 0 : 1 Michael Adams
Ilja Zaragatski ½ : ½ Arkadij Naiditsch
Sebastian Siebrecht 0 : 1 Francisco Vallejo Pons
Christian Scholz 0 : 1 Liviu-Dieter Nisipeanu
Sarah Hoolt 0 : 1 Jan Gustafsson
Jens Kotainy 0 : 1 Rustem Dautov

Arkadij NaiditschDamit war die OSG Baden-Baden wieder deutscher Meister! Herzliche Glückwünsche an unsere freundlichen Gastgeber. Grüße aber auch an die SG Solingen und Werder Bremen! Ihr habt diese Saison wirklich spannend gemacht!

Nun, Katernberg hat sich diesmal wieder achtbar geschlagen. Ich bin mit der kämpferischen Leistung der Mannschaft und dem 11. Tabellenplatz durchaus zufrieden. Angesichts der erst sehr ungünstigen Finanzlage und den damit verbundenen sportlichen Rückschlägen zu Saisonbeginn kann man sogar von einem kleinen Erfolg sprechen. Die Einstellung stimmte und das Team passte in jeder Hinsicht gut zusammen. Auch meine Organisationskollegen haben gute Arbeit geleistet. Dafür meinen ausdrücklichen Dank. Bedanken muss ich mich aber auch bei unserem Sponsorenpool, der unser Bundesliga-Engagement erst ermöglicht hat. Gleiches gilt für die vielen Schlachtenbummler, die uns stets treu begleitet haben.

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James R. Lowell

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