Die ersten Punkte

Geschrieben am 04.11.2003 von Bernd Rosen

SFK gewinnt das Ruhrgebietsderby gegen SV Wattenscheid - GM Igor Glek im Opferrausch

Nach der Auftaktniederlage gegen Rekordmeister Aljechin Solingen stand für SFK am Sonntag in der wiederum gut besuchten Orangerie der GRUGA das Ruhrgebietsderby gegen den leicht favorisierten SV Wattenscheid auf dem Programm. Diesmal hielten die Nerven der SFK-Spieler auch in der hektischen Zeitnotphase den Belastungen stand, so dass nach sechs Spielstunden mit einem verdienten 4,5:3,5 die ersten Meisterschaftspunkte "eingefahren" waren.

GM Igor Glek gab die Richtung vor: Gegen seinen Landsmann Alexander Rustemov spielte der in Essen lebende Russe eine furiose Angriffspartie, öffnete den Königsflügel seines Gegners mit einem Läuferopfer und gab noch die Qualität hinzu. Obwohl Rustemov die Dame zurück opferte, war der Sturmlauf der Glek'schen Figuren nicht zu stoppen. Zwar wurde die Zeit wieder recht knapp, doch am Ende triumphierte Gleks Dame mit sechs (!) Mehrbauern über zwei "nackte" Türme.

Gut erholt zeigten sich IM Javier Moreno Carnero und IM Martin Senff, die wenig später problemlos gegen IM Ralf Appel bzw. GM Florian Handke remisierten. GM Vladimir Chuchelov dagegen mußte den Gegentreffer zum zwischenzeitlichen Ausgleich hinnehmen: Ausgangs der Eröffnung erlangte der dänische GM Peter-Heine Nielsen eine unangenehme Kontrolle über die c-Linie. Der folgerichtige Versuch des Neu-Katernbergers, taktische Verwicklungen anzuzetteln, beschleunigte letztlich nur die Niederlage in einem stürmischen Königsangriff.

Romero HolmesNach der ersten Zeitkontrolle zeichnete sich bereits ein Erfolg der Gastgeber ab: Zwar stand GM Andrei Volokitin am Spitzenbrett unter Druck, aber die übrigen drei Bretter sahen nach knappem bis deutlichem Vorteil aus. Und tatsächlich: Zwar kam IM Matthias Thesing gegen IM Volkmar Dinstuhl trotz Mehrbesitz der Qualität nicht über ein Unentschieden hinaus, aber GM Alfonso Romero Holmes brachte SFK erneut in Führung. Der Spanier, an dessen draufgängerische Spielweise man sich bei SFK erst noch gewöhnen muss, hatte gegen GM Leif E. Johannessen das verpflichtende Wolga-Gambit gewählt und den hierbei typischen Bauernverlust in Kauf genommen. Nach konsequentem Druckspiel entstand ein vorteilhaftes Turmendspiel, das er virtuos behandelte und gewann.

SFK-Jungstar GM Andrei Volokitin machte am Spitzenbrett auch gegen GM Bartlomiej Macieja, den Europameister von 2002, eine gute Figur. Nachdem er im 19. Zug eine chancenreiche Fortsetzung ausgelassen hatte, verteidigte sich der 17-jährige Ukrainer umsichtig und sicherte in einem Damenendspiel den halben Punkt. Daraufhin bot IM Sebastian Siebrecht, der kurz zuvor eine studienhafte Gewinnfortsetzung ausgelassen hatte, in seiner gut stehenden Partie auf Weisung des Mannschaftsführers Willi Knebel Remis an, um den Gesamterfolg abzusichern. Sein Gegner IM Frank Holzke hatte keine andere realistische Wahl, als dieses Angebot zu akzeptieren.

"Wollen die heute nicht gewinnen?" zeigten sich nicht wenige Zuschauer irritiert, denn schon nach relativ kurzer Zeit endeten nicht weniger als vier Partien der Begegnung Solingen gegen Porz remis. (Lutz-Kasimdzhanov, Naumann-Vaganjan, Hansen-Werle und Schneider-van der Wiel). Gemeint waren natürlich die Spieler des deutschen Vizemeisters, die überwiegend deutlich eloschwächeren Gegnern gegenübersaßen. Doch offensichtlich hatte man frühzeitig die aussichtsreichen Kanidaten für volle Punkte ausgeguckt, letztlich setzten die Porzer sich an allen übrigen Brettern durch und gewannen mit 6:2 deutlicher als erwartet (Gabriel-Beliavski 0-1, Graf-Sadler 1-0, Emms-van den Doel 0-1 und Nijboer-Schäfer 1-0).

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Ich habe einige sehr wichtige Partien verloren, weil ich mich vor allem nicht selbst besiegen konnte.

Tigran Petrosjan

Schachaufgabe

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