Schach und Politik

Geschrieben am 17.11.2007 von Bernd Rosen

Jürgen Riesenbeck und Gerhard Meiwald erfolgreich beim Politiker-Schachturnier in Berlin

Einen tollen Erfolg feierten jetzt zwei Katernberger beim Politiker-Schachturnier in Berlin: Jürgen Riesenbeck gewann das traditionsreiche Turnier etwas überraschend (wer es für eine Sensation hält, weiß nicht, dass Jürgen noch in den 70er Jahren für SFK in der damals höchsten deutschen Spielklasse aktiv war), wobei er in der Schlussrunde gegen Gerhard Meiwald gewann, der dadurch auf den 3. Platz zurückfiel. Gerhard Meiwald lebt und spielt jetzt in Heide / Schleswig-Holstein, ist aber weiter SFK-Mitglied. Witziges Detail am Rande: Riesenbeck und Meiwald traten beide im Jahr 1962 (!) unserem Verein bei.

Hier zwei Fotos des Turniegers aus jüngeren Tagen (bei einer früheren Veröffentlichung dieser historischen Dokumente wären seine Gegner sicher gewarnt gewesen):

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Bei einer Blitzpartie mit GM Raymond Keene
1969 in Katernberg

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Als Kiebitz im Hintergrund
Blitzpartie Raymond Keene - Robert Hübner
1969 in Katernberg

Gerhard Meiwald schrieb einen lebendigen Turnierbericht, den wir mit seiner freundlichen Genehmigung hier veröffentlichen:

Am Samstag dem 10.November 2007 war es wieder einmal soweit. Auf Einladung des Ehrenpräsidenten des Berliner Schachverbandes Alfred Seppelt waren 67 aktive oder ehemals aktive Politiker der Einladung zum inzwischen traditionellen Politikerschachturnier gefolgt. Gespielt werden 7 Runden Schnellschach mit einer Bedenkzeit von jeweils 10 Minuten. Da sich in den letzten Jahren durch die immer stärker anwachsende Zahl der Teilnehmer und natürlich bei den Vereinsspielern auch durch die bekannten Wertungszahlen deutliche Unterschiede in den Spielstärken ergeben, werden die Teilnehmer in drei Kategorien eingeteilt, so dass auf diese Weise mit Zeitgutschrift bzw. Zeitabzug zumindest ein kleiner Ausgleich stattfindet.

Aus Schleswig Holstein treten traditionell eigentlich immer 3 Spieler an. Edmund Lomer(Kommunalpolitiker) aus Eckernförde, Heinz-Georg Roth (Bürgermeister) Wyk auf Föhr und Gerhard Meiwald aus Heide (ehemaliges Ratsmitglied der Stadt Essen). In diesem Jahr fehlte uns Georg Roth. Aber mit Edmund Lomer und dem Berichterstatter waren wir ja trotzdem noch "spielstark vertreten". Bei der Auslosung der ersten Runde erwischte Edmund aber mit Volker Wildt einen Spieler seiner eigenen Kragenweite, der das Turnier bereits mehrfach gewonnen hatte. Mit einem Remis erledigte er aber diesen schweren Auftakt zufrieden stellend.

Meine eigene Aufgabenstellung war in den ersten Runden weniger kompliziert so dass ich nach drei Runden mit 3 Siegen noch absolut im Spitzenfeld mithalten konnte. In der 4.Runde erstmals gegen einen gleichstarken Gegner gefordert, ergab sich nach Zeit und Stellung ein gerechtes Remis. Auch Edmund hatte sich inzwischen mit 3,5 aus 4 in die Spitzengruppe vorgearbeitet. Und zum ersten Mal, nachdem wir beide inzwischen bereits mehr als 10x an diesem Turnier teilgenommen hatten, wurden wir in der 5.Runde gegeneinander gelost. Bei Licht betrachtet vielleicht etwas ungerecht, aber unsere Gruppeneinteilung gab vor, Edmund hatte nur 8 Minuten und ich selbst 12 Minuten zur Verfügung. Wie auch immer, mit den weißen Steinen und dem Glück des Tüchtigen gelang es mir, Edmund im Mittelspiel eine Qualität abzujagen und diese im Endspiel auch sauber zu verwerten.

Mit 4,5 aus 5 fand ich mich plötzlich am Spitzenbrett gegen Dietmar Lingemann aus Berlin wieder, der das Turnier auch bereits 2x gewonnen hat und der bis hierhin mit 5 aus 5 noch eine absolut weiße Weste vorzuweisen hatte. Nachdem ich mir auch in dieser Partie bereits im Mittelspiel einen Qualitätsvorteil herausgespielt hatte, allerdings gegen ein quirliges Läuferpaar und nach ungenauem Spiel diesen Vorteil wieder hergeben musste, konnte ich doch in ein Turm- und Bauernendspiel mit Vorteil abwickeln, behielt auch in hoher Zeitnot den Überblick und gewann die Partie.

Mit jetzt 5,5 aus 6 lag ich völlig unerwartet alleine an der Spitze. Mir dicht auf den Fersen der Vorjahressieger Jan Lundin, Dietmar Lingemann und mein alter Freund und Vereinskamerad aus Essener Zeiten, Jürgen Riesenbeck mit jeweils 5 aus 6. Der Showdown am Spitzenbrett wollte es, dass ich ausgerechnet gegen meinen Freund und Spezi Jürgen Riesenbeck anzutreten hatte. Ein Remis hätte mir (auch buchholzmäßig) zum erstmaligen Turniersieg gereicht. Aber genau diese Erwartungshaltung ließ mich in dieser Partie so verkrampfen, dass ich schon nach der Eröffnung, dermaßen unter Druck stand, und dann auch kein Mittel mehr fand den schwarzen Angriff mit vernünftigen Mitteln zu stoppen.

Natürlich war ich nicht nach Berlin gefahren, um das Turnier zu gewinnen: Bei realistischer Betrachtungsweise sind etwa 6-8 Spieler deutlich stärker einschzuätzen und sicher noch einmal 15-20 Spieler bewegen sich auf meinem eigenen Level. Aber wenn man schon mal so dicht davor steht, ist man hinterher schon ein bisschen traurig, dass es "nur" zum 3.Platz gereicht hat.

Auch Edmund verspielte in der Schlussrunde eine deutlich bessere Platzierung, als er gegen den besten Amateur des Feldes noch einmal einen ganzen Punkt abgab. Mit 4,5 aus 7 und Platz 14 blieb ihm immerhin der schwache Trost, dass er mit 33,5 Buchholzpunkten die absolut beste Buchholzzahl aller Teilnehmer vorzuweisen hatte.

Wer sich gerne mit genaueren Daten und Bildern einen Überblick verschaffen will, der kann dies sowohl auf der Homepage des Berliner Schachverbandes als auch auf der Chessbase Seite tun.

Jürgen Riesenbeck
Jürgen Riesenbeck heute

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Es ist ein großer Trost, andere dort scheitern zu sehen, wo man selbst gescheitert ist.

William Somerset Maugham

Schachaufgabe

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