So kann es weitergehen... (1/7)

Geschrieben am 19.01.2021 von Lukas Schimnatkowski

2. Auflage der DSOL gestartet

Da uns Die Corona-Pandemie immer noch das Treffen und Schachspielen in unserem Vereinslokal unmöglich macht, gibt es in letzter Zeit nicht allzu viel Schachliches zu berichten. Umso erfreulicher, dass die Deutsche-Online-Schach-Liga nun in ihrer zweiten Auflage immerhin wieder für etwas Turnierschachatmosphäre sorgt. Wir haben wieder zwei Mannschaften nominiert, ein weiterer Katernberger ist an vorderster Front aktiv: Sebastian Siebrecht kommentiert freitags das Geschehen an den Brettern und präsentiert die teilnehmenden Vereine: DOSL - Hauptseite

SFK I startet in der höchsten Gruppe und trifft dort u.a. auf Deizisau, das die aktuellen TOP 3 der deutschen Rangliste gemeldet hat. Zunächst aber gab es einen 3:1 gegen Herzogenaurach zu bejubeln:

SFK I

Die erste (Online-)Mannschaft traf also in der ersten Runde auf Herzogenaurach, einen nominell etwa gleich starken Konkurenten. Umso überraschender, dass diese schon in der ersten Runde mit erheblichen Ersatz an den Brettern 3 und 4 antraten, was aber natürlich mal wieder nichts heißen sollte. Allerdings gab es schon hier bereits eine Premiere zu verzeichnen, denn Tamás Kiss spielte an Brett 4 seinen ersten Mannschaftskampf für SFK. Also richtete sich der Blick natürlich schnell auf Brett 4, wo der gegnerische Spieler nach 1.d4 d6 2.c4 bereits im zweiten Zug mit 2...e5?! eine für meine Begriffe seltsame Entscheidung traf. Also wurden hier entsprechend schnell die Damen getauscht und nachdem sich Tamás nach zwischenzeitlichen Problemen entsprechend konsolidiert hatte, entstand folgende Stellung:

Hier spielte Tamás den meines Erachtens sehr starken Zug 28.Th1! und nach 28...Lc2?! 29.h4 Th8 hat Weiß eindeutig die Initiative erreicht. Es wäre wohl am besten gewesen, einfach den Springer zu verbessern, da Schwarz mit seinem Turm an die h-Linie gebunden ist. Schwarz wäre zur Passivität verdammt und könnte seine Stellung nur schwer verbessern. Stattdessen schlug Tamás mit 31.hxg5? meines Erachtens zu früh auf g5, sodass die Partie noch einmal Fahrt aufnahm. Aber nachdem sich die schwarzen Figuren schließlich verlaufen hatten - der schwarze Turm war auf b3 gefangen - war der Sieg dank Freibauern leicht.

Doch auch eine andere Partie fesselte mich von Anfang an: Thomas Wessendorf sah sich mit Schwarz mit dem äußerst seltenen, aber nicht minder giftigen 1.e4 c5 2.Sc3 Sc6 3.d3 g6 4.Le3!? d6 5.d4!? cxd4 6.Lxd4 Sxd4 7.Dxd4 Sf6 8.e5 konfrontiert. Ich selbst habe diese Eröffnung erst einmal zu Gesicht bekommen, weiß aber noch genau, das hier einige Fallen für Schwarz lauern. Nach 8...dxe5 9.Lb5+ (Ich glaube, 9.Dxe5 ist gemeiner, weil nach dem natürlichen 9...Lg7 10.Lb5+ Ld7 die Falle der nächsten Anmerkung zuschnappt) Ld7 10.Dxe5 entsteht folgende Stellung:

Ist man hier als Schwarzspieler unvorsichtig und spielt bedenkenlos 10...Lg7? so folgt 11.0-0-0! und nach 11...0-0 12.Lxd7 Sxd7 Db5! mit Figurengewinn. Aber Thomas setzte souverän mit 10...Lc6 fort, wonach er die Entwicklung ungehindert beenden konnte. Der beste Zug dürfte überdies 10...a6! gewesen sein und nach 11.Lxd7+ Dxd7 12.Td1 Df5 erzwünge Schwarz den Damentausch, wonach Weiß jegliche Chancen auf Vorteil verwirkt hätte. Im Gegenteil, das Endspiel ist besser für Schwarz. Doch auch die Partie hatte noch einiges zu bieten, allerdings beendete Thomas Gegner die Spannung mit einem unsinnigen Figurenopfer, sodass es wenige Züge später auch hier einen Sieg für SFK zu vermelden gab.

Bei Bernd Rosen lief an Brett 1 gegen einen starken Gegner unterdessen einiges schief, nachdem dieser sich einen starken Freibauern verschaffen konnte, der obendrein ein Mehrbauer war. Ich habe zwar nicht verstanden, warum Bernd die Blockade des Freibauern auflösen musste, aber die Stellung war wohl ohnehin sehr schlecht. Es gelang Bernd leider nicht Gegenspiel zu entfalten, sodass hier ein Punkt für Herzogenaurach verbucht werden musste.

Bleibt mir noch ein paar Worte über meine eigene Partie zu verlieren, in die ich mit einer für mich neuen Eröffnung 1.e4 e5! miserabel gestartet war. Ich konnte mich nur noch im Anti-Marshall mit 8.h3 an die Spielidee 9...Sa5 und 10...c5 erinnern, war danach aber "out of book". Nach einer Fehlentscheidung und daraus resultierenden Problemen landete ich in folgender Stellung:

Weiß hat gerade 19.Sb3! gespielt und bewertet man diese Stellung objektiv, ist sie sicherlich sehr schlecht für Schwarz. Die weißen Springer sind einfach zu stark. Es droht Sxb5 und Sa5, wovon der letztere die schlimmere Drohung darstellt, weil die schwarzen Figuren am Damenflügel danach nicht mehr zu entknoten sind. Da es hier keine eleganten Lösungen für diese Probleme gibt, ist es wohl Zeit Material zu geben: 19...c4 20.Sa5 Txa5! 21.bxa5 La6! Ich möchte dieser Stellung noch ein weiteres Diagramm geben, weil sie meines Erachtens äußerst interessant ist:

Mit dem Zug 21...La6 gelingt es, eine Blockadestellung zu errichten, auch weil die weißen Figuren nach dem Materialgewinn unkoordiniert sind (was häufig der Fall nach Materialgewinn ist). Auch wenn die Stellung objektiv vermutlich noch immer schlecht für Schwarz ist, ist es für Weiß nicht leicht, einen gewinnbringenden Plan zu finden. An diesem Problem scheiterte letzlich auch mein Gegner. Meine Vermutung war, dass Lb1-Sc2-Sb4 sinnvoll sein würde, wenngleich ich auch dann nicht sofort verloren gewesen wäre. In der Partie konnte ich meine Figuren allerdings nach und nach umgruppieren und etwas glücklich den Bauern auf a5 gewinnen und daraufhin sogar auf c3 noch einen weiteren. Danach war die Stellung natürlich gewonnen und Weiß schaffte es nicht mehr irgendeine Art von Gegenspiel aufzubauen.

Somit steht am Ende ein erster 3:1 Sieg für SFK I. Es ist wirklich schön mal wieder einen Mannschaftskampf, wenn auch in begrenztem Format, zu spielen. Das nächste Spiel wird dann am 01.02.2021 um 19:30 Uhr gegen den SK Bad Homburg sein. Wir hoffen auf Online-Zuschauer!

SFK II

Die zweite Mannschaft traf in der ersten Runde auf die ESV Gera. Starten möchte ich auch hier mit einem unserer Neulinge. Tilman Klimek spielte an Brett 4 gegen eine seltsame Mischung aus moderner Verteidigung und Pirc. Tilman baute seine Stellung mit De2 auf, verpasste es dann aber leider rechtzeitig e5 zu spielen. In Folge geriet er in Schwierigkeiten und landete in folgender Stellung:

Der Gegner hatte in der Diagrammstellung gerade 16...c5! gespielt, um das weiße Zentrum zu erschüttern. Leider reagierte Tilman darauf mit 17.dxc5? Dxc5 18.Dxc5?! Sxc5, wodurch in Folge der Bauer e4 verloren ging, unteranderem weil sich die lange a1-h8-Diagonale für Schwarz öffnet (19.Te1? Sfxe4 20.Sxe4 Lxe4 21.Lxe4 Lxa1). Der einzig richtige Zug wäre 17.Lb2 gewesen und nach 17...cxd4 18.Sxd4 hätte Schwarz nur leichten Vorteil gehabt. In der Partie verlor Tilman also den Bauern e4, wonach die weiße Stellung nicht mehr zu halten war.

Trotz dieses verfrühten Rückschlags war ich dennoch optimistisch, dass wir den Mannschaftskampf noch gewinnen würden. Vor allem die Stellung von Lasse Struck an Brett 1 verlieh mir früh große Hoffnung in einen Sieg an diesem Brett. Der gegnerische Spieler hatte in der Kalaschnikow-Variante nach 1.e4 c5 2.Sf3 Sc6 3.d4 cxd4 4. Sxd4 e5 5.Sb5 d6 6.S1c3 a6 7. Sa3 mit 7...Le7 bereits das übliche Fahrwasser verlassen. Lasse spielte routiniert 8.Sc4, wonach eigentlich 8...b5 der einzig spielbare Zug ist. Allerdings geschah 8...Le6?! und nach 9.a4?! (9.Sd5 oder 9.Le3 ist noch stärker) auch noch 9...f5? wonach die schwarze Stellung für meine Begriffe bereits kollabieren musste. Nach 10.exf5 Lxf5 11.Se3 Le6 12.Lc4 Lxc4 13.Sxc4 Sf6 spielte Lasse das starke 14.Lg5!

Hiernach hat Weiß klaren Vorteil, weil Schwarz die wichtigen Zentrumsfelder e4 und d5 verliert. Durch den drohenden Tausch Lg5-Sf6 verliert Schwarz die Kontrolle über die weißen Felder. Nach 14...0-0?! (Die kritische Variante ist natürlich 14...d5, aber ich glaube, dass Weiß nach 15.Lxf6 dxc4 16.Lxe7 Dxe7 17.Dh5 g6 18.Dg4 klaren Vorteil hat.) folgte 15.Lxf6! Txf6 und hier hätte das simple 16.Sd5 Weiß konstanten Vorteil gegeben. Die schwarze Stellung wäre durch die weißen Springer langfristig blockiert und Weiß könnte problemlos 0-0 und c3 folgen lassen, während Schwarz nur zuschauen könnte. Weiß verstärkt seine Stellung nach und nach und meines Erachtens ist die schwarze Stellung nach 16.Sd5 hoffnungslos. Die Partie ging allerdings sehr zweischneidig mit 16.Se4? Tg6? (16...Tf4 hätte auf einmal Schwarz Vorteil gegeben) 17.Dd5+ Kh8 18.Td1? Sb4! weiter, wonach die Sachlage längst nicht mehr so klar ist. Ich denke, Lasse hat diese Stellung zu konkret behandelt und daher nie eine wirksame Blockadestellung gegen das schwarze Zentrum errichten können. Die Partie endete nach beiderseitigen Fehlern vielleicht gerechterweise in einem Remis durch Dauerschach, da Schwarz zwischendurch auch hätte gewinnen können.

Doch auch nachdem diese Partie nicht gewonnen werden konnte, war die Hoffnung auf einen Sieg im Mannschaftskampf durchaus berechtigt: Berthold Humkamp und Heinz-Jürgen Losch hatten an den verbliebenen Brettern Gewinnstellungen, deren Verwertung ich eigentlich als nicht allzu schwierig einschätzte. Ich möchte hier allerdings nur zwei exemplarische Ausschnitte zeigen, es gab viele weitere Gewinnmöglichkeiten in beiden Partien.

Berthold hatte nach wie üblich ungewöhnlicher Eröffnung die folgende Stellung erreicht, die meines Erachtens neben der schlechten Koordination der weißen Figuren vor allem von dem schwarzen Springer auf h4 gekrönt wird:

Der Gegner hatte gerade 18.Tf2? gespielt; wohl um den Bauern auf g2 zu verteidigen. Leider spielte Berthold den natürlich aussehenden Zug 18...Dd5?, wonach der Großteil des schwarzen Vorteils verfliegt. Stattdessen hätte 18...Lxg2 sofort die Fronten geklärt, da 19.Txf2?? natürlich an 19...Sf3+ scheitert. Dennoch gelang es Berthold immer, die Initiative zu behalten, vor allem in dem resultierenden Springer-gegen-Läufer-Endspiel rechnete ich mir auch hier ausgezeichnete Gewinnchancen aus. Unglücklicherweise landete Bertholds Springer doch noch in einer Fesselung, sodass das Bauernendspiel nach dem Tausch der Leichtfiguren nur Remis war.

Zum Schluss folgt noch die wahrscheinlich bitterste Partie, die Heinz-Jürgen bis zur Zeitnotphase meines Erachtens hervorragend gespielt hatte. Er hatte zwischenzeitlich mal eine Qualität abgeben müssen, deren Verlust er aber umgehend durch die Bildung eines gedeckten Freibauerns auf c3 mehr als kompensierte. Es gab auch hier sicherlich viele Möglichkeiten die Partie zu gewinnen, ich muss mich leider auf das bittere Ende beschränken:

In der Diagramstellung hatte der gegnerische Spieler gerade in höchster Zeitnot 45.Dg6 gespielt, worauf Heinz-Jürgen nach 45...fxg3+ 46.Kxg3 wohl unglücklicherweise den eigenen Turm auf e8 vergaß, als er 46...c2?? (46...Te3+ mit anschließendem c2 gewinnt sofort) spielte. Doch auch der gegnerische Spieler schien sich des ungedeckten Turms auf e8 nicht bewusst (Immerhin ist 47.Dxe8 Kh7 48.Dg8 matt) und zog 47.Dxg5??.

Leider verliert in einer Schachpartie immer der letze Fehler und ebendiesen beging Heinz-Jürgen mit nur noch wenigen Sekunden auf der Uhr (+15 sek Inkrement), als er vermutlich etwas perplex durch den letzten gegnerischen Zug 47...hxg5?? spielte (hier gewinnt einfach 47...cxd1). Nach 48.Th1+ stand das Endresultat von 1-3 fest.

Somit steht am Ende ein Resultat, das nicht annähernd den wahrlich spannenden -und bitteren- Verlauf dieses Mannschaftskampfes wiederspiegelt. Nichtsdestotrotz gibt es sechs weitere Runden, in denen die nicht gewonnen Punkte kompensiert werden können. Die nächsten Gegner sind am 05.02 die SG BiBaBo Leipzig.

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Ach, die Leute machen sich janz alleene Matt.

Karl August Walbrodt

Schachaufgabe

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