Totes Rennen zwischen Abram Chasin und Igor Eismont

Geschrieben am 10.04.2003 von Bernd Rosen

10. Ruhrgebietsmeisterschaft der Schach-Senioren

Totes Rennen und Dramatik pur bei der 10. Ruhrgebietsmeisterschaft der Schach-Senioren im Gertrudissaal am Viehofer Platz! Nach 211 (von insgesamt 213) beendeten Partien des neuntägigen Turniers saßen sich nur noch die ersten Vier der Setzliste in den Top-Begegnungen der Schlussrunde gegenüber und kämpften um den greifbar nahen Titel.

Abram Chasin (SK Holsterhausen) und Igor Eismont (SF Dortmund-Brackel) hatten dabei gegen Willy Rosen bzw. Erich Krüger (beide SFK) nicht nur den Vorteil, in den vorauf gegangen acht Runden einen halben Zähler mehr als ihre beiden Konkurrenten erspielt zu haben, sondern in den entscheidenden Paarungen auch die weißen Steine zu führen. Diesen Vorteil konnten die beiden Katernberger nicht wett machen. Rosen war gegen Chasin schon in der Eröffnung in Nachteil geraten, kam aber in der 5. Spielstunde wieder ins Spiel und schloss einen Konter mit Dauerschach und Remis ab. Kurz zuvor hatte sein 80-jähriger Gegner, dessen Leistung höchsten Respekt verdient, einen klaren Gewinn ausgelassen, wie seine Tochter Anna Dergatschewa-Daus unmittelbar nach Partieende nachwies. Auch die Partie Eismont-Krüger endete Remis, wobei der Katernberger die schwierige Rolle des Verteidigers zwar bravourös meisterte, jedoch keine Chance hatte, die Initiative zu ergreifen und auf Gewinn zu spielen.

Somit hatten Chasin und Eismont am Ende die Nase vorn. Da beide Spieler nicht nur nach Punkten, sondern auch in der "Buchholz"-Feinwertung gleichauf lagen, sprach die Turnierleitung beiden den Ruhrgebietsmeister-Titel zu. Rosen und Krüger belegten die nächsten Plätze. Der 5. Preis ging an Falk Müller (SC Gerthe 46), der in der Schlussrunde einen groben Fehler gegen Horst Szymaniak, den Sieger von 1997, zu einem überraschenden Matt ausnutzte und den Velberter, der sich Hoffnungen auf Platz drei gemacht hatte, auf den 6. Platz verwies. Sensationell der 7. Platz von Heribert Plasswich (SFK), der als Nr. 25 der Setzliste stets in der Spitzengruppe zu finden war und einige gute Partien spielte. Enttäuscht hingegen war Friedhelm Dahlhaus (Wacker Bergeborbeck). Der Sieger des Jahres 2000 hatte sich mehr als den 8. Platz ausgerechnet.

Die Ratingpreise gingen in Gruppe 1 an Heribert Plasswich (SFK), Franz Mietner (ESV Großenbaum), Helmut Hardt (SG Mengede), Werner Buchal (Schewe Torm Derendorf) und Christoph Kohlschmidt (SFK) und in Gruppe 2 an Josef Der (Düsseldorfer SK), Friedrich Nietmann (SV Wattenscheid), Heinz Maletzki (RW Altenessen) und Günter Dehring (Rochade Steele/Kray).

Anmerkung:
Mir fällt auf, wie unterschiedlich Schachorganisationen die Bedeutung des Seniorenschachs bewerten. Die FIDE vergibt immerhin den Großmeistertitel an den Gewinner der Senioren-Weltmeisterschaft und plant zur Zeit, eine Senioren-Kommission einzurichten. Der DSB schafft die Senioren-Kommission zur Zeit ab, spendiert aber sicherlich ("Wetten, dass...?") seinem Präsidenten eine Reise nach Bad Wiessee am wunderschönen Tegernsee, wo im Mai die Deutsche Meisterschaft rund 400 Senioren beiderlei Geschlechts an die Bretter locken wird. Der Schachbund NRW, dessen Seniorenbeauftragter ich bin, verweigert zwar - übrigens als einziger Landesverband Deutschlands - dem Vertreter von immerhin 18 % der Mitglieder Sitz und Stimme im Vorstand, hat aber, ebenso wie der DSB, einen Etatposten für Senioren im Haushalt (wenn auch - umgerechnet auf die Köpfe - den kleinsten in Deutschland).

Nichts von alledem ist im Schachverband Ruhrgebiet zu spüren, über dessen 10. Seniorenmeisterschaft ich oben berichte. Der Verband, dessen Kürzel "SVR" beim Volk längst für "Sparverein Ruhrgebiet" steht, hat bisher nicht die geringste Neigung erkennen lassen, Seniorenschach überhaupt zur Kenntnis zu nehmen. Vor acht Jahren durfte ein für das SVR-Sparbuch zuständiges Vorstandsmitglied die Ablehnung eines Zuschussantrag in Gegenwart des damaligen Vorsitzenden (Das ist der, der jetzt wahrscheinlich in Bad Wiessee ein Grußwort sprechen wird) in die Worte "Ach, der Spinner mit seinem Open!" kleiden ohne zur Ordnung gerufen zu werden. An dieser Einstellung hat sich bis heute nichts geändert; nur das Sparbuch ist dicker geworden.

Das Turnier ist übrigens längst etabliert, erfreut sich eines festen Stammkundenkreises und lockt alljährlich mehr Senioren an die Bretter als die "ordentliche" Meisterschaft. Es ist zudem das akzeptierte Angebot für Seniorenspieler geworden, die die Kosten einer Urlaubs-Turnierreise nicht auf sich nehmen können/wollen/dürfen. Die guten Möglichkeiten im Revier, öffentliche Verkehrsmittel benutzen zu können, dienen hier in nachahmenswerter Weise einem Turnier der etwas anderen Art. Die Saalmiete macht uns in Essen schon Sorgen - aber wichtiger ist natürlich, dass der SVR sein Geld (SEIN Geld????) hortet.

A propos "Open": Reinhold Hoffmanns Senioren-Open wurden eines Tages zu Weltmeisterschaften, aus Erhard Volls Initiativen für Senioren wurden deutsche und Landesmeisterschaften. Auch alles so "Spinner!"

Willi Knebel

Abschlusstabelle nach der 9. Runde

Rang Teilnehmer Titel Verein/Ort Punkte Buchh
1. Chasin,Abram IM SK Holsterhausen 7.0 47.5
1. Eismont,Igor   SF Brackel 1930 7.0 47.5
3. Rosen,Willy FM SF Katernberg 1913 6.5 48.5
4. Krüger,Erich   SF Katernberg 1913 6.5 44.5
5. Müller,Falk   SC Gerthe 46 6.5 42.5
6. Szymaniak,Horst   Velberter SG 1923 6.0 43.5
7. Plasswich,Heribert   SF Katernberg 1913 6.0 42.0
8. Dahlhaus,Friedhelm   DJK Wacker Bergeborbeck 6.0 39.5
8. Simsheuser,Josef   DJK Wacker Bergeborbeck 6.0 39.5
10. Mietner,Franz   ESV Grossenbaum 5.5 45.5
11. Hardt,Helmut   SG Mengede 1922 5.5 43.0
12. Kotlar,Alfred   SK Recklinghausen-Alt 5.5 41.5
13. Schröer,Helmut   DJK Wacker Bergeborbeck 5.5 40.5
14. Görtz,Hans   DJK Wacker Bergeborbeck 5.0 43.5
15. Mazurkiewicz,Kazimierz   vereinslos 5.0 42.0
16. Buchal,Werner   SV Schewe Torm/Derendorf 5.0 40.0
16. Kohlschmidt,Christoph   SF Katernberg 1913 5.0 40.0
18. Stemmer,Harald   SC Mülh.-Heissen 08/31 5.0 39.0
19. Grabowski,Johann   Post-Telekom-SV 5.0 37.5
20. Kühler,Wolfgang   BSW Wuppertal 5.0 37.0
21. Fiedler,Eduard   Rochade Steele/Kray 1919/3 5.0 36.0
22. Spoden,Kurt   SV Oberhausen 1887 5.0 34.0
23. Würtz,Wilhelm   SV Bottrop 1921 4.5 39.5
24. Klatt,Theodor   DJK Wacker Bergeborbeck 4.5 39.0
25. Schmitthöfer,Herbert   SF Katernberg 1913 4.5 38.0
26. Mohamad Ghasemi,Vajiel   Frankreich 4.5 37.5
27. Rother,Josef   SF Überruhr 46/53 4.5 36.5
28. Dreckmann,Franz   SV KS Haltern 4.0 46.5
29. Liszka,Günter   SF Katernberg 1913 4.0 42.0
30. Ropers,Klaus   SV Brett vor'm Kopp 4.0 38.5
31. Der,Josef   Düsseldorfer SK 1914/25 4.0 36.5
32. Nietmann,Friedrich   SV Wattenscheid 1930 4.0 35.0
33. Maletzki,Heinz   SV Rot-Weiß-Altenessen 193 4.0 34.5
34. Kotzem,Ernst   SV Welper 1922 4.0 33.5
35. Thiemann,Johannes   SV Bottrop 1921 4.0 33.0
36. Dehring,Günter   Rochade Steele/Kray 1919/3 4.0 30.5
37. Rieckhof,Jürgen   SF Überruhr 46/53 4.0 30.0
38. Matthias,Kurt   TSV Hagen 1860 3.5 41.0
39. Leimkühler,Guido   SV Welper 1922 3.5 36.5
40. Daebel,Hasso   SG Drewer 54 3.0 37.0
41. Schwagrowski,Bernd   ESV Grossenbaum 3.0 32.0
42. Weddeling,Franz   Kettwiger SG 1948 3.0 31.5
43. Mader,Josef   SF Katernberg 1913 3.0 30.0
44. Arfert,Peter   SC Turm Hullern 3.0 29.5
45. Grande,Reinhard   DJK Wacker Bergeborbeck 2.5 31.0
46. Stieglitz,Gotthard   DJK Wacker Bergeborbeck 2.5 18.5
47. Streier,Wilhelm   SV Wattenscheid 1930 2.0 35.5
48. Schmidt,Peter   SF Katernberg 1913 1.0 21.5
49. Crell,Helmut   SV Linden 1922 0.0 10.5
50. Jurkait,Ernst   vereinslos 0.0 0.0

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Wenn du nicht weißt was du tun sollst, warte bis dein Gegner eine Idee hat. Sie wird sicher schlecht sein.

Dr. Siegbert Tarrasch

Schachaufgabe

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