Verbandsklasse: SFK4 siegt in Höntrop

Geschrieben am 09.09.2016 von Edgar Schmitz

Auf- und Absteiger treffen aufeinander!

Beim ersten Meisterschaftsspiel in der Verbandsklasse, Gruppe 3 konnte SFK4 einen überzeugenden Sieg verbuchen. Dabei hatten wir zunächst großen Respekt vor der SG Höntrop gehabt: wegen ihrer besseren DWZ und ihrer Erfahrung aus der Verbandsliga. So war allen Spielern eine gewisse Anspannung anzumerken, die noch weiter anstieg, weil Tim bei Spielbeginn nicht an seinem Brett erschienen war. Ich wusste, dass Tim mit der Bahn kommen wollte und da sind Verspätungen ja nichts Ungewöhnliches. Würde er es noch innerhalb der erforderlichen 30 Minuten schaffen, seinen ersten Zug zu machen? Gott sei Dank! Nach gut 10 min traf Tim im Spiellokal ein. Und als habe er seine Verspätung wettmachen wollen, gewann er seine Partie sogar als Erster nach nur 23 Zügen. So gingen wir gegen Höntrop mit 0:1 in Führung.

An Brett 2 spielte Max die Sizilianische Verteidigung und erreichte nach Sf3+ im 16. Zug die Diagrammstellung:

Diagramm 1

Weiß konnte der Versuchung nicht widerstehen und zog arglos 17. gf3x ?. Dabei hätte Kh1 nichts verdorben! Nach 17. --- Dh3x 18. Sg3 Sh5 wurde nachfolgende Stellung erreicht:

Diagramm 2

Nach 19. f4 Sg3x (Sf4x wäre auch gut möglich gewesen!) 20. fg3x Dg3x+ 21. Kh1 Dh4+ 22. Kg1 Lf4x gab Weiß auf! Katernberg führte nun mit 0:2.

Mit dieser Führung im Rücken vereinbarten Lukas - der gegen den DWZ- stärksten Gegner (2070) antreten musste - und Nikita Remis, und so stand es zur Halbzeit ohne Verlustpartie 1:3 für uns.

In meiner eigenen Partie erhielt ich mit Weiß nach einem Eröffnungsfehler meines Gegners einen enormen Entwicklungsvorsprung:

Diagramm 3

In der Diagrammstellung erreichte ich durch die Züge 17.Lc4 Kh8 18. Te1 fxe5 19. T5xe5 eine Gewinnstellung. Es folgte noch 19. --- d5 20. Te8 mit Aufgabe. Katernberg führte nun mit 1 : 4 Punkten.

An Brett 6 ließ dann Jürgen in besserer Stellung nichts mehr anbrennen und holte den entscheidenden halben Punkt, wodurch wir folgenden Zwischenstand erreichten: Höntrop - SFK4 1,5 : 4,5 Punkte.

In manchen Partien sind die Geschehnisse am Schachbrett mit den Gesetzen der Logik nicht mehr zu erklären. So war es auch in der folgenden Partie. Josua, der mit den schwarzen Steinen an Brett 4 spielte, stand lange Zeit deutlich auf Gewinn. Der Vorteil war so groß, dass in der anschließenden Analyse die Engine in bestimmten Phasen der Partie Schwarz mit über 6 Bauerneinheiten besser bewertete. Schade, dass Josua durch einige ungenaue Züge zunächst diesen großen Vorteil verspielte. Allerdings stand er immer noch etwas besser als sein Gegner:

Diagramm 4

Weiß hatte gerade Tf2 gespielt, um die lästige Fesselung auf der zweiten Reihe aufzuheben und Josua war am Zug. Er schien plötzlich sehr nervös zu sein. Und als hätte ich es geahnt, fasste er den weißen Turm auf f2 an. Er hob die Figur hoch, hielt inne und sah dann das Dilemma! Der Turm auf f2 musste natürlich mit dem Läufer genommen werden, denn die berührt-geführt-Regel bezieht sich auch auf die gegnerischen Figuren (s.a. Artikel 4 FIDE-Schachregeln: Ausführung der Züge). Sinngemäß heißt es dort: Wer eine eigene Figur absichtlich berührt, muss diese ziehen. Wer eine gegnerische Figur absichtlich berührt, muss diese schlagen. Mit dem Berühren ist ausdrücklich der Zweck des Ziehens gemeint. Ein nicht absichtliches Berühren, z.B. ein versehentliches Umwerfen führt nicht zur Zugpflicht dieser Figur.
Weiß nahm daraufhin mit dem Läufer die schwarze Dame heraus und Josua nahm mit dem Läufer auf e4 zurück:

Diagramm 5

Hier hätte Tf2x oder Dc7+ Weiß in Vorteil gebracht, aber vielleicht hatte Weiß aufgrund der unerwarteten Wendung gedanklich schon Sekt und Kaviar für die Mannschaft bestellt und zog gierig Dc3+, um den schwarzen Unhold auf b2 zu gewinnen. Die Kiebitze, die sich um den Tisch versammelt hatten, trauten ihren Augen nicht, als sie Zeugen einer erneuten dramatischen Wendung des Spiels wurden: Innerhalb von zwei Zügen zwei Damenverluste!
Ich muss zugeben, dass ich schon eine gewisse Freude empfunden habe, weil Josua an diesem Tag einfach der bessere Spieler war und insofern ein Remis oder ein Sieg von Weiß ungerecht gewesen wäre. Nach Ld4+, Db2x und Lb2x konnte Weiß das Endspiel gegen das Läuferpaar nicht halten und gab nach wenigen Zügen auf: Wie gewonnen, so zerronnen!

Bernd, der mit Weiß an Brett 5 spielte, signalisierte mir nach dem Remis von Jürgen, dass er auf Gewinn spielen wollte. Im weiteren Verlauf der Partie opferte er seinen a-Bauern und erhielt dafür mehr als ausreichende Kompensation. In der folgenden Stellung leistete Schwarz nur noch wenig Widerstand:

Diagramm 6

Nach 48. Lc6 Kh7? 49. La8x gab Schwarz wegen Figurenverlust die Partie auf.

SFK4 schlägt Höntrop1 also verdient mit 6,5 zu 1,5 Punkten!

Am 25.09.2016 treffen wir zu Hause auf die SG Mengede, die nominell stärkste Mannschaft unserer Gruppe. Vielleicht können wir den Schwung aus der ersten Runde nutzen, dem hohen Favoriten ein Bein zu stellen. Spielbeginn: 14:00 Uhr, Zuschauer sind natürlich herzlich willkommen!

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Es genügt ja nicht, selbst Erfolg zu haben. Man will auch sehen, dass die andern erfolglos bleiben.

Budd Schulberg

Schachaufgabe

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