Verschenkter Sieg in Paderborn

Geschrieben am 23.01.2018 von Volker Gassmann

Erneutes Unentschieden in der Jugendbundesliga

Paderborn verzichtete auch gegen uns auf den Einsatz des an Brett 1 gemeldeten Kevin Schröder, der bislang noch kein einziges Saisonspiel bestritten hat. So ergab sich am letzten Sonntag ein Kampf zweier annähernd gleich starker Mannschaften: Während wir an den oberen 3 Brettern überlegen waren, hatte Paderborn an den unteren 3 Brettern Vorteile. Lange sah es nach einem klaren Sieg aus, aber leider verspielte Cem durch mehrere Fehler eine Gewinnstellung und brachte die Mannschaft um den sicher geglaubten Sieg. Nach dem erneuten 3:3 stehen wir nun auf dem 4. Platz der Tabelle - da die Mannschaften sehr eng beieinander liegen, ist nun noch alles möglich: Angesichts des schweren Restprogramms ist der Klassenerhalt noch keineswegs gesichert, andererseits ist auch Platz 3 noch in Reichweite, der zur Teilnahme an der Deutschen Meisterschaft berechtigt.

Nach etwa einer Stunde war noch nicht viel passiert: Timos Gegner hatte auf c4 mit e6 und d5 reagiert, und nach Tausch auf d5 war eine Karlsbader Struktur mit beiderseitigem Fianchetto entstanden, die m. E. Weiß keine echten Chancen auf Eröffnungsvorteil bietet. Lukas hatte immerhin einen scharfen Drachen auf dem Brett, mit dem er sich gut auskennt. Nikita hatte mit hängenden Bauern, Läuferpaar und Entwicklungsvorsprung eine sehr aussichtsreiche Stellung. Cem hatte an Brett 4 auf 1. e4 e5 2. Sc3 - soll sein gefährliches Elefantengambit verhindert werden? - mit dem seltenen Anderssen-Gambit f7-f5 reagiert. Ich glaubte zunächst nicht an ausreichende Kompensation, aber allmählich glich er aus und ergriff die Initiative. Den gegnerischen Najdorf-Sizilianer ging Jonas gewohnt scharf mir langer Rochade, f4 und schneller Figuren-Entwicklung an. Nach dem gegnerischen b7-b5-b4 entschloss er sich zu dem sehr zweischneidigen Sa4, Sd7-c5, b2-b3, Sa4: und b3xa4. Nach dieser Schwächung seiner Königsstellung setzte er dann alles auf die Öffnung der e-Linie mit einem Figurenopfer. Minimal schlechter stand Noel mit Schwarz in einer französischen Rubinstein-Struktur, die nach 3. Ld3 de4: entstanden war.

Im weiteren Verlauf opferte Lukas seinen e7-Bauern und erhielt sehr starke Initiative gegen den gegnerischen König. Auch Cem und Nikita verbesserten ihre Stellung weiter. Sorgen machten mir die Stellungen von Jonas und Timo. Letzterer hatte wohl gegen den vermeintlich schwächeren Gegner zu spät Hoffnungen auf Vorteil oder wenigstens kompliziertes Spiel mit beiderseitigen Chancen vergeben und stand kritisch. Der Gegner von Jonas hatte die Mattdrohung auf e7 einfach entschärft, indem er die Mehrfigur auf e7 mit der langen Rochade zurückgab. Nach De7: Te8 musste Jonas die Dame für Turm und Läufer geben. Da die weißen Bauern doch sehr zerstreut waren schien Schwarz deutlich im Vorteil zu sein, doch Jonas hielt die Stellung gerade noch zusammen.Tatsächlich endete diese Partie nach gut 3 Stunden als erste Remis. Kurz darauf schaffte auch Noel nach gutem Spiel ein Remis: Er hatte zunächst c5 durchgesetzt und dann noch e6-e5-e4. Anschließend gewann Lukas und wir führten 2:1.

Timo stand nun allerding sehr schlecht und war in extremer Zeitnot. Dafür vergrößerte Nikita seinen Vorteil: Sein Gegner konnte seinen Lc8 nur auf das ungünstige Feld g4 entwickeln und sah sich kurze Zeit später genötigt, ihn auf h3 ohne ausreichende Kompensation zu opfern. Cem stand unterdessen klar auf Gewinn. In einem damenlosen Mittelspiel legten sein Sc4, Tc2 und Mehrbauer e3 die gegnerische Armee aus Ta1, Lc1 und Ke1 völlig lahm. Leider versäumte Cem hier das sofort entscheidende Th2, wonach der Sc4 den e3 nicht mehr decken muss und entscheidend über d5 eingreifen kann. Satt dessen setzte er zunächst seinen König in Bewegung, was auch gewonnen hätte, entschied sich aber kurz darauf zum groben Fehler e3-e2, wonach dieser schöne Freibauer schnell verloren ging und der Lc1 ins Spiel kam. Anstatt sich wenigstens jetzt richtig intensiv in die Partie zu knien, spielte er leider auch weiterhin sehr schnell und oberflächlich.

Bald darauf gewann zunächst Nikita und Timo verlor: Beim Stand von 3:2 hing der Sieg an Cems Partie. Leider begin er dann - immer noch in besserer Stellung einen groben Fehler und übersah das Schach f5-66 mit Ablenkung seines Königs: Sein Springer ging verloren, und er landete in einer Verluststellung. Da seine Gegnerin ihren letzten Bauern auf c4 hielt und die schwarzen Bauern c6, b5 und a6 mit dem zum Matchwinner avancierten ehemals toten Läufer blockierte war seine Stellung schnell hoffnungslos und er musste zum Endstand von 3:3 aufgeben.

Nun gilt es, gegen die starken Gegner Bochum und Porz zu punkten. Außerdem ist noch unklar, welche Spieler die nominell sehr starke Aachener Mannschaft tatsächlich spielberechtigt sind.

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Im Schach lernt man nur durch Fehler!

Dr. Savielly Tartakower

Schachaufgabe

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