Vizemeister!

Geschrieben am 29.03.2012 von Bernd Rosen

NRW-Landesfinale in Gütersloh: 2. Platz für das Leibniz-Gymnasium

Im letzten Wettkampf der diesjährigen Schulsportwettbewerbe erreichten die Leibniz-Schachkekse ihre bislang beste Platzierung: Beim Landesfinale NRW in Gütersloh erspielte sich die WK III – Mannschaft in der Besetzung Tim Dette, Lukas Schimnatkowski, Anna Bérénice Döpper und Cem Celik den 2. Platz.

Die Leibniz-Schachmannschaften zeichnen sich immer durch hohe Motivation und vollen Einsatzwillen aus. Dass die NRW-Meisterschaft noch einmal einen besonderen Stellenwert hat wurde mir spätestens am Montag klar, als sich Cem bei mir meldete: "Kann ich morgen noch mal zum Training zu Dir kommen?"  Tatsächlich gingen wir am Dienstag noch einmal einige Eröffnungsvarianten gemeinsam durch, damit unser jüngste Spieler den zumeist deutlich erfahreneren Kontrahenten besser Paroli bieten kann als zuletzt im Bezirksfinale.

Am Donnerstag früh ging es dann los: Nach einer kleinen Rundtour hatte ich alle Schachkekse im Auto, noch vor Acht waren wir auf der Autobahn, um 9.20 Uhr in Gütersloh. Während ich in unserer Gruppe das Gymnasium Paderborn Schloss Neuhaus im Vorfeld als stärkste Mannschaft ausgemacht hatte, wartete die WK II mit einigen hervorragenden Einzelspielern auf: Neben der Ranglistenersten der U14-Mädchen in NRW Anne Reksten ist hier vor allem Matthias Blübaum zu nennen, der bei der letzten Jugendweltmeisterschaft den 6. Platz erreichte und zu Beginn des Monats mit dem 8. Platz bei der Deutschen Meisterschaft der Erwachsenen glänzte.

Gespielt wurde im repräsentativen Ratssaal des Kreises Gütersloh unter dem Konterfei unseres neuen Bundespräsidenten Joachim Gauck. Die äußeren Bedingungen waren hervorragend, das Turnier insgesamt perfekt vorbereitet, sogar gedruckte Namensschilder für jede Mannschaft waren vorbereitet. Pefekt? Nicht ganz. "Wer hat denn die Schilder geschrieben?" fragte ich den Turnierleiter Thomas Nuyen von der Bezirksregierung Düsseldorf. Der verstand sofort was ich meinte, murmelte etwas ähnliches wie "nicht von einem humanistischen Gymnasium" und bemühte sich mit einem Filzstift so gut es ging das "p" in Leibniz in ein "b" zu verwandeln.

Pünktlich um 10 Uhr ging es los, nach einigen kurzen Begrüßungsreden nahm Landrat Sven-Georg Adenauer die Auslosung der Spielpaarungen vor und bescherte uns gleich in der ersten Runde den Favoriten aus Paderborn. Zum Ängstlichwerden blieb allerdings keine Zeit, wir nahmen an den Brettern Platz und los gings. Lukas erreichte schnell eine sehr aussichtsreiche Stellung, aber Cems Königsstellung geriet früh unter Beschuss. Tatsächlich konnte er den Angriff nicht abwehren – 0:1. Lukas kam zu einem positionell schön herausgespielten Sieg – 1:1. Tim am Spitzenbrett hatte in seiner Eröffnungsvariante nur einen einzigen Zug vergessen – unglücklicherweise war es der wichtigste. Er geriet in eine passive Stellung, verlor einen Bauern, hatte zudem nur noch wenig Zeit auf der Uhr, so dass hier mit einer weiteren Niederlage zu rechnen war. Um die drohende Niederlage abzuwenden setzte Anna alles auf eine Karte: In einem Springerendspiel opferte sie ihren Springer, um ihrem letzten verbliebenen Bauern den Weg zur Umwandlung in eine Dame zu bahnen. Unglücklicherweise hatte sie am Ende der Variante ein Springerschach übersehen, der Bauer wurde einen Zug vor dem Einzugsfeld gestoppt – 1:2. Nun bot Tims Gegner Remis an, das dieser mit meiner Zustimmung akzeptierte. Mit 1,5:2,5 hatten wir dem hohen Favoriten einen ehrenvollen Kampf geliefert, aber wie schon in der WK IV zogen wir knapp den Kürzeren.

In der 2. Runde hatten wir mit dem St. Ursula-Gymnasium Brühl einen vermeintlich leichteren Gegner, gegen den wir jedoch den schwächsten Kampf des Tages ablieferten: Cem stand nach der Eröffnung besser, vergab den Vorteil jedoch durch hastiges Spiel und geriet danach immer mehr auf die schiefe Bahn. Lukas verlor in einem Moment der Unaufmerksamkeit eine Figur und musste die hoffnungslose Stellung bald aufgeben. Auch Tim fand nicht den richtigen Plan um seine ursprünglich bessere Stellung auszunutzen – er landete in einem hoffnungslosen Turmendspiel. Beim Stande von 0:3 nutzte auch der umsichtig herausgespielte Sieg von Anna nichts – der zweite Kampf des Tages war "im Eimer".

Nun konnte es nur noch besser werden. Allerdings wartete mit dem Max-Planck-Gymnasium Gelsenkirchen wieder eine Mannschaft aus durchweg turniererfahrenen Spielern auf uns. Cem ließ erneut eine gute Möglichkeit aus. Anstatt eine Figur zu erobern landete er in einer sehr schwierigen Stellung, konnte aber dann mit einer Serie von Schachgeboten die gegnerische Dame durch einen Spieß erobern – 1:0! Lukas gewann schon in der Eröffnung einen Läufer und ließ nichts mehr anbrennen – 2:0. Anna spielte im Mädchenduell gegen die zwei Jahre ältere Sharlena Brock, die auf dem Papier sogar klare Favoritin hätte sein müssen. Doch Anna eroberte erst einen Bauern, dann einen Springer und gewann ohne Mühe: 3:0. Auch Tim wollte nicht zurück stehen, eroberte mit einer Springergabel den gegnerischen Läufer und verwertete den Vorteil im Endspiel. Das 4:0 war natürlich Balsam für das angekratzte Selbstvertauen.

Die 4. Runde gegen das Gymnasium an der Schweizer Straße aus Dortmund war dann wieder an Dramatik nicht zu überbieten. Zunächst geriet Cem an einen klar überlegenen Gegner, der seine Stellung in Windeseile zerlegte und Dortmund mit 1:0 in Führung brachte. Das war auch nach einer knappen halben Stunde noch der Zwischenstand (gespielt wurden Partien mit 25 Minuten Bedenkzeit je Spieler), als Tim mich fragte: "Darf ich Remis anbieten?" – "Nein!" lautete meine prompte Antwort. Denn zu diesem Zeitpunkt war klar, dass Lukas nach einer Abtauschorgie in einem Damenendspiel keinerlei Gewinnmöglichkeiten mehr besaß. In der Tat endete diese Partie bald Remis: 0,5:1,5. Tim rechtfertigte das Vertrauen, massierte seine Kräfte am Königsflügel, bei knapper Bedenkzeit fand sein Gegner kein Gegenmittel: 1,5:1,5. Nun kam alles auf Anna an, die gegen einen gefühlt zwei Köpfe größeren Gegner zu spielen hatte. Sie war die ganze Partie über im Vorteil gewesen, am Ende aber in einer zweischneidigen Stellung gelandet – und das mit beiderseits nur noch zwei Minuten auf der Uhr. Trotz der knappen Zeit schraubte sie sich mit Dame und Springer in die gegnerische Königsstellung und eroberte schließlich die schwarze Dame. Ohne Material und Bedenkzeit gab ihr Gegner entnervt auf – 2,5:1,5.

Nun hieß es warten, denn in der letzten Runde waren wir spielfrei. Vielleicht würden unsere 4:4 Mannschaftspunkte ja noch zum 3. Platz und für einen Pokal reichen?

Während die übrigen Mannschaften ihre letzten Spiele absolvierten vertrieben wir uns im Nebenraum die Zeit bei ein paar Partien Schach (was auch sonst?). Irgendwann kam dann der Mannschaftsführer von Gelsenkirchen dazu – Jürgen Gödenboog ist ein ganz alter Schachkumpel, den ich schon seit mehr als 20 Jahren kenne. "Ihr seid jetzt sogar noch Zweiter geworden!" beglückwünschte er uns. Und tatsächlich: Hinter dem überlegenen Sieger Paderborn lagen drei Mannschaften mit 4:4 Mannschaftspunkten gleichauf, von denen wir die meisten Brettpunkte gesammelt hatten. Vom Tabellendritten Dortmund trennte uns gerade mal ein halber Punkt:

Somit konnten wir bei der Siegerehrung gegen 16 Uhr stolz den Pokal für den 2. Platz in Empfang nehmen, und mit diesem edlen Teil im Gepäck verlief auch die Rückfahrt wie im Fluge – bei der Ankunft um 18 Uhr lag ein anstrengender und ereignisreicher Tag hinter uns.

Erfolgreichste Punktesammlerin war auch diesmal Anna Bérénice Döpper mit 3:1 Punkten, Tim Dette und Lukas holten je 2,5 Punkte, Cem Celik steuerte einen Zähler zum Gesamtergebnis bei (ohne diesen Punkt wären wir nur Dritter geworden).

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Konfuzius

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