Wenn einmal der Wurm drin ist...

Geschrieben am 13.02.2017 von Bernd Rosen

SFK 1 verliert weiter an Boden

"Schach ist ein Glücksspiel" - zu dieser Erkenntnis kam schon unser Vordenker Prof. Dr. Jürgen Henningsen in einem Beitrag, den er für unsere Bundesligabroschüre der Saison 1980/81 verfasste. Das Paradoxe an der Sache ist allerdings, dass man beim Schach zwar glücklich (dank der Fehler des Gegners) gewinnen, aber nicht wirklich durch Pech verlieren kann, sondern Niederlagen stets aus eigenen Fehlzügen resultieren. Diesmal waren es die Düsseldorfer, die nach diesem Kampf in der 2. BL-West unumwunden einräumten, sich lange auf der Verliererstraße gesehen zu haben. Aber wie so oft in dieser Saison taten wir uns sehr schwer mit der Chancenverwertung und standen am Ende mit leeren Händen da.

Ersatzmann Volker Gassmann hatte selbst größte Bedenken gegen seinen Einsatz und bettelte nach seiner Niederlage gegen Erich Krüger in der Vereinsmeisterschaft fast um Auswechslung. Mein Vertrauen erwies sich aber als gerechtfertigt: In komplizierter Stellung, die ihm einige Kompensation für den fehlenden Bauern bot, hatte er einen komfortablen Zeitvorteil erspielt und platzierte strategisch geschickt ein Remisangebot, welches nach nochmals langem Nachdenken angenommen wurde. Zu diesem Zeitpunkt sah es noch sehr günstig aus: Zwar war Christian Scholz schon in der Eröffnung in Schwierigkeiten geraten und kämpfte mit dem Läuferpaar verzweifelt um Kompensation, und auch Arthur war mit seinem Stonewall in einer strategisch schwierigen Stellung gelandet, aber Sebastian befand sich klar auf der Siegerstraße, nachdem sich ein doppeltes Figurenopfer des Gegners als zu optimistisch herausgestellt hatte. Robby verwaltete nach anfänglichen Problemen einen Mehrbauern, für den Schwarz immer weniger Kompensation hatte. Auch Bosko besaß einen Mehrbauern, musste dafür aber einigen Druck der Schachlegende Ulf Andersson aushalten. Miguel schließlich besaß in vereinfachter Stellung mit dem Läuferpaar ausgezeichnete Gewinnchancen, während Robert nach einem verfehlten Tausch infolge eines Rechenfehlers seinen Vorteil eingebüßt hatte.

Wenig später fuhr Sebastian denn auch den Punkt ein. Christian musste aber kurz darauf aufgeben. In der Zeitnotphase dann der große Patzer von Miguel mit der Vorentscheidung gegen uns:

Diagramm

Anstelle des geplanten 34.Txc2 Lxc2 35.Lc7, was Weiß wegen des Läuferpaares in Verbindung mit dem entfernten Freibauern auch nach Meinung des Computers ausgezeichnete Gewinnchancen bot, spielte Miguel sofort 34.Lc7?? und hatte nach 34...Txc7 einfach eine Figur zu wenig.

Arthur konnte seine Ruine nach der Zeitkontrolle erwartungsgemäß nicht zusammenhalten und musste ebenfalls aufgeben. Robby verwertete seinen Mehrbauern zwar im Stil eines Karpov, aber das war zu wenig. Denn Robert kam erwartungsgemäß nicht über ein Remis hinaus, und am Ende musste sich Bosko der Endspielkunst von Ulf Andersson geschlagen geben, der einen minimalen Vorteil wie in seinen besten Tagen zum Sieg verdichtete.

Nun gerät der nächste Kampf gegen Aachen bereits zum Schicksalsspiel. Aachen hat zwar nur einen Punkt auf der Habenseite, dafür aber das deutlich leichtere Restprogramm. Für den Verlierer dieser Partie sieht es düster aus, während der Sieger noch längst nicht am sicheren Ufer ist. Hier eine Fotosammlung und alle Partien zum Nachspielen:

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