Wir sind U14 NRW Mannschaftsmeister!

Geschrieben am 25.06.2022 von Timo Küppers

36 Jahre ist es her, seitdem eine Katernberger Jugendmannschaft - damals noch unter dem Namen Essener Schachgesellschaft 1904 - auf NRW Ebene den Titel gewinnen konnte. Damals bestand die U20 Mannschaft aus Michael Borgstädt, Oliver Witzke, Achim Illner, Christian Pimmingsdorfer, Alexander Schramm, Kai Ullrich, Kathrin Jahnke und Sebastian Siebrecht. Bekanntermaßen haben es viele von ihnen später zu sehr starken Spieler:innen gebracht und können nun Titel wie Internationaler Meister oder Großmeister für sich beanspruchen.

Nach all den Jahren hat am letzten Wochenende nun unsere U14 es geschafft, diesen Erfolg zu wiederholen und den Titel des NRW-Mannschaftsmeisters zu gewinnen. Das Team bestand aus Mykola Korchynskyi, Nils Berresheim, Daniel Klaus, Collin Goldkuhle und Lukas Lüersen.

Gespielt wurde in der beschaulichen Tagungsstätte Auf dem Ahorn in Nachrodt-Wiblingwerde. Wer hier an ein kleines Dorf irgendwo im Nirgendwo denkt, liegt richtig. Zur kurzen Orientierung: Von der Jugendherberge ist der nächste Supermarkt „nur“ knappe 6 km entfernt. Beste Bedingungen also, um sich auf Schach zu konzentrieren.

Am Turnier nahmen sechs Mannschaften teil, die sich bei der Vorrunde im Mai qualifiziert hatten. Als Sieger der Qualifikation gingen wir daher mit einer gewissen Favoritenrolle ins Rennen. Los ging es in Runde 1 gegen SV Erftstadt. Nach einem schlimmen Figureneinsteller von Lukas ohne Rettungschancen lagen wir schnell 0:1. Doch an den anderen drei Brettern konnten alle Partien souverän gewonnen werden, sodass der erste Mannschaftsieg mit einem 3:1 zu Buche stand.

In Runde 2 stand dann das übliche Duell mit der SG Porz an, und das hatte es in sich. Mykola wurde an Brett 1 in der Eröffnung überrascht und stand sehr gefährdet. Auch der Angriff von Lukas hätte vom Gegner vermutlich besser verteidigt werden können, sodass dort nur noch ein Minusbauer zu sehen gewesen wäre. Nils Stellung war sehr kompliziert, doch nach einer Unachtsamkeit hatte auch er einen Minusbauern. Nur Daniels Partie überzeugte. Mit Druck gegen die weißen Bauernschwächen und den aktiveren Figuren sah alles nach einem Sieg für ihn aus. Doch was folgte, war das absolute Chaos: Mykolas Gegner patzte, indem er seine Dame einstellte. Daniel revanchierte sich daraufhin: Er übersah eine Gabel und verlor damit seinen Turm. Nils konnte mit aktivem Spiel seinen Bauern zurückgewinnen und die Spieler einigten sich auf Remis. Zwischenstand 1,5:1,5. So blieb die Partie von Lukas: Dieser hatte die Stärke der ungleichfarbigen Läufer im Angriff ausgenutzt und so ein Endspiel mit Mehrbauern erreicht. Einziges Problem: im Endspiel sind die ungleichfarbigen Läufer eher ein Remisfaktor. Daher gestaltete sich die Verwertung als sehr schwierig und nach einigen verpassten Chancen ging auch diese Partie Remis aus. Endstand 2:2. Das war knapp!

In der dritten Runde spielten wir gegen SVG Plettenberg. Der Kampf verlief deutlich entspannter als der letzte. Mykola und Nils konnten ihre Partien sicher gewinnen. Eine besonders starke Partie spielte Lukas. Er konnte mit einem langfristigen ersten Bauernopfer seinen Gegner zunächst nach hinten drängen und dann mit einem zweiten Bauernopfer die Stellung entscheidend öffnen. Das Matt war danach die direkte Folge. Leider schien nach der ersten Runde bei Daniel der Wurm drin gewesen zu sein: Erneut konnte er seinen Gegner überspielen doch sich am Ende nicht dafür belohnen. Endstand: 3:1

Runde 4 brachte uns mit dem Godesberger SK den vermeintlich härtesten Gegner, der beim Qualifikationsturnier Zweiter geworden war. Entsprechend knapp verlief der Kampf auch. Mykola musste nach einem Figurenverlust früh aufgeben. Für uns sprach aber, dass Collin nach überstandener Corona-Quarantäne zu der Mannschaft stoßen konnte. So spielte er an Brett 4 gegen seinen noch sehr jungen Gegner und konnte fast zeitgleich nach einem Damengewinn den Ausgleich wieder herstellen. Ein gelungener Einstand! Nachdem Daniel seine Negativserie fortsetzte, war Nils in einem ausgeglichenen Endspiel zum Siegen verdammt. Lange Zeit sah es nicht verheißungsvoll aus, doch dann das: Springergabel! Nils gewann erst Material und dann die Partie. Endstand 2:2

Somit kam es in der letzten Runde zum alles entscheidenden Duell mit der punktgleichen Mannschaft von Blauer Springer Paderborn. Schnell konnte Mykola dank seiner Vorbereitung zwei volle Bauern in der Eröffnung gewinnen. Schon nach einer halben Stunde war die Partie beendet. Im Kontrast dazu wurden Nils und Lukas beide mit dem Flügelgambit im Sizilianer überrascht. Beiden gelang es jedoch der gegnerischen Vorbereitung auszuweichen und langsam, aber sicher die Initiative zu ergreifen. Nils gewann seine Partie mit einem entscheidenden Königsangriff, Lukas eroberte einen Bauern und vereinbarte Remis. Der Kampf und der Titel waren damit bereits sicher, bevor Collin in einer wilden Partie am Ende den kühleren Kopf behielt und den höchsten Sieg des Turniers veredelte. Endstand: 3,5:0,5.

Mit drei Mannschaftssiegen und zwei Unentschieden bedeutete das den ersten Platz und die Qualifikation zur DVM 2022 im Dezember. Glückwunsch zu dieser sensationellen Teamleistung! Und wer weiß, vielleicht schafft auch Einer aus dieser Mannschaft, ähnlich wie bei ihren Vorgängern, den Sprung zum Meistertitel…

Hier nun die Einzelergebnisse:

Brett 1 Mykola: 4/5

Brett 2 Nils: 4,5/5

Brett 3 Daniel: 1/4

Brett 4 Collin 2/2

Brett 5: Lukas 2/4

Ergänzung des Redakteurs: Einen großen Anteil an dem Erfolg haben auch die beiden engagierten Trainer Timo Küppers und Lasse Struck. Lasse übernahm die Betreuung der Mannschaft nach der 3. Runde und darf sich somit gleich bei seinem ersten Einsatz über einen Titel freuen!

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William Spencer Churchill

Schachaufgabe

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