With a little help from René

Geschrieben am 08.12.2018 von Volker Gassmann

Jugendverbandsliga: SFK II kommt mit einem blauen Auge davon

Obwohl wir für die zweite Jugendmannschaft insgesamt 10 Stammspieler gemeldet haben, zeichnete sich bereits im Vorfeld ab, dass wir bei der Aufstellung in der dritten Runde große Schwierigkeiten bekommen würden. Und das ausgerechnet im Spitzenspiel gegen Rochade Eving, das ebenfalls in den ersten beiden Runden gewonnen hatte. Und tatsächlich: Nach Absagen von Anna, Luca, Cem, Isabel, Marco und den nominell stärksten Ersatzspielern mussten wir Brett 1 frei lassen. An Brett 6 hatte René eine voraussichtlich sehr schwierige Aufgabe gegen einen nominell überlegenen Gegner. Immerhin waren wir an den übrigen Brettern überlegen. so dass ich mir trotz des kampflosen Verlustpunktes durchaus Chancen ausrechnete.

An den meisten Brettern kam es aber anders als erwartet, und am Ende war es der Sieg von René, der uns noch ein Unentschieden rettete:

Einen schlechten Tag erwische Nico, der das Londoner System spielen wollte, aber plötzlich bemerkte, dass er e3 vor Lf4 gespielt hatte. Das kann Weiß sich leisten, aber die psychologischen Folgen waren die ganze Partie spürbar. Nico blieb unter seinen Möglichkeiten und kam bald in Bedrängnis. Immerhin spielte Nils eine sehr starke Partie und gewann im Rekordtempo: 1:1 nach 50 Minuten.

Lasse stand etwas besser, aber die Partie von Alexander an Brett 2 gab Anlass zur Sorge: Es war klar, dass er mit Schwarz einen Bauern geben und nach Kompensation Ausschau halten musste. Dabei verbrauchte er irrsinnig viel Zeit - gefühlt mehrfach mehr als 30 Minuten für einen Zug. Die Fähigkeit und Bereitschaft von Alexander, sich ganz tief in die Partie hineinzuknien, ist langfristig sehr positiv - an diesem Tag wäre etwas Pragmatismus wohl angebracht gewesen. Es gab m.E. zwei oder drei spielbare Zugfolgen, alle mit Kompensation für den Bauern bei sehr komplizierter Stellung - also riskant bei wenig Zeit. Immerhin überstand er die Eröffnung und erhielt tatsächlich eine meiner Meinung nach ausreichende Initiative.

Unterdessen spielte René eine tolle Partie: Nach für ihn ungewöhnlich solider Schwarz-Eröffnung erreichte er dank eines weißen Doppelbauern eine positionell vorteilhafte Stellung. Anschließend behielt er bei einer langen Zugfolge in taktisch sehr komplizierter Stellung mit mehreren hängenden Figuren die bessere Übersicht und gewann mit einer Springergabel einen Turm. Kurze Zeit später der verdiente Sieg zum 2:1 gegen eine zwar unerfahrene Gegnerin, die aber ebenfalls gut gespielt hatte.

Ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt gab Nico ein sicheres Remis, welches durch Schlagen Lc3xd4 erzielbar war, aus der Hand: Er schlug mit dem Bauern e3 auf d4. Die schwarzfeldrigen Bauern a3, b2 und der entstehende Isolani auf d4 machten den Lc3 zu einem Großbauern und der Gegner gewann das Läuferendspiel sicher. 2:2.

Inzwischen hatte Lasse die ambitionslose Eröffnung des Gegners gut ausgenutzt und trotz symmetrischer Bauernstellung durch Lb7 und Da8 eine starke Druckstellung gegen den Sf3 erreicht, der durch Le2 permanent gedeckt werden musste. Als der Lb7 dann nach d5 ging und zusätzlich die andere Bretthälfte bedrohte, war Weiß zu einem Bauernopfer gezwungen und geriet schnell auf die Verliererstraße: Nach ca. 3 Stunden führten wir 3:2.

Zu diesem Zeitpunkt hatte Alexander endlich rochiert und seine Figuren gegen die generische Rochadestellung in Stellung gebracht. Leider war seine Zeitnot so groß, dass er sich bei einem Figurenopfer verrechnete und verlor: Endergebnis also nur 3:3.

Wir haben damit trotz Aufstellungssorgen unsere Tabellenführung verteidigt, müssen nun aber um jeden Brettpunkt kämpfen, da Rochade Eving voraussichtlich die letzten beiden Runden gewinnen wird.

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Die Menschen haben nie mehr Geist gezeigt, als wenn sie gespielt haben und wegen seines Mangels an Glückreiz steht das Königliche Spiel über allen anderen und stellt es der Wissenschaft nahe.

Gottfried Wilhelm Leibniz

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